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Lokales Erich Zeigner kommt im Leipziger Rathaus auf die Staffelei
Leipzig Lokales Erich Zeigner kommt im Leipziger Rathaus auf die Staffelei
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13:13 11.03.2018
Die Partei DIE LINKE enthüllt ein Porträt von Erich Zeigner in der OBM Galerie im Neuen Rathaus in Leipzig. v.l.Franziska Riekewald , Margitta Hollick , Sören Pellmann und William Grosser enthüllen das Bild. Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Zumindest für kurze Zeit ergänzte das Porträt Erich Zeigners am Freitag die OBM-Galerie im Neuen Rathaus. Die Linken stellten den verdienstvollen Leipziger Oberbürgermeister der Nachkriegszeit (1945 bis 1949) auf eine Staffelei neben die anderen Porträts.

„Wir haben die derzeitige Lücke in der Dauerausstellung symbolisch geschlossen und ein Porträt-Bild Erich Zeigners präsentiert, dessen Qualität den Anforderungen der Galerie gerecht wird“, sagte Sören Pellmann, der Fraktionschef der Linken. Er nannte es einen „erinnerungspolitischen Skandal“, dass das Bildnis Zeigners überhaupt fehlt.

Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung den Rathauschef der Nachkriegszeit nicht in die Galerie aufgenommen, weil sie ihn nicht „zu den demokratisch gewählten Stadtoberhäuptern seit 1877“ zählt. Laut Pellmann hat OBM Burkhard Jung (SPD) damit ein „fatales Eigentor“ geschossen. Die Gemeindewahl von 1946, in deren Folge Zeigner Stadtoberhaupt wurde, sei trotz Besatzungsrecht wesentlich demokratischer verlaufen als die Wahlen zur Kaiserzeit.

Neuer Band zur Stadtgeschichte als Argument

Begründet wird diese Aussage mit dem druckfrischen Band 3 der wissenschaftlichen Stadtgeschichte 1815 bis 1914, der am Donnerstag erschienen ist und auch Kommunalwahlen und Wahlrecht detailliert beleuchtet. Georgi, Tröndlin, Rothe und Co. heute als „demokratisch legitimiert“ oder „vorbildliche Demokraten“ zu bezeichnen ist laut Historiker Volker Külow (Linke) unsinnig. „Es waren durchweg konservative oder liberale Politiker“, sagte er. „Wenn man ihnen damals prophezeit hätte, dass sie nach über 100 Jahren als Demokraten hingestellt würden, wären sie beleidigt gewesen.“

Denn Demokraten seien in ihren Augen Linke oder Rote gewesen. Für die heutigen Linken ist daher klar: Mit der Auswahl der Porträts in der OBM-Galerie ziehe die Stadt „eine direkte Traditionslinie vom Wilhelminischen Obrigkeitsstaat nach 1871 über die Anfänge der NS-Diktatur zur viel beschworenen demokratischen Neugestaltung nach 1990“. Das wollen sie reparieren. „Holt OBM Jung das Porträt bei uns nicht ab, bekommt er es am 7. März zu seinem 60. Geburtstag geschenkt“, so Pellmann.

Angefertigt wurde eine Replik vom einzig existierenden Porträt von Zeigner als OBM, das Walter Tiemann 1948 malte. Das Original hängt im Erich-Zeigner-Haus. Die Diskussion um Zeigner werde aktuell nur auf seine Zeit als Oberbürgermeister beschränkt“, so Geschäftsführer Henry Lewkowitz. Der sei schließlich ein „langjähriger Vorkämpfer für die Demokratie“ gewesen. Etwa als sächsischer Justizminister (1921 bis 1923) sowie als Ministerpräsident (1923).

Historiker arbeitet an Biografie Zeigners

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Zeigner nach seiner Entlassung im März 1924 angeklagt wurde und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Der Vorwurf: Er habe sich für Begnadigungen bestechen lassen. „Zeigner hat die Vorwürfe immer bestritten, sich nach 1945 aber nicht rehabilitieren lassen“, sagt Historiker Manfred Hötzel, der an einer Zeigner-Biografie arbeitet. „Für ihn gab es damals Wichtigeres, er musste sich um den Wiederaufbau Leipzigs kümmern.“ Hötzel will auch diese Quellen aufarbeiten.

Von Mathias Orbeck

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