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Lokales Engagierte Stifter gehen „baden“
Leipzig Lokales Engagierte Stifter gehen „baden“
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22:00 27.08.2017
Vor dem trockenen Wasserbecken am Fuße des Völkerschlachtdenkmals trafen sich am Sonnabend die Stifter, die die Sanierung des Bauwerkes kofinanzieren. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Ein Bild mit Seltenheitswert: Hunderte trafen sich am Sonnabend am Völkerschlachtdenkmal. Das allein wäre noch nicht ungewöhnlich: Zur Momentaufnahme mit historischem Potenzial machte es der Standort. Das Foto entstand im derzeit wasserleeren Becken des Mahnmals. „Voll“ war es nur von Menschen. Wer auf diese Weise „baden“ geht, sitzt nicht etwa im Trockenen. Den hier Versammelten ist nämlich zu danken, dass sich schon im nächsten Jahr der imposante Bau im Wasser spiegeln wird. Es sind die Mitglieder des Fördervereins Völkerschlachtdenkmal und dessen über 600 Unterstützer. Jene, die Stifterbriefe erworben haben, um die Sanierung Schritt für Schritt voranzutreiben. Sie alle finden ihren Namen nun in Ehrenbüchern und auf Tafeln im Stifterzimmer – sie alle kamen zum Stiftertreffen, um den Dank von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und des Vorsitzenden des Fördervereins, Klaus-Michael Rohrwacher, entgegenzunehmen.

Verein sammelte fast zwei Milionen Euro für Rettung des Denkmals

Fast zwei Millionen Euro habe der Verein schon für die Sanierung des Denkmals gesammelt. Eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte. „Möglich wurde sie durch engagierte Menschen, Menschen, die sich für die Friedensbotschaften des Mahnmals engagieren: Es sei ein Glück, nicht im Krieg zu sein“, betonte Rohrwacher. Die nationale Gedenkstätte stehe für die Mahnung, den Frieden zu wahren und Demokratie zu leben. „Viele dieser klaren und versteckten Botschaften sind im Inneren des Denkmals zu entdecken“, ergänzte der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, Volker Rodekamp. Eine Symbolik, die mit dem vorgelagerten Wasserbecken beginne. Das Völkerschlachtdenkmal als Leipziger Wahrzeichen könne dort optisch die doppelte Größe erreichen. Wenn das künftige Wasserbecken zum fantastischen, großen Spiegel werde.

Wasserbecken-Sanierung in der Schlussphase

Näheres konnten die Festbesucher während einer Führung erfahren. Nach einem festlichen Konzert in der Krypta erkundeten sie Kutscherstube, Katakomben und eben auch das Wasserbecken. „Das 162 Meter lange und 79 Meter breite Becken ist kein reines Rechteck“, sagte Oberbauleiter Ronald Börner. „Hinten ist es nämlich schmaler, so wirke das sich spiegelnde Denkmal optisch noch größer. Nachdem das Becken von Wildwuchs, Schlamm und Kies befreit wurde, befinden sich die Bauarbeiten nun in der Endphase.“ Im Grunde normaler Baustellenalltag – schwierig wurde er durch die Vorgeschichte. Börner: „Wir hatten keine Unterlagen, wussten nicht genau, was wir vorfinden. Klar war nur, dass der Untergrund kompliziert ist: Denn Wasserbecken und Böschung wurden auf Aschegruben und Hausmüll angelegt. Alles, was man loswerden wollte, wurde weggeschmissen“, schilderte der Experte. „Einige Flächen sackten dadurch ab; mussten stabilisiert werden. Gutachter begleiteten deshalb die gesamte Sanierung. Geprüft wurde das Gelände zudem auf Kampfmittelfreiheit. Nun werden Sand und Schotter bald von Wasser bedeckt sein. Wir sind sicher, dass wir das Regenwasser noch vor dem ersten Frost vom Denkmalskörper ins Becken einlassen können. Im nächsten Jahr wird der Wasserspiegel dann sichtbar ansteigen. Die Originalhöhe liegt bei etwa 80 Zentimeter“, führte Börner weiter aus. Gleichzeitig werden die Arbeiten an der Treppe und der Brüstung fertiggestellt.

Nach der Instandsetzung von Wegen, Zufahrten und Grünflächen soll die komplette Sanierung im Mai 2019 abgeschlossen sein. Das hohe Spendenaufkommen des Fördervereins unterstütze die Sanierung weiterhin. Daran erinnern werden danach auch die historischen Aufnahmen: ein Becken voller Menschen. Dokumente – demnächst zu finden im Stadtgeschichtlichen Museum.

www.voelkerschlachtdenkmal.de

Von Ingrid Hildebrandt

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