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Endspurt beim Umbau des Straßenbahnhofs Dölitz

Vor-Ort-Besuch Endspurt beim Umbau des Straßenbahnhofs Dölitz

Monatelang mussten die Anwohner mit Lärm, Staub und Dreck der Baustelle leben. Doch jetzt kristallisiert sich immer mehr heraus: Den Planern des 33,4 Millionen Euro teuren Umbauprojekts am Straßenbahnhof Dölitz ist ein großer Wurf gelungen. Der Hof wird ein High-Tech-Wunder, das geschickt die Historie aufgreift.

Der Portikus (im Hintergrund) ist das Wahrzeichen des Straßenbahnhofs geblieben. Martin Engelmann (links) und Frank-Uwe Neubert leiten den Umbau.
 
 
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das neue Wahrzeichen ist das alte geblieben und schon weithin sichtbar: Der historische Portikus der alten Wagenhalle wird gerade hergerichtet. Doch wer genau hinschaut stellt fest, dass er jetzt zehn Meter weiter nördlich steht und die ursprünglich auch noch vorhandene Holzwagenhalle völlig verschwunden ist. Stattdessen dehnt sich jetzt hinter dem Portikus eine riesige asphaltierte Straßenbahn-Abstellanlage, auf der bis zu 75 „15-Meter-Fahrzeugeinheiten“ - zum Beispiel 25 dreigliedrige Straßenbahn-Großzüge - Platz finden. Sie müssen jetzt auch nicht mehr rangiert werden, denn die Planer haben das Kunststück vollbracht und auf dem Gelände einen Rundkurs geschaffen. Der Preis dafür war hoch: Die Bauarbeiter mussten nicht nur 25 Kleingärten an der Ostseite des Areals abbrechen, sondern auch das bis zu fünf Meter differierende Geländeniveau einebnen. Zu sehen ist das an den Grundstücksgrenzen: Dort stehen auf 260 Meter Länge Bohrpfahlwände, deren Pfeiler bis zu fünf Meter aus dem Erdreich ragen und bis zu neun Meter tief gegründet sind, um die neuen abrupten Höhenunterschiede zu den Nachbargrundstücken abzufangen.

Der Portikus wird noch am neuen Standort aufgebaut – mit den über 100 Jahren alten Holzbalken, die die Konstruktion schon am alten Standort abstützten. „Wir verwenden sogar die alten Mauersteine“, betont Projektleiter Martin Engelmann von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB). Dies sei eine Auflage der Denkmalschützer gewesen. Aber das Fundament und die Verschalung der Dachkonstruktion sind neu. „In die Mitte des Giebeldreiecks kommt auch wieder ein sechsgliedriges Sprossenfenster“, betont Engelmann.

Mit ähnlicher Liebe zum Detail wurde die historische Jugendstil-Betonhalle aus dem Jahr 1912 saniert. Sie wurde vollständig entkernt, weil in der Halle künftig 15 Busse abgestellt und versorgt werden sollen. In einigen Wochen soll auch dort wieder die historische Uhr auf dem Dach angebracht werden. „Vor kurzem haben wir bei einem Starkregen bemerkt, dass die Dachentwässerung defekt ist“, erzählt der stellvertretende Projektleiter Frank-Uwe Neubert „Deshalb werden wir jetzt auch noch die Dachabdichtung komplett erneuern.“

Das neue Herzstück des Straßenbahnhofs ist die multifunktionale Wasch- und Wartungshalle. Der insgesamt 113 Meter lange und 32 Meter breite Komplex beherbergt unter anderem ein Wartungsgleis, an dem die Bahnen von drei Seiten gleichzeitig repariert werden können. Eine besonders schnelle Doppelportal-Waschanlage wird noch installiert. Für die 120 Mitarbeiter starke Belegschaft des Straßenbahnhofs gibt es dort Dusch-, Umkleide-, Pausen- und Schulungsräume; auch eine Elektrowerkstatt und eine Schlosserei sind integriert. Sogar ein kleines, gasbetriebenes Blockheizkraftwerk haben Leipzigs Stadtwerke eingebaut. Es wird das gesamte Grundstück mit Strom und Wärme versorgen. Das riesige Dach ist begrünt und eine Photovoltaikanlage wird derzeit dort oben installiert.

„In der Waschanlage gibt es eine Osmoseanlage, die das gebraucht Wasser wieder aufbereitet“, betont Engelmann. Auch eine anthrazitfarbene Ziegel-Vorhangfassade wurde am Gebäude angebracht – für eine optimale Wärmedämmung mit einer langlebigen und wartungsfreien Außenhaut.

Die Waschanlage nutzt das Regenwasser, das auf dem gesamten Areal niedergeht. Es fließt in zwei unterirdische Zisternen, die jeweils 250 Kubikmeter Wasser fassen und an der Ostseite des Grundstückes unter die Erde gebracht wurde. „Über diesen Zisternen wird noch ein kleiner Verdunstungsteich angelegt“, erzählt Engelmann. „Dort wird es dann richtig idyllisch aussehen.“

Bislang sind 75 Prozent aller Arbeiten erledigt. Noch aus steht die Gestaltung des Vorplatzes. Dort sollen nicht nur das alte Granitpflaster aus der Zeit um 1890 wieder verwendet werden, sondern auch das Schlackepflaster, das dort zu DDR-Zeiten verlegt wurde.

Noch bestückt werden muss ein unscheinbarer Flachbau, der direkt neben dem Portikus steht. Dort wird einmal der Fahrdienstleiter des Straßenbahnhofs arbeiten und über zahlreiche Monitore den Betrieb steuern. „Es ist auch angedacht, dies einmal über Fernsteuerung vom Straßenbahnhof Angerbrücke zu tun“, sagt Engelmann. Technisch sei dies kein Problem, zumal der gesamte Straßenbahnhof künftig videoüberwacht wird.

Intern ist geplant, alle Anlagen Ende Juli in Betrieb zu nehmen. „Am 23. Juli schalten wir hier scharf“, sagt Engelmann. „Am 30. Juni wollen wir mit allen Abnahmen fertig sein.“ Ein Termin für die feierliche Eröffnung stehe aber noch nicht fest.

Von Andreas Tappert

Straßenbahnhof Dölitz leipzig 51.284692 12.39459
Straßenbahnhof Dölitz leipzig
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