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„Entscheidend ist die Gesundung der LWB“ - Aufsichtsratschef Lütke Daldrup im Interview

„Entscheidend ist die Gesundung der LWB“ - Aufsichtsratschef Lütke Daldrup im Interview

Viel Aufregung gab es in den letzten Wochen um die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB). Im März lehnte der Stadtrat eine Vertragsverlängerung für Geschäftsführer Peter Stubbe ab.

Leipzig. Es folgten diverse Scharmützel, die für den kommunalen Großvermieter zur denkbar ungünstigen Zeit kamen: Schließlich will er gerade den größten Wohnungsverkauf in seiner Unternehmensgeschichte für über 72 Millionen Euro realisieren. Die LVZ sprach darüber mit Engelbert Lütke Daldrup, den Vorsitzenden des LWB-Aufsichtsrates.

Frage: Weshalb will die LWB 2577 Wohnungen an den israelischen Investor Brack Capital verkaufen?

Engelbert Lütke Daldrup: Die LWB ist auf gutem Weg, endlich schwarze Zahlen zu schreiben. Aber dafür muss noch einiges getan werden. Deshalb hat der Aufsichtsrat im letzten Sommer im Rahmen der Unternehmensplanung beschlossen, ein Wohnungspaket zu veräußern. Damit soll die Schuldenlast der LWB deutlich verringert und gleichzeitig mehr in die Bestände investiert werden. Die Geschäftsführung hat einen Käufer gefunden, der dauerhaft an den Häusern interessiert ist und der einen vernünftigen Preis bezahlen will. Natürlich steht der Verkauf im Einklang mit dem wohnungspolitischen Konzept und dem Wohnraumversorgungs-konzept der Stadt Leipzig.

Wann erfahren Ihre Mieter, wer von dem Verkauf betroffen ist?

Am 12. April wird der Aufsichtsrat der LWB über den Verkauf entscheiden.Danach werden zuallererst die Mieter informiert.

Müssen die Betroffenen damit rechnen, durch den Eigentümerwechsel Nachteile zu erleiden?

Nein. Die Mietverträge und der Mieterschutz bleiben selbstverständlich uneinge-schränkt bestehen.

Sind weitere Paketverkäufe geplant?

In der Unternehmensplanung bis 2020 sind nur noch einzelne Verkäufe aus dem Streubesitz sowie dem schon lange leer stehenden Verwertungsbestand vorgesehen.

Was halten Sie von dem Vorschlag der Grünen, Ute Schäfer als Allein-Geschäftsführerin der LWB zu bestellen?

Frau Schäfer ist eine sehr gute kaufmännische Geschäftsführerin. Man sollte aber auch ihr nicht zu viel zumuten. Es lässt sich über alles reden. Eine Allein-Geschäftsführung wird von mir und den anderen Mitgliedern der LWB-Personalkommission jedoch eher kritisch gesehen. Die Größe und Komplexität des Unternehmens legen ebenso wie das breite fachliche Spektrum - von Finanzprodukten bis zur Bautechnik - eine Zweier-Geschäftsführung nahe. Auch Compliance-Gesichtspunkte sprechen für ein Vier-Augen-Prinzip. Sinnvoller erscheint mir, das Management nach der erfolgreichen Einführung des Informationssystems SAP insgesamt zu straffen, um weitere Einsparungen zu erzielen.

Wie sieht das Verfahren zur Berufung eines zweiten Geschäftsführers aus?

Der Aufsichtsrat der LWB und der Stadtrat stehen vor der Aufgabe, einen neuen technischen Geschäftsführer zu finden. Ziel der LWB-Personalkommission ist es, den Stadtrat frühzeitig in den Auswahlprozess einzubeziehen, um einen Konsens zu erreichen. Den Fraktionsvorsitzenden wurde deshalb  bei einem Treffen in dieser Woche vorgeschlagen, gemeinsam mit der Personalkommission über das Anforderungsprofil, das Auswahlverfahren und die Bewerberauswahl zu befinden. Wir haben dem Stadtrat die Einrichtung einer „erweiterten Personalkommission“ angeboten. Die vier anwesenden Fraktionen haben dieses Angebot bereits aufgegriffen.

Im Zuge der Abwahl von Peter Stubbe kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Ihnen und Teilen des Stadtrates. Was haben Sie da falsch gemacht?

Ich hatte die Aufsichtsratsentscheidung zur Wiederbestellung der Geschäftsführung sorgfältig vorbereitet und mit den Vorsitzenden aller großen Fraktionen intensiv gesprochen. Darauf aufbauend durfte der Aufsichtsrat von einer mehrheitlichen Zustimmung zu seiner Empfehlung durch den Stadtrat ausgehen. Auch der Betriebsrat der LWB unterstützte die Wiederbestellung beider Geschäftsführer. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass im politischen Prozess nach der klaren Aufsichtsratsentscheidung Anfang Dezember manche ihre Meinung ändern würden. Ob es dafür politische Hintergründe gab, darüber will ich nicht spekulieren. Das bringt das Unternehmen nicht voran.

Was wollen Sie tun, um wieder eine bessere Atmosphäre gegenüber dem Stadtrat zu schaffen?

Ich habe über die zukünftige Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Stadtrat viele Gespräche geführt. Im Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden am vergangenen Montag wurde vereinbart, die Fraktionsspitzen unmittelbar an der Personalauswahl zu beteiligen. Da nach sächsischem Kommunalrecht der Stadtrat die abschließende Entscheidungsbefugnis hat, sollte er auch Verantwortung bei der Personalsuche übernehmen.

Themenwechsel: Wie kam es zu den Planungsleistungen, die Sie gemeinsam mit Architekten und anderen Planern im Auftrag der Leipziger Stadtwerke ausführten?

Auf Anfrage der Stadtwerke hat mein Büro in Zusammenarbeit mit Leipziger Kollegen ein Angebot abgegeben. Die Beauftragung erfolgte dann ganz normal durch die Einkaufsabteilung der Stadtwerke. Im Rahmen eines Werkvertrags haben wir die Planungsleistungen erbracht. Dabei ging es um die Sanierung und neue Nutzung denkmalgeschützter Bausubstanz dieses Unternehmens.

Ist es nicht anrüchig, einen Auftrag ohne Ausschreibung von jemandem anzunehmen, mit dem Sie auch privat befreundet sind?

Bisher ging ich davon aus, dass ich mit meiner Fachkenntnis und Berufserfahrung Leipzig helfen und etwas für die Stadt tun kann. Da einige offenbar persönliche Beziehungen als Handlungsmotiv unterstellen, habe ich mich entschlossen, die Stadtwerke nicht mehr zu unterstützen. Ich habe den Stadtwerken vor einigen Tagen mitgeteilt, nicht mehr für Planungsaufträge zur Verfügung zu stehen. Im Übrigen bin ich bereits vor mehr als fünf Jahren aus dem Amt des Beigeordneten in Leipzig ausgeschieden.Die im Geschäftsleben übliche Karenzzeit von zwei Jahren zwischen dem Ausscheiden aus einem öffentlichen Amt und freiberuflicher Tätigkeit am gleichen Ort ist damit klar überschritten. Wem würde es helfen, wenn in Leipzig für ehemalige Beigeordnete ein lebenslanges Berufsverbot verhängt wird?

Wie hoch war denn Ihr Anteil an den 58.000 Euro Gesamthonorar?

Ein Drittel. An dem Projekt haben wir fast ein ganzes Jahr gearbeitet.

Es gab Gerüchte, Sie hätten vor einigen Wochen schon mit Ihrem Rücktritt als LWB-Aufsichtsratschef gedroht?

Daran stimmt nur, dass ich im Vorfeld der Stadtratsentscheidung auf die Schwierigkeiten hingewiesen habe, die durch entgegengesetzte Entscheidungen von Aufsichtsrat und Stadtrat entstehen können. Genau diese Schwierigkeiten haben wir jetzt, werden sie aber bei gutem Willen der Beteiligten ganz sicher schnell beheben. Für mich entscheidend ist die weitere Gesundung der LWB.  Dafür möchte ich die Verantwortung  als Aufsichtsratsvorsitzender weiterhin wahrnehmen.

Interview: Jens Rometsch

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