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Lokales Er schuf die Goethe-Leuchtreklame – sein Sohn bringt sie 50 Jahre später zurück
Leipzig Lokales Er schuf die Goethe-Leuchtreklame – sein Sohn bringt sie 50 Jahre später zurück
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16:08 26.04.2018
Herbert Leuthäußer vor dem größten Werk seiner Karriere: 1967 schuf er als Neonglasbläser die Leuchtreklame „Mein Leipzig lob’ ich mir“, die derzeit in einem Depot südlich der Messestadt eingelagert ist und auf ihre Restaurierung wartet. Quelle: Dirk Knofe / LVZ-Archiv, Heinz
Neukieritzsch

 Eine dunkle Lagerhalle in einem Gewerbegebiet in Neukieritzsch südlich von Leipzig. Angerostet und eingestaubt fristet hier seit zehn Jahren Leipzigs berühmteste Leuchtreklame ein schattiges Dasein. Der Tiefschlaf hat bald ein Ende: Nach der Beilegung eines Rechtsstreits kann der berühmte Goethe-Schriftzug „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ endlich restauriert werden und soll ab 2018 auf den Höfen am Brühl leuchten. „Eine ganz besondere Herausforderung“, nennt Uwe Leuthäußer, Betriebsleiter der Firma Caralux, den Auftrag, der für den 53-Jährigen keiner wie jeder andere ist. Denn mit der Rückkehr des Wahrzeichens an den Brühl schließt sich nach einem halben Jahrhundert der Kreis bei einem außergewöhnlichen Familienprojekt.

Uwe Leuthäußers Vater Herbert war es, der die berühmte Leuchtreklame Mitte der 1960er-Jahre schuf. Als Neonglasbläser stellte Leuthäußer, selbst ehemaliger Mitarbeiter der Firma Caralux und inzwischen 90 Jahre alt, die wesentlichen Teile des fast 100 Meter langen Wahrzeichens her, das ab 1967 auf den Wohnblöcken am Brühl leuchtete. Drei Kilometer lang sind die bunten Röhren, welche er für die PGH Neontechnik und Anlagenbau damals mit einem Kollegen in der Messestadt anfertigte. Über Jahrzehnte zog das Zitat aus dem „Faust“ die Blicke auf sich und begrüßte Touristen beim Verlassen des Hauptbahnhofs zudem mit einem viersprachigen „Willkommen in Leipzig“.

Seit 2007 liegt die berühmte Leuchtreklame "Mein Leipzig lob' ich mir" bereits in einer Halle in Neukieritzsch und wartet auf ihre Restaurierung. Die LVZ hat sie mit ihrem Schöpfer und seinem Sohn besucht.

„Vater der Leuchtreklamen“ schuf auch berühmtes Messe-M

„Die Herstellung war ein immenser Aufwand und hat viele Monate gedauert“, erinnert sich der noch immer in Leipzig lebende Senior heute. „So eine große Neonanlage gibt es in ganz Deutschland nicht nochmal. Sie ist einzigartig“, meint Herbert Leuthäußer. Nach der Wende wurde der Reklame aus Kostengründen das Licht ausgeknipst. 2007 verschwand sie mit dem Abriss der Brühl-Blöcke aus dem Stadtbild, wurde abmontiert, in Einzelteile zerlegt und in Neukieritzsch eingelagert.

Die berühmte Leuchtreklame stand bis 2007 auf den alten Wohnblöcken am Brühl. Quelle: LVZ-Acrhiv/Heinz

Der Goethe-Schriftzug war bei Weitem nicht das einzige Projekt, mit dem Leuthäußer in Leipzig Spuren hinterließ. Auch beim berühmten Doppel-M der Leipziger Messe auf dem Wintergartenhochhaus, das aktuell auf LED-Technik umgerüstet wird, oder den Leuchtschriftzügen am Astoria-Hotel und den Eingangshallen des Hauptbahnhofs war er als Neonglasbläser beteiligt. Von den einstigen Erbauern ist der 90-Jährige heute der letzte Überlebende. „Alle Mitarbeiter sind über die Jahre verstorben“, erzählt der Rentner. Er selbst hatte nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1948 in seiner Heimatstadt Ilmenau zunächst als Apparateglasbläser angefangen, ehe er für seine damalige Firma 1951 eine Zweigniederlassung in Leipzig-Eutritzsch mit aufbaute.

Neues Glas für „Goethe“ kommt aus Italien

Dass die riesige Neonkonstruktion mit der Silhouette des berühmten Dichters einmal ein Familienprojekt werden würde, konnte Leuthäußer damals noch nicht ahnen. „Es ist schon eine emotionale Geschichte, dass ich das Werk meines Vaters nun fortführe und erhalten kann, was er erschaffen hat“, freut sich Sohn Uwe. Bereits 2007 erhielt Caralux den Auftrag zur Demontage und Einlagerung der Anlage, 2012 dann den Zuschlag für die Restaurierung. Die vor 20 Jahren gegründete Firma hat sich auf LED-Leuchtwerbung spezialisiert, saniert aber auch alte Anlagen mit Neontechnik. Insgesamt 80 Mitarbeiter sind bei der Firmengruppe beschäftigt, davon alleine 40 am Hauptsitz in Lemsel, einem Ortsteil von Rackwitz bei Delitzsch. Dort wird auch „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ Stück für Stück restauriert. Derzeit werden die Detailplanung mit Bauzeitenplänen sowie alle Konstruktionszeichnungen erstellt. Los geht es mit den riesigen Wappen, anschließend sollen die Schriftzüge folgen.

„Die gesamte Anlage ist in einem sehr schlechten Zustand“, schildert Leuthäußer Junior. Die meisten Röhren sind defekt. Blechkörper und Unterkonstruktionen müssen entrostet, geschliffen grundiert und neu lackiert, Leuchtmittel und Elektroden komplett ersetzt werden. Goethe hätte dies sicher gefallen: „Es wird auch neues Glas gebraucht, das aus Italien kommt“, verrät Leuthäußer. Insgesamt werde die aufwändige denkmalgerechte Sanierung wohl mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, schätzt der 53-Jährige. „Es ist wie bei einem alten Auto. Man steckt sehr viel Zeit und Liebe rein“, erklärt der Fachmann.

Kein Verständnis für jahrelangen Rechtsstreit

Ein jahrelang währender Rechtsstreit über die geplante Anbringung auf den Höfen am Brühl hatte den Start der Restaurierung seit 2012 verzögert. Dem „Vater der Leuchtreklame“ fehlte dafür jedes Verständnis. „Als ich gelesen habe, dass sich Hotelgäste beschweren würden, konnte ich das nicht glauben. So weit leuchtet sie doch gar nicht über die breite Straße“, meint Herbert Leuthäußer. Nach dem jüngst erzielten Kompromiss, der eine nächtliche „Leuchtpause“ an der Ostfront zum Marriott-Hotel vorsieht (LVZ.de berichtete), kann die Sanierung nun endlich beginnen. „Viele Leute warten doch darauf“, weiß sein Sohn.

Von den 1970er-Jahren bis 2007 war die historische Goethe-Leuchtreklame "Mein Leipzig lob' ich mir" ein Wahrzeichen der Stadt. Nun soll der berühmte Schriftzug an den Brühl zurückkehren.

Nach Abschluss der aktuell laufenden Planungen soll die Frischekur für das Wahrzeichen voraussichtlich ab Ende des Jahres Fahrt aufnehmen. Frühestens Mitte 2018 wird das Goethe-Zitat dann wieder den nördlichen Leipziger Ring in bunte Farben hüllen. „Es macht mich stolz“, sagt Herbert Leuthäußer, „dass mein Sohn diese Tradition fortführt.“ Selbst die alten Pläne von damals sind noch vorhanden, auf die sein Filius nun zurückgreifen kann. Ratschläge vom Papa braucht der 53-Jährige dabei keine. „Das kriegt er schon hin“, ist der 90-Jährige überzeugt.

Von Robert Nößler

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