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Endloser Korrektur-Modus - Studentin der Uni Leipzig wartet fast ein Jahr auf ihr Zeugnis

Endloser Korrektur-Modus - Studentin der Uni Leipzig wartet fast ein Jahr auf ihr Zeugnis

Der entsprechende Abschnitt in der Prüfungsordnung lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Das Bewertungsverfahren der Bachelorarbeit soll eine Dauer von sechs Wochen nicht überschreiten.

" Doch das kollidiert krass mit dem, was einer Uni-Studentin widerfuhr, die fast ein Jahr ohne Abschluss da stand, weil die Gutachter sich über die Maßen Zeit ließen.

Ihren richtigen Namen will die Betroffene der Odyssee nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen, weil sie inzwischen an einer anderen Hochschule ein weiteres Studium aufgenommen hat und mögliche Nachteile fürchtet, wenn ihre Anonymität nicht gewahrt bleibt. Passend zu ihrer Geschichte könnte sie vielleicht Gerlinde Gradlos heißen, denn die Verleihung das Bachelor-Grades zog sich an der Alma mater schier endlos hin. Zunächst sah alles gut aus: Gerlinde Gradlos suchte sich selbst ein Thema für ihre wissenschaftliche Schrift, es gab grünes Licht, sie konnte loslegen. Im Frühsommer 2012 und damit pünktlich gab sie das Werk ab und war optimistisch, dass die Dinge ihren geregelten Lauf nehmen - also in der bevorstehenden vorlesungsfreien Zeit die Erst- und Zweitkorrektur erfolgen würden. "Ich hatte geliefert, jetzt sollten es meine Betreuer tun."

Ein Trugschluss. Der Sommer ging, der Herbst kam, aber keine Nachricht zum Begutachtungsstand ihrer Arbeit, geschweige denn die frohe Botschaft, dass sie gelungen sei. Glück im Unglück: Gerlinde Gradlos hatte nicht vor, sofort beruflich einzusteigen, sondern ein zweites Studium an einer anderen Hochschule zu absolvieren. "Das war zwar zulassungsbeschränkt, aber ich brauchte als Befähigungsnachweis für diese Bachelor-Ausbildung keinen Uni-Abschluss, sondern nur mein gutes altes Abiturzeugnis." Sie wurde immatrikuliert und musste fortan an zwei Fronten kämpfen. Einerseits die neuen Studienaufgaben meistern, auf anderen Seite die Spur ihrer im akademischen Getriebe versandeten Bachelorarbeit verfolgen.

"Ich habe immer wieder im Prüfungsamt und im Sekretariat meines Professors angerufen, zahllose Mails geschickt und nach und nach den Glauben verloren, weil das Wirrwarr nicht mehr zu durchschauen war." Einmal hieß es, die Erstkorrektur liege vor, aber die Zweitkorrektur fehle. Fast zwei Monate später hatte sich der Fall umgekehrt. Die Zweitkorrektur sei nun da, doch die Erstbegutachtung nicht, so die Auskunft. Auch zum Jahreswechsel gab es für Gerlinde Gradlos nichts zu feiern - Zeugnis: Fehlanzeige.

April, April, in jenem Monat 2013 wurde ihr dann auf Anfrage mitgeteilt, es liege nun vor - nur leider ohne Unterschriften. Wieder gingen zwei Monate ins Land, dann durfte sie es sich endlich abholen samt der Bemerkung, es sei ja schon im April vorrätig gewesen und sie hätte sich intensiver kümmern müssen. "Da bin ich dann ausgerastet."

Professor Claus Altmayer, der Uni-Prorektor für Bildung, sagte, wenn die Begutachtung tatsächlich so lange gedauert habe, sei das "untragbar". Angesichts der hohen Studierendenzahlen in vielen Instituten und der damit verbundenen Arbeitsbelastung könne es freilich vorkommen, dass die angestrebte Sechs-Wochen-Frist beim Bewertungsverfahren vereinzelt überschritten werde. Bei erheblichen Verzögerungen rät Altmayer Studierenden, sich an den zuständigen Prüfungsausschuss zu wenden. Auch Studiendekane und Dekane seien dann Anlaufstellen. "Und mich können die Betroffenen natürlich auch kontaktieren."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.06.2013

Beck, Mario

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