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Er ist wieder da: Ex-Spitzenbeamter

Matthias von Hermanni Er ist wieder da: Ex-Spitzenbeamter

Er ist wieder da: Oder genauer gesagt, war er vielleicht auch nie richtig weg. Matthias von Hermanni (CDU), einer der bestbezahlten Beamten im Leipziger Rathaus, darf für sein Geld jetzt wieder arbeiten.

Matthias von Hermanni darf wieder im Leipziger Rathaus arbeiten.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Er ist wieder da: Oder genauer gesagt, war er vielleicht auch nie richtig weg. Matthias von Hermanni (CDU), einer der bestbezahlten Beamten im Leipziger Rathaus, darf für sein Geld jetzt wieder arbeiten.

Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, war es im Fall des früheren Chefs des Betriebes für Beschäftigungsförderung (bfb) mit 8000 Mitarbeitern jedoch sehr lange nicht. Etwa zehn Jahre lang, so erzählen Insider im Neuen Rathaus, soll von Hermanni Dienstbezüge erhalten haben, ohne dafür eine adäquate Gegenleistung erbringen zu können. Die meiste Zeit sei er nicht mal körperlich in der Verwaltung anwesend gewesen oder habe nur für den Papierkorb geschafft.

Dabei gab der frühere Spitzenbeamte sein Einkommen bei einem Strafprozess am Amtsgericht im vergangenen Jahr mit 5400 Euro pro Monat an – und zwar netto. Wie berichtet, wurde er dort wegen Subventionsbetrugs im Zeitraum 2009 bis 2012 zu einer Geldstrafe von 15 300 Euro verurteilt. Bei der Sache ging es um Fördermittel für Vereine, die auf einem Grundstück der Familie von Hermanni in Hohenroda (Landkreis Nordsachsen) tätig wurden. Eines ihrer Ziele war, Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Der Angeklagte plädierte erfolglos auf Freispruch in allen Punkten, ging dann gegen das Urteil in Berufung. Über den Fortgang ist noch nicht entschieden.

Zehn Jahre mal 5400 Euro pro Monat: Rein rechnerisch wären das fast 650 000 Euro für Tätigkeiten, die im Wesentlichen nicht erbracht wurden. Allerdings ist dieser groteske Zustand wohl vor allem die Spätfolge eines anderen Justizverfahrens, das 1999 mit der spektakulären Verhaftung des damaligen bfb-Chefs begann. Der Diplom-Verwaltungswirt, geboren 1954 in Hildesheim, war kurz nach der Wende auf Bitten von Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) nach Leipzig gekommen. Wie zuvor schon in Hannover sollte er nun auch hier einen Betrieb aufbauen, in dem Arbeitslose eine sinnvolle Tätigkeit finden. Nur avancierte der bfb in Leipzig durch das Wegbrechen ganzer Industriezweige zum größten Betrieb seiner Art in Deutschland – mit 60 Millionen Euro Anlagevermögen. Und er entwickelte bald ein diffuses Eigenleben.

2007 vollständig rehabilitiert

Die Ermittler warfen von Hermanni seinerzeit vor, er habe die Stadt Leipzig um 800 000 D-Mark geprellt. Öffentliche Gelder seien über Umwege auch in seinen privaten Hausbau in Hohenroda geflossen. Nach einer ersten Verurteilung beschloss der Stadtrat im Jahr 2003, von Hermanni zu entlassen. 2005 jedoch sprach ihn der Bundesgerichtshof von allen wesentliche Vorwürfen frei, weshalb er wieder eingestellt wurde und alle entgangenen Bezüge rückwirkend ausbezahlt erhielt.

Der Beschuldigte selbst betonte zu seinem Fall immer wieder, dass er Opfer einer Verschwörung aus Politik und Justiz geworden sei. Seine Verhaftung sowie die haltlosen Vorwürfe hätten nur ein Ziel verfolgt: Nämlich den bfb zu zerschlagen, was kurz darauf tatsächlich vollständig geschah. 2007 (nach acht Jahren) wurde ein beamtenrechtliches Disziplinarverfahren gegen von Hermanni ohne Ergebnis eingestellt. Seitdem ist er also wieder vollständig rehabilitiert.

Dennoch fand sich für den früheren Betriebsleiter, dem im Umgang mit Unterstellten öfter eine gewisse Gutsherrenart nachgesagt wurde, nie die passende Stelle im Rathaus. Anfangs hieß es mal, er sei „im Bereich Vermögenserfassung“ oder schon Jahre vor dem Völkerschlachtjubiläum 2013 mit „Sonderaufgaben“ zu diesem Thema betraut worden. Doch richtiger ist wohl, was Insider über den traurigen Fortgang der Dinge erzählen. Demnach versuchte der frühere Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) lange vergeblich, den Rehabilitierten auf einer Stelle unterzubringen, die seiner Qualifikation entspricht. „Aber niemand wollte von Hermanni nehmen. Die wehrten sich alle mit Händen und Füßen.“ Schließlich habe ihn Müller mit der Begründung gesundheitlicher Beeinträchtigungen vom Dienst freigestellt – obwohl sich von Hermanni durchaus fit fühlte und immer wieder seine Arbeitskraft anbot. Zum Beispiel bewarb er sich bereits 2006 um die Stelle des Sozialbürgermeisters – ohne Erfolg.

Erst im vergangenen Jahr, nachdem Ulrich Hörning (SPD) zum Verwaltungsbürgermeister wurde, gab es einen neuen Anlauf. Nach LVZ-Informationen schuf er im Personalamt eine Stabsstelle für von Hermanni, angeblich für „Sonderaufgaben“. Tatsächlich wurde der stadtbekannte Beamte zeitweilig nun wieder im Rathaus gesehen. Nach mehrfacher Presseanfrage teilte Hörning dazu lediglich mit, dass „Herr Matthias von Hermanni Bediensteter der Stadt Leipzig ist und Dienstbezüge gemäß sächsischem Beamtengesetz erhält. Herr von Hermanni wird aktuell im Personalamt eingesetzt.“ Weitergehende Fragen dürfe er zur Wahrung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten nicht beantworten.

Neue Stelle im Personalamt

Von Hermanni erklärte auf LVZ-Anfrage, er könne sich gemäß einer Absprache mit Bürgermeister Hörning nicht zu seinen aktuellen oder früheren Tätigkeiten für die Stadt äußern. Gegenwärtig sei er wegen einer Augen-Operation krankgeschrieben.

Offenbar sind die „Sonderaufgaben“ im Personalamt aber so speziell, dass es für den damit betrauten Mitarbeiter nicht mal eine Telefonnummer braucht. Die Telefonvermittlung im Rathaus versicherte jedenfalls bei mehreren Versuchen in den vergangenen Wochen, dass es keinen Eintrag unter dem Namen von Hermanni gebe – auch nicht im Personalamt. „Einen Mitarbeiter mit Namen von Hermanni gibt es in der Stadtverwaltung nicht, sonst würden wir ihn auch finden“, hieß es dort. Vielleicht zu Unrecht.

Von Jens Rometsch

Leipzig Neues Rathaus 51.3363379 12.3723843
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