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Erinnerungen und Ausblick: Leipziger Neurochirurgie im Zeitenwandel

Erinnerungen und Ausblick: Leipziger Neurochirurgie im Zeitenwandel

Rückschau, Bestandsaufnahme und Blick voraus: An der Leipziger Uni-Klinik für Neurochirurgie, die von Professor Jürgen Meixensberger geleitet wird, gibt es jetzt einen trefflichen Anlass dafür, denn vor 60 Jahren wurde sie gegründet.

Er zolle den früheren Protagonisten des Fachs großen Respekt, sagt Meixensberger und erinnert an das Werden und Wachsen der Neurochirurgie an der Uni. Verbunden ist die Historie vor allem mit den Namen Arwed Pfeifer und Georg Merrem.

Pfeifer hatte 1927 die erste außerordentliche Professur für Hirnforschung in Deutschland übernommen und machte sich später als Direktor der neurologisch-psychiatrischen Klinik für die Etablierung der Neurochirurgie an der Alma mater stark. 1949 trug dieses Engagement Früchte, eine eigene Abteilung wurde für diese Disziplin geschaffen. Das Domizil war bescheiden: In der ersten Etage eines Wohnhauses in der Emilienstraße 30 bezog das von Merrem geführte Team Quartier. Weil kein Fahrstuhl vorhanden war, mussten die Patienten über eine enge Treppe zum Operationssaal bugsiert werden. Es sollte bis 1952 dauern, ehe sich die räumlichen Verhältnisse mit dem Umzug in die Johannisallee 24 nachhaltig verbesserten. Einst beherbergte das Haus, in dem fortan die Neurochirurgen - ab 1954 mit eigenem Klinik-Status - praktizierten, die Privatklinik des namhaften Chirurgen und Ordinarius Erwin Payr. Unter der Ägide Merrems entwickelte sich die Neurochirurgie kräftig, obwohl sich die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten noch in engen Grenzen hielten.

Rückschau, Bestandsaufnahme und Blick voraus: An der Leipziger Uni-Klinik für Neurochirurgie, die von Professor Jürgen Meixensberger geleitet wird, gibt es jetzt einen trefflichen Anlass dafür, denn vor 60 Jahren wurde sie gegründet. Er zolle den früheren Protagonisten des Fachs großen Respekt, sagt Meixensberger.

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Zurückgreifen konnten Professor Merren und seine Kollegen nur auf neurologische Untersuchungen, Hirnstrommessungen und Darstellungen der Hirngefäße und -kammern. "Zu dieser Zeit waren auch die Anästhesie und die Blutstillung noch in den Anfängen, deshalb brauchte es große Visionen und Hoffnungen", erzählt Meixensberger: "Die Sterblichkeit bei Operationen lag bei 20 bis 30 Prozent."

1956 führte Merrem erstmals einen sogenannten stereotaktischen Eingriff aus, ein Meilenstein für die Leipziger Neurochirurgie. Bis zu seinem Tode 1971 hatte er das Direktorat inne, danach standen die Professoren Hans-Günther Niebelung, Kurt Hübner, Horst Fried, Volker Seifert und Hans-Ekkehart Vitzhum an der Spitze der Klinik. 2001 übernahm Meixensberger den Posten, zwei Jahre später wechselten die Neurochirurgen in das an der Liebigstraße neu gebaute operative Zentrum. "Hier lässt sich eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachbereichen zum Nutzen der Patienten bestens umsetzen", meint Meixensberger, der 2007 und 2012 die Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie nach Leipzig holte. Heutzutage gebe es einen sehr hohen Sicherheitsstandard bei den Eingriffen, zu dem auch OP-Hochleistungsmikroskope und präzise Bildgebungsverfahren beitragen würden.

Durch intensive Forschung sei die unter anderem Technologie der Tiefenhirnstimulation verbessert worden. Meixensberger ist überzeugt, dass weitere Fortschritte in der Medizintechnik und ein noch tieferes biologisches Verständnis von Erkrankungen perspektivisch zu neuen Therapieansätzen führen wird. "In 60 Jahren muss der Neurochirurg vielleicht gar nicht mehr so oft schneiden, weil ein Medikament vor Ort einen Tumor verödet, das Platzieren von bestimmten Zellen Heilung bringt oder die gezielte Anregung von Zellgruppen therapeutisch wirkt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2014

Mario Beck

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