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Erich Loest übergibt Bild „Aufrecht stehen“ - Werner Schulz attackiert Uni und Stadt

Erich Loest übergibt Bild „Aufrecht stehen“ - Werner Schulz attackiert Uni und Stadt

Der Schriftsteller Erich Loest kämpft seit Jahren gegen Geschichtsvergessenheit, jetzt hat er ein neues Zeichen gesetzt. Am Mittwoch übergab der 84-Jährige das Bild „Aufrecht stehen“ an die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig.

Leipzig. Das großformatige Werk des Leipziger Malers Reinhard Minkewitz entstand in seinem Auftrag. Es zeigt vor dem Hintergrund der gesprengten Leipziger Universitätskirche St. Pauli und des ebenfalls nicht mehr existenten Augusteums Gegner des SED-Regimes: Werner Ihmels, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler, Hans Mayer und Ernst Bloch.

Anlässlich der Übergabe sorgte der ehemalige Bürgerrechtler und Europaabgeordnete der Grünen Werner Schulz mit einer Rede für Aufsehen. Darin attackierte er die Leipziger Universität heftig. Diese hatte es abgelehnt, das Minkewitz-Bild zu präsentieren. Schulz zitierte Loest: "Die Geschichte qualmt noch." Der Ex-Bürgerrechtler hielt der Uni vor, einerseits Loests Gedenkbild nicht haben zu wollen, andererseits aber das Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" von Werner Tübke und das Marx-Relief, für das im Mai 1968 die Paulinerkirche auch weichen musste, zu pflegen. "Armselig die Universität, die keinen Platz für ihre Helden findet", sagte der Bürgerrechtler wörtlich.

Der Europapolitiker kritisierte allerdings nicht nur die Alma mater. Mit den Worten "Mein Leipzig tobt in mir" warf er auch der Stadtverwaltung Geschichtsvergessenheit vor. Denn diese habe es zugelassen, dass das alte Kaufhaus am Brühl abgerissen wurde. "Handel schafft Wandel scheint das ewige Bauprinzip der Stadt zu sein. So entsteht aber keine Identität und Behaustheit", kritisierte Schulz die Rathausspitze um den anwesenden Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Schulz erntete mit seiner Rede großen Applaus.

Erich Loest hatte das Bild vor vier Jahren in Auftrag gegeben. Er betrachtet es als Gegenpart zu dem umstrittenen DDR-Kunstwerk „Arbeiterklasse und Intelligenz“ (1973) von Werner Tübke. Tübke hatte akribisch mehr als 100 Repräsentanten der damaligen Karl-Marx- Universität porträtiert. Loest hält das für „ein Bild über die Vernichtung der bürgerlichen Universität“. So sei etwa auch der Mann zu sehen, der 1968 auf Anordnung des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht die Paulinerkirche sprengen ließ.

Die jetzt im Bild „Aufrecht stehen“ verewigten Persönlichkeiten lernten oder lehrten an der Universität Leipzig. Sie verließen aber die DDR oder starben wie der Theologe Werner Ihmels im Zuchthaus Bautzen, nachdem er von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Arbeits- und Besserungslager verurteilt worden war.

Thomas Mayer / dpa

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