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Lokales Erich und Brigitte Arndt erklimmen Europas höchste Berge
Leipzig Lokales Erich und Brigitte Arndt erklimmen Europas höchste Berge
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00:18 20.02.2017
Der Kebnekaise (Kessel-Kamm) ist mit 2104 Metern der höchste Berg Schwedens.Brigitte und Erich Arndt haben ihn im Juli 2015 erklommen. Quelle: Fotos: privat
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Leipzig

Er sammelt Gipfelblicke wie andere Briefmarken: Der Unruheständler Erich Arndt (68), der zuletzt im Schulverwaltungsamt der Stadt Leipzig arbeitete, hat ein für die meisten anderen Menschen „anstrengendes Hobby“. Er besteigt und erwandert mit seiner Frau Brigitte (66) den jeweils höchsten Berg eines Landes. Europa mit seinen 48 Bergen und Erhebungen hat er schon fast geschafft. Es fehlt nur noch der Hvannadalshnúkur in Island. Jene Tour musste das Ehepaar im vorigen Juni allerdings abbrechen, weil zu viel Schnee lag, die Gletscherspalten zu groß, der Aufstieg damit zu gefährlich war. „Er steht noch aus, im Mai werden wir ihn erklimmen“, erzählt der Enthusiast, der natürlich auch in allen Bundesländern Deutschlands zum Wandern und Klettern unterwegs war.

Wie kommt man eigentlich auf so eine Idee? „Die ist 2010, eine Jahr vor meinem Ruhestand, entstanden. Meine Frau wollte damals unbedingt auf den Kilimandscharo“, erinnert sich der ehemalige Sport- und Geografielehrer. „Also sind wir damals auf den höchsten Berg Afrikas hinauf und waren mit dem Bergvirus infiziert.“ Es folgt der Ararat, der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei. Anschließend verschlug es die Arndts auf den Elbrus (5642 Meter) in den Kaukasus. Dort setzte sich der Gedanke fest, kontinuierlich weitere Gipfel zu erstürmen. Zeit hatten sie inzwischen genug, der Terminkalender im Ruhestand leer. „Wir möchten aktiv, also geistig und körperlich, alt werden. Deshalb stecken wir uns neue Ziele“, erzählt der leidenschaftliche Wanderer, der sich durch Joggen fit hält und schon viele Marathons gelaufen ist. Alle zwei Tage ist er mindestens 10 bis 20 Kilometer unterwegs. Erich Arndt war klar, dass er es in seinem Alter wahrscheinlich nicht mehr auf die jeweils höchsten Berge aller sieben Kontinente schafft. Deshalb beschränkten sich die Leipziger auf Europa. Ehefrau Brigitte, anfangs etwas skeptisch gegenüber der „Gipfelstürmerei“, geht regelmäßig ins Fitnessstudio. Die ehemalige Angestellte einer Bausparkasse entschloss sich aber, die für sie machbaren Gipfel mit zu erklimmen. Während der Kilimandscharo noch eine geführte Reise war, hat Erich Arndt alle Touren in Europa akribisch geplant. Dabei sind alle europäischen Länder, auch jene mit Landesanteilen. Und so sind die beiden in den vergangenen sechs Jahren in zwölf großen Runden mit dem Auto zunächst 45000 Kilometer gefahren, um die Ziele zu erreichen. Bei anderen wie Malta, Island, Kasachstan oder Zypern benutzten sie das Flugzeug. „Wir haben Pensionen, Gästehäuser, Hotels oder Berghütten als Quartier gesucht, um den Aufstieg zu wagen.“ Dabei ging es stets mit voller alpiner Ausrüstung wie Pickel, Steigeisen, Seil, Karabinerhaken und Helm auf Tour,

Albanien, Kosovo, Montenegro gehören dabei zu den eindrucksvollsten Erlebnissen. Die Dufourspitze in der Schweiz gehörte zu den schwierigsten Bergen, das Matterhorn war ein Traumziel. Dabei haben die Arndts viele gastfreundliche Menschen auf ihren Reisen kennengelernt. Gefährlich für sie war der höchste Berg in Slowenien, der Triglav. „Wir sind zwar im Sommer hoch, mussten aber über Eisrinnen steigen. Die Steigeisen hatten wir allerdings im Auto, weil wir glaubten, sie nicht zu brauchen.“

Entstanden ist ein Reisetagebuch, das Erich Arndt auf einer akribisch gestalteten und liebevoll gepflegten Internetseite veröffentlicht. Denn er möchte andere ermuntern, es ihm gleichzutun. „Manch lange Gipfelgänge waren Stunden des Leidens und des Glücks“ erinnert er sich. Dabei beginnen die Reisen mit der Planung zu Haus, enden mit der Nachbereitung. „Bei mir paart sich das Hobby Bergsteigen mit meinem Faible für die Geografie, denn dieses Fach habe ich einmal studiert“, erklärt Arndt. Bei schwierigen Aufstiegen war übrigens stets ein Bergführer dabei.

Gehen ihm nun bald die Berge aus? „Nein“, lacht Arndt: „Ich habe noch viele Ideen im Kopf.“ Nächstes Ziel werden Europas ferne Gipfel, also jene, die zu europäischen Ländern gehören, sich aber in Übersee befinden. Etwa auf den Niederländischen Antillen, Azoren oder im Südatlantik. Geht es mal nicht in die Berge, sind die Arndts trotzdem aktiv. Mit dem Fahrrad entlang der großen Flüsse, von Köln nach Amsterdam, von Passau nach Wien, von Görlitz nach Ahlbeck, von Hamburg nach Leipzig ... „Noch bin ich physisch gut drauf, ein paar Berge sollen es schon noch werden.“ Auch ein Fotobuch mit Geschichten soll entstehen. Das ist aber für die Familie und die Kinder gedacht.

www.gipfelblicke.de

Von Mathias Orbeck

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