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Lokales Energiegenossenschaft Leipzig expandiert
Leipzig Lokales Energiegenossenschaft Leipzig expandiert
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00:17 11.05.2016
Der vierköpfige Vorstand der EGL ist von seinem Konzept überzeugt: Benjamin Mackowiak, Matthias Mattiza, André Wüste und Heike Just (von links). Quelle: EGL
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Leipzig

In Leipzig ist ab ab Montag (9. Mai) ein neuer Stromanbieter auf dem Markt: Die Energiegenossenschaft Leipzig – die seit eineinhalb Jahren auf dem Dach der Ludwig-Hupfeld-Straße 16 die erste Bürger-Solaranlage der Stadt betreibt – bietet jetzt einen „Bürgerstromtarif“ an. Dieser Öko-Strom wird von den Bürgerwerken mit Sitz in Heidelberg bezogen.

Die Leipziger waren im November 2015 mit ihrer Anlage in Böhlitz-Ehrenberg an den Markt gegangen. Mit einer Größe von 85 Kilowatt peak (kWp) produziert sie jährlich rund 73 0000 Kilowattstunden ökologischen Strom. „Unser Modell ist ein Erfolg“, berichtet André Wüste, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Leipzig (EGL). Geplant gewesen sei, 80 Prozent der selbst erzeugten Energie an die Mieter des im Haus befindlichen Hupfeld-Centers zu verkaufen, die restlichen 20 Prozent sollten für relativ geringe 11 Cent je Kilowattstunde in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. „Inzwischen verkaufen wir hundert Prozent an die Mieter“, erzählt der 33-Jährige, der als Stadtplaner in Merseburg arbeitet. „Sie bekommen den Strom von uns weitaus günstiger als er auf den Markt zu haben ist. Und unsere Einnahmen sind deutlich höher als bei der Einspeisung ins öffentliche Netz.“

Der neue „Bürgerstrom“ enthält allerdings noch keine Energie aus Leipzig. Stattdessen ist die EGL im Februar der Heidelberger Genossenschaft Bürgerwerke beigetreten, die den grünen Strom von 50 Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland vermarktet. „Für uns ist das ,demokratischer Strom’“, betont Matthias Mattiza, Vorstandsvorsitzender der EGL. „Denn dieser Strom kommt aus genossenschaftlichen Anlagen. Eine Genossenschaft ist für uns eine demokratische Unternehmensform, weil jedes Mitglied unabhängig von der Höhe seines Mitgliedsbeitrages eine Stimme hat und die Entwicklung der Genossenschaft mitgestalten kann.“

Die EGL hat derzeit 100 Mitglieder, beim Start im November 2014 waren es reichlich 30. Jeder hat mindestens zwei Anteile à 100 Euro gezeichnet, das Engagement kann freiwillig auf bis zu 20 000 Euro aufgestockt werden. Obwohl sie dafür eine ertragsabhängige Dividende von 1,5 bis 2 Prozent erhalten, seien die meisten Mitglieder aus idealistischen Gründen dabei, betont Wüste. „Sie wollen in erster Linie eine sinnvolle, nachhaltige Geldanlage.“ Ihren ersten Gewinn will die EGL in ein bis zwei Jahren ausschütten.

Der neue Bürgertarif ist in Leipzig allerdings etwas teurer. als in anderen Regionen Deutschlands. „Das liegt an den Netzentgelten, die in Ostdeutschland höher sind“, sagt Wüste. Interessenten müssten mit rund 27 Cent je Kilowattstunde rechnen.

Ziel der EGL ist es aber, bald auch selbst erzeugten Strom an die Bürgerwerke und damit an die Leipziger verkaufen. Deshalb werde die Beteiligung an einem Windrad geprüft, das in der Region Leipzig steht und schon Strom produziert. „Dann könnten wir einen Teil dieses Stroms anbieten“, denkt Wüste laut nach. Auch ein Photovoltaikprojekt werde „direkt in Leipzig“ verfolgt, sei aber noch nicht spruchreif. „Wir prüfen auch noch kleinere Projekte auf Mehrfamilienhäusern, deren Eigentümer nicht selber in eine Solaranlage investieren wollen, aber das Dach dafür zur Verfügung stellen.“ Vorstellbar sei sogar, dass die EGL Wärmeenergie aus erneuerbaren Energien erzeugt, zum Beispiel, indem sie ein Blockheizkraftwerk betreibt. „Wir wollen eine Energiewende, an der viele Bürger partizipieren“, sagt Wüste. „Und wir wollen zeigen, dass es auch ohne Braunkohle und Dörfer wegbaggern geht.“

Das Konzept des Leipziger Bürgerstroms wird am Montag ab 19 Uhr im Haus der Demokratie, Bernhard-Göring-Straße 152, vorgestellt; www.energiegenossenschaft-leipzig.de

Von Andreas Tappert

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