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Lokales Erfunden in Leipzig: Das Jacco, ein Zwitter aus Jacke und Sakko
Leipzig Lokales Erfunden in Leipzig: Das Jacco, ein Zwitter aus Jacke und Sakko
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00:18 02.03.2017
Herbert Pölzl (rechts) und seine Freunde tragen das Jacco auch selbst und fühlen sich darin gut gekleidet.  Quelle: Gerald Schiller
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Leipzig

 Wer hat’s erfunden? Ein Österreicher! Und wo hat er’s erfunden? In Leipzig! Die Rede ist vom Jacco, einem Zwitter aus Jacke und Sakko. Seit Anfang des Jahres ist das Kleidungsstück mit Leipziger Wurzeln auf dem Markt.

Erfinder Herbert Pölzl, Inhaber einer Marketing- und Werbeagentur in Hartberg (Steiermark), erinnert sich: „Vor fast drei Jahren begann alles. Ich war zweimal auf Geschäftsreise in Leipzig, um mit einem bekannten Unternehmen einen gemeinsamen Vertrieb in Österreich aufzuziehen. Aus der Zusammenarbeit wurde letztlich nichts.“ Aber die Reise hat sich für den heute 47-Jährigen trotzdem gelohnt. Denn er kehrte mit der Idee zu etwas viel Größerem zurück.

Es war der Abend des 13. April 2014. In einer kleinen Kneipe in der Karl-Liebknecht-Straße ließ der „Ösi“ den spannenden Tag ausklingen. „Viele neue kleine Läden säumten die Straße, das Pflaster erinnerte noch vielerorts an die alte DDR, doch was sich auf dem Pflaster abspielte, war pure Aufbruchsstimmung. Und genau diese Aufbruchsstimmung wollte ich nach Hause in die Steiermark mitnehmen.“ Pölzl beobachtete die jungen Leute auf der Straße, von denen viele Outdoor-Jacken trugen, wie er auch selbst eine besaß. Und er fragte sich: „Was machen diese Leute, wenn sie Termine bei Banken oder Investoren haben? Ziehen sie sich um, zwängen sie sich in Sakko oder Anzug, oder bleiben sie so leger?“ Tief in ihm bahnte sich der Gedanke an: „Es müsste eine Jacke geben, die Lifestyle und Business verbindet und einen nicht zwingt, sich umzuziehen.“ Eine Jacke aus windfestem und regenabweisendem Softshell-Material, die man auf dem Sportplatz oder im Biergarten anziehen kann, die aber den Schnitt eines Sakkos hat und damit genauso gut für das Geschäftsleben geeignet ist.

Während der langen Autofahrt in Richtung Heimat dachte der Selbstständige viel darüber nach, ließ die Idee dann aber noch fast ein Jahr lang in der geistigen Schublade liegen. Ab und zu zog er ausgewählte Menschen ins Vertrauen und spann seine Überlegungen ein bisschen weiter. Schließlich fand er professionelle Partner: Zwei Studenten der Modeschule Graz erklärten sich bereit, mit Pölzl ein Damen- und ein Herrenmodell zu entwickeln. Monatelang wurde recherchiert und getüftelt, Materialien bestellt, ausprobiert, Schnitte geskribbelt und wieder verworfen. Im April 2016 war es dann endlich soweit, die beiden Jacken wurden im Modekolleg Graz feierlich präsentiert. Der nächste Schritt bestand darin, einen Produzenten zu finden und die Kosten zu definieren. Nach den ersten erfolgreichen Verkäufen der Prototypen wurde in der Südsteiermark ein Textilbetrieb gefunden, der die Herstellung der Jaccos übernimmt. Als Hobbykoch entschied sich Pölzl dafür, sie in drei Farben anzubieten, die man aus der Küche kennt: Heidelbeerblau, Pfefferschwarz und Olivbraun. Welche Reißverschlüsse und Ziernähte der Kunde dazu haben möchte, ob dezent oder auffällig, kann er sich selbst aussuchen Und dabei zwischen neun Farben wählen, von Curry über Limette, Chili und Mandarine bis Minze.

Seit Anfang des Jahres ist der Onlineshop freigeschaltet. Wermutstropfen: Jedes der auf Einzelbestellung angefertigten Teile kostet 359 Euro. „Das ist der Preis für ein Qualitätsprodukt, das nicht in Fernost oder Osteuropa gefertigt wird, sondern ohne Kinderarbeit in der Steiermark“, erklärt Pölzl. Er will damit auch nicht den Weltmarkt erobern, sondern exklusiv bleiben.

www.jacco.at

Von Kerstin Decker

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