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Lokales Erinnerung an ein Leipziger Trauma
Leipzig Lokales Erinnerung an ein Leipziger Trauma
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18:15 04.12.2018
Am Gedenkkreuz für die Leipziger Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Südfriedhof legten Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und andere Leipziger gestern Kränze nieder. Sie gedachten so der Opfer der Bombennacht vom 4. Dezember 1943, als in in der Messestadt mehr als 1800 Menschen starben. Quelle: André Kempner/
Leipzig

Es ist 75 Jahre her. Doch die Wunden sind noch lange nicht verheilt. Ein Beispiel ist der heutige Leuschnerplatz, dessen Areal einst dicht bebaut war. Oder grüne Oasen wie der Fockeberg, unter dem die Kriegstrümmer aufgeschüttet sind. Mehr als 1800 Menschen starben, als die britische Royal Air Force in der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 1943 den bislang schwersten Luftangriff auf die Stadt Leipzig flog. Ziel war eigentlich die Rüstungsindustrie, deren Werke meist am Stadtrand entstanden waren.

Doch 140 000 Menschen, ein Fünftel der Bevölkerung, wurden nach dem Luftangriff obdachlos. „Der 4. Dezember 1943 hat Leipzig für immer verändert. Das alte Leipzig, eine pulsierende Metropole mit über 700 000 Einwohnern, wurde Ziel eines Flächenbombardements“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der am Dienstag mit Vertretern des Stadtrates, des Stadtverbandes Leipzig des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie der Bundeswehr und interessierten Bürgern der Toten gedachte.

Die stolze Messestadt lag in Trümmern

Mehr als 400 Bomber haben an jenem Schicksalstag in knapp 16 Minuten die Innenstadt und angrenzende Viertel zerstört. Ungefähr zwei Stunden nach den letzten Bombenabwürfen brannte es in der gesamten City sowie in vielen Stadtteilen. Viele repräsentative Gebäude, Theater, Schulen, Teile der Universität, Wohnhäuser verschwanden oder hatten Schäden unterschiedlichsten Grades. Wasser-, Strom- und Gasversorgung sowie der Straßenbahnverkehr standen nicht mehr zur Verfügung. An einem Tag, als das Thermometer minus vier Grad Celsius anzeigte, wie Jung sagte. Nicht allen Leipzigern gelang es, die Keller oder Bunker wieder lebend zu verlassen, denn viele Gebäude stürzten ein und begruben Menschen. „Die stolze Messe-, Handels- und Musikstadt lag in Trümmern“, so der Rathauschef: „Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit füllten die Herzen und Köpfe der Menschen aus.“

Oberbürgermeister Jung: Nie wieder Krieg

Wer sich retten konnte, war oft gegen die sich rasch ausbreitenden Brände machtlos. Davon zeugen auch Briefe und Berichte von Überlebenden, von denen einige gestern am Denkmal auf dem Südfriedhof verlesen wurden. „Die Opfer des Zweiten Weltkrieges klagen an“, ist auf dem Gedenkstein zu lesen. Und Jung erinnerte daran, dass auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge betroffen waren. „Jeder einzelne erlebte ein Trauma, das sich tief in die Stadt eingebrannt hat. Trotz umfangreicher und schneller Aufräumarbeiten.“ Dabei gehöre auch zur Wahrheit, dass die Deutschen den Zweiten Weltkrieg begonnen und mit Bombardements in Warschau, Rotterdam oder Coventry geführt haben. „Unser Wunsch, ,Nie wieder Krieg’ soll daher im Mittelpunkt unseres Erinnerns stehen“, betonte der Oberbürgermeister.

Jung: Herzen für alle Kriegsopfer öffnen

Städte könnten Zufluchts- und Hoffnungsorte werden, sagte er. „Wir können nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen. Müssen uns an unserem Ort unsere Verantwortung für den Frieden bewusst machen.“ Er sei stolz, dass es gelungen sei, mit Birmingham, Krakau, Brünn, Kiew oder Herzliya Städtepartnerschaften abzuschließen. Die Herzen sollten für die Opfer des Schicksalstages von Leipzig vor 75 Jahren geöffnet werden, mahnte er. Aber auch für jene, die weltweit noch immer von Krieg und Bomben betroffen seien.

Von Mathias Orbeck

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