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Lokales Ephraim Carlebach Stiftung feiert 25. Geburtstag – und hat viele Angebote für Schüler parat
Leipzig Lokales Ephraim Carlebach Stiftung feiert 25. Geburtstag – und hat viele Angebote für Schüler parat
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07:00 21.06.2017
Die Synagoge in der Keilstraße: Die Ephraim Carlebach Stiftung bietet Führungen an, will auch Schülern jüdische Religion und Kultur nahebringen . Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig


Wie kam es zur Gründung der Stiftung? Die geht bereits aufs Jahr 1988 zurück, als die Ausstellung „Juden in Leipzig“ im Kroch-Hochhaus zum Überraschungserfolg wurde. Die hatte die DDR zum 50. Jahrestag der Pogromnacht organisiert, wohl auch um jüdisches Kapital ins klamme Land zu locken. „Eine Gruppe von Leuten, eigentlich zusammengewürfelt, arbeitete an dieser Ausstellung, auf die es sehr viele Reaktionen gab. Auch aus dem Ausland“, erinnert sich Plowinski, die damals ihre Doktorarbeit zu sozialen Strukturen der Leipziger Juden schrieb. Ein spannendes Thema, denn hier trafen osteuropäische Orthodoxe mit alteingesessenen Liberalen aufeinander.

Nach der Ausstellung entstand die Broschüre „Juden in Leipzig“, die auch zu Fred Grubel, dem Vizepräsidenten des New Yorker Leo Baeck Institutes, gelangte. „Er regte an, auch in Leipzig ein Institut zu gründen, um die Geschichte des Holocaust aufzuarbeiten.“ Das passte 1988 zwar noch nicht so recht ins Bild, zumal in der DDR viele Quellen selbst für die Forschung gesperrt waren. Und in Archive des Auslands zu reisen, war wohl meist undenkbar. Doch nach dem Fall der Mauer konnte die Idee vorangetrieben werden und entwickelte quasi ein Eigenleben. „Der Akt der Gründung war allerdings nicht einfach, weil wir viel Bürokratie bewältigen mussten“, so Plowinski. Deshalb habe sich die Gründung bis zum 8. November 1992 hingezogen. Wichtig für die ersten Jahre war auch der Wunsch der Religionsgemeinde, die bis auf 36 meist ältere Mitglieder geschrumpft war, die Erinnerung an sie wachzuhalten. Dass die Gemeinde so viel Zulauf, vor allem aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion bekam, konnte damals keiner ahnen. Heute gehören ihr wieder 1300 Mitglieder an. So gesehen wurde die Stiftung Begleiterin eines neuen Aufbruchs. In den Anfangsjahren hat sie viele Vorträge für die neuen Gemeindemitglieder angeboten. Die durften ihr Jüdischsein in ihrer Heimat nicht praktizieren, mussten vieles erst lernen. Der Namenspatron für die Stiftung stand übrigens von Anfang an fest: Ephraim Carlebach, der als Prediger an der orthodoxen Ez-Chaim-Synagoge fleißig für Toleranz und Akzeptanz zwischen den Religionen und ihren Glaubensrichtungen warb.

Über all die Jahre hat die Stiftung 54 Publikationen herausgegeben und 45 Ausstellungen organisiert, die von rund 188 000 Gästen – auch in Krakow, Tel Aviv oder Herzliya – gesehen wurden. Eine Sonderschau „Einblicke“ im Oberlichtsaal der Stadtbibliothek zeigt daraus ein Kaleidoskop bisheriger Ausstellungen. Es gibt Kontakte zu 120 Schulen in ganz Sachsen.

„Wir haben verschiedene Module aufbereitet, die in Ethik, Religion, Sachkunde, aber auch im fächerübergreifenden Unterricht eingesetzt werden können“, sagt Kerstin Plowinski. Dicke Bücher und auch Material, das das Schicksal des jüdischen Volkes aufzeigt, gibt es zwar. Die Stiftung bereitet die Fakten – etwa zur Synagoge – aber für Lehrer auf. Dadurch haben sie jederzeit parat, was es mit den „fünf Büchern Mose“, dem Menora genannten Kerzenleuchter mit den sieben Armen oder dem ewigen Licht auf sich hat. Ein weiteres Modul widmet sich der Pogromnacht vom 9. November 1938 – die Stiftung zeigt die Auswirkungen am Beispiel der jüdischen Familie Bamberger, die am Augustusplatz ein angesehenes Konfektionshaus für Herrenbekleidung betrieb. Darüber hinaus hat die Stiftung zwei fotografische Langzeitprojekte initiiert, darunter über „Juden in Sachsen“ sowie den Alten Israelitischen Friedhof. Die werden von der Leipziger Fotografin Silvia Hauptmann betreut.

Von Mathias Orbeck

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