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Lokales Erleichterung nach gesprengter Fliegerbombe
Leipzig Lokales Erleichterung nach gesprengter Fliegerbombe
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07:01 29.11.2018
Sprengmeister Holger Klemig und das Objekt der Aufregung – zuvor musste die Kernstadt abgesperrt werden; Anwohner brachte man unter anderem in Bussen in Notquartiere (kleine Fotos). Quelle: Fotos: Polizei/André Kempner
Zwenkau

Ein unspektakuläres Loch im Boden irgendwo auf der Kleindalziger Flur und ein paar Fetzen von Wassersäcken, die als Splitterschutz oder zur Abminderung der Druckwelle gefüllt worden waren – die sichtbaren Spuren der Explosion der 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe sind längst beseitigt. Der Bauhof hat ganze Arbeit geleistet.

Mit einem dumpfen Knall endeten kurz nach 20 Uhr am Dienstag beinahe 33 Stunden Ausnahmezustand in Zwenkau. Der Blindgänger, bei Baggerarbeiten hinter einem Haus im Großdeubener Weg entdeckt, hatten die Sperrung und Evakuierung der Kernstadt mit rund 6 000 Einwohnern nötig gemacht. Um 12.45 Uhr hatte Sprengmeister Holger Klemig, Leiter der Kampfmittel-Zerlegeeinrichtung in Zeithain, mit seiner Arbeit begonnen. Um 15 Uhr sollte mit der erlösenden Nachricht der geglückten Entschärfung das Sperrgebiet wieder freigegeben werden. „Darauf hatten wir alle in der Einsatzzentrale in der Freiwilligen Feuerwehr gehofft“, sagte Bürgermeister Holger Schulz (CDU).

Krisensitzung hinter verschlossenen Türen

Doch die Zeit verstrich, die Mienen wurden ernster, die Stimmung bedrückter. Dass der Sprengmeister dann ohne seine Kollegen zur Lagebesprechung in die Feuerwehr kam, verhieß nichts Gutes. Als er erklärte, die Bombe nicht vor Ort entschärfen zu können, musste hinter verschlossenen Türen zügig eine Entscheidung über ein alternatives Vorgehen fallen. Klemig empfahl die kontrollierte Sprengung, jedoch nicht im Wohngebiet. „Ohne Risiko für die Bevölkerung und ohne Aufsehen wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen der Abtransport des Blindgängers auf ein freies Feld eingeleitet“, erklärte Schulz. Ein Platz frei von Bebauung musste gefunden werden, denn die Sperrzone von einem Kilometer galt auch um den Sprengungsort. Aus Leipzig wurden innerhalb kürzester Zeit benötigte Wassersäcke herangeschafft.

Gute Vernetzung

„Die Wehren sind sehr gut vernetzt, das war kein Problem“, so Schulz. „Der Kopf- und der Heckzünder haben sich nicht entfernen lassen, die Gefahrensprengung war unumgänglich“, verrät Jürgen Scherf, Pressesprecher vom Polizeiverwaltungsamt Dresden, technische Details. Um die Bombe sicher zur Detonation bringen zu können, sei das Anbringen einer Vernichtungsladung, das sei industriell hergestellter Sprengstoff, erforderlich gewesen. Dazu habe man zwei Wassersäcke, sogenannte Flexitanks, mit insgesamt rund 30 000 Litern Wasser verwendet. Klemig hat im Laufe seiner Karriere weit mehr als 200 Bomben entschärft. Jede sei anders, so Scherf, keine vergleichbar mit der anderen. Eine Sprengung zähle nicht für die Erfolgsbilanz. Das sei immer zweite Wahl. Entschärfen, zerlegen und umweltgerecht entsorgen, sei die erste. Das wusste auch Holger Schulz. Bis zum Knall, den die gespannt Wartenden im Bereich der Feuerwehr in der Bahnhofstraße leise hörten, war seine Anspannung groß. „Natürlich waren die Polizei, die ausgezeichnet arbeitende Führungsgruppe Elsteraue der Feuerwehr und Fachleute an der Entscheidung beteiligt, aber als Stadtchef trage ich letztlich die Verantwortung“, sagt er, am ersten Arbeitsalltag danach so müde wie erleichtert.

Ein Zustand, den er mit vielen Helfern teilt. So war das Deutsche Rote Kreuz mit 170 Kräften, davon etwa 50 aus Zwenkau, im Einsatz. 25 hauptamtliche Mitarbeiter aus den drei DRK-Kitas Pulvermühle, Pirateninsel und Anne Frank, die schließen mussten, waren in den Notunterkünften eingesetzt. Hilfe kam von Einsatzzügen der Kreisverbände Muldental und Geithain. „Dennoch war mancher Helfer 28 Stunden auf den Beinen“, sagte Kristina Krüger vom DRK Kreisverband Leipziger Land.

„Entspanntes Räumen“

Keinerlei Probleme gab es im Gesundheitszentrum Zwenkau. „Wir sind am Dienstag bereits informiert worden und konnten den Bereich unseres Betreuten Wohnens ganz entspannt räumen“, berichtet Christian Röber vom Pflegedienst Raphaelis. Einzelne Bewohner seien bereits am Abend zu Bekannten oder Verwandten gefahren. Wer am Morgen nicht privat unterkommen konnte, wurde mit Hilfe des DRK abgeholt und in die zentralen Unterkünfte gebracht.

Inzwischen sind sie wohlbehalten zurück, ebenso wie die Bewohner der Allo-Seniorenresidenz Zwenkau, von denen einige nur liegend transportiert werden durften, und die Patienten des Sana-Geriatriezentrums, die nach langen Stunden aus der Notunterkunft Zitzschen wieder zurückgebracht wurden.

Von Gislinde Redepenning

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