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Erneut hohe Feinstaubwerte in Leipzig – Umweltzone verringert Anteil giftiger Partikel

Erneut hohe Feinstaubwerte in Leipzig – Umweltzone verringert Anteil giftiger Partikel

Trotz Umweltzone hat die Messestadt weiter mit starker Feinstaubbelastung zu kämpfen. Laut Umweltbundesamt (UBA) in Dessau wurden die Grenzwerte auf der Lützner Straße in diesem Jahr bereits an 30 Tagen überschritten.

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Hohe Verkehrsbelastungen sind der Hauptgrund für Feinstaub- (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Im Stadtzentrum registrierten die Experten 27 Tage mit durchschnittlich mehr als 50 Milligramm Feinstaub pro Quadratmeter.  Auch wenn die Belastung auf ähnlichem Niveau wie 2013 liegt und in den nächsten Monaten saisonal bedingt abnehmen wird, sind diese Zahlen dennoch alarmierend. Denn neben gesundheitlichen Problemen drohen weiterhin Bußgeldbescheide aus Brüssel.

Der zuständige UBA-Fachgebietsleiter Arno Graff glaubt, dass die EU-Richtlinie dieses Jahr in vielen Städten erneut gebrochen wird. Maximal 35 Tage über dem Limit erlauben die Brüsseler Kommissare. Im Falle einer Übertretung drohen Strafen bis in den sechsstelligen Euro-Bereich – auch wenn Leipzig diese bisher abwenden konnte. Im vergangenen Jahr wurden auf der Lützner Straße 41 Tage über dem Limit gemessen. Aktuell gehört die Messestadt zur Feinstaubspitzengruppe in der Bundesrepublik. Nur in den Berliner Stadtteilen Neukölln und Friedrichshain sowie in Frankfurt/Oder wurden seit Januar mehr Überschreitungen der Grenzwerte registriert. Im sächsischen Vergleich folgen leicht abgeschlagen die Leipziger Straße in Chemnitz (27 Tage) und die Dresdner Bergstraße (23 Tage).

Feinstaub auch aus Polen und Tschechien – Landesamt untersucht Pollenflug

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Die 2011 eingeführte Umweltzone in Leipzig hat perspektivisch weniger Auswirkungen auf die Feinstaubbelastung. (

Quelle: Bernd Weißbrod)

Gründe für hohe Feinstaubwerte liefern verschiedenste Emissionsquellen, heißt es aus Dessau. Dazu gehören Verbrennungsmotoren, Heizkraftwerke, Schüttgutumschlag, landwirtschaftliche Tierhaltung aber auch komplexe chemische Prozesse in der Atmosphäre. Im Winterhalbjahr sind hohe Werte dabei nicht ungewöhnlich, so UBA-Experte Graff. „Da wird auch am meisten geheizt, die Kaltstartemissionen sind am höchsten und im Osten der Republik kommt auch noch der grenzüberschreitende Luftschadstoff-Transport aus Polen und Tschechien dazu“, sagte Graff gegenüber LVZ-Online. Die Menge aus den östlichen Nachbarländern sei zwar schwer zu quantifizieren, „bis zu 30 Prozent Feinstaub sind aber denkbar“, so Graf weiter.

Das Umwelt-Landesamt nennt den Verkehr als größte Feinstaub-Quelle in Sachsen. In diesem Jahr könnten aber auch der milde Winter und der geringe Niederschlag eine Rolle gespielt haben. „Wir hatten starke Trockenheit bei der landwirtschaftlichen Feldbearbeitung“, so Sprecherin Karin Bernhardt. Zudem mag auch die früh einsetzende Blütezeit ihren Teil beigetragen haben: „Fast alles hat dieses Jahr zur gleichen Zeit geblüht – wir untersuchen deshalb auch, ob der Pollenflug eine Rolle beim Feinstaub gespielt hat“, so Bernhardt weiter. Zudem werde geprüft, ob sogar der Sahara-Staub in großer Troposphären-Höhe die Belastungen erhöht haben könnte.

Hinsichtlich der Feinstaub-Reduzierung sei die Einführung der Umweltzone in Leipzig 2011 dringend notwendig gewesen, so der UBA-Experte aus Dessau. „Aufgrund der fortschreitenden Flottenerneuerung werden die Effekte durch Umweltzonen in den Städten perspektivisch aber immer geringer werden“, so Arno Graff weiter. Deshalb empfiehlt er den Kommunen nun, weitere „weiche Maßnahmen“, zu forcieren. „Zum Beispiel könnte der öffentliche Nahverkehr weiter gestärkt und Verkehrsströme umgelenkt werden. Das bringt zwar nur kleine Effekte, aber in der Gesamtheit geht es nur so“, sagte Graff am Dienstag. Der Experte weiß aber auch: Grundsätzlich ist das Engagement gegen Feinstaub abhängig von politischen Abwägungen.

Umweltamt Leipzig: Keine kurzfristigen Maßnahmen

Leipzigs Umweltamtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch hält dabei nichts von kurzfristigen Sperren oder Verboten. „Wir haben einen Autobahnring um die Stadt und somit eigentlich keine Probleme mit Durchfahrtsverkehr“, sagte von Fritsch am Dienstag. Mit der Einführung der Umweltzone konnte der Anteil von krebserregenden Partikeln im Leipziger Feinstaub bereits deutlich verringert werden. Dies bestätigte auch Alfred Wiedensohler, Wissenschaftler am Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung gegenüber Süddeutsche.de: Die Umweltzonen würden die Belastung mit besonders giftigem Ruß an den Straßen verringern. Dadurch sank in Leipzig die Toxizität des Feinstaubs, die Luft sei also gesünder geworden.

Weitere Maßnahmen müssten auch hinsichtlich der Tragbarkeit für die regionale Wirtschaft betrachtet werden, heißt es aus dem Umweltamt. „Da hat die Umweltzone schon vielen große Probleme bereitet“, so Fritsch. Kritik an den Kosten der Zone äußerte auch Isabel Siebert, Fraktionsvorsitzende der FDP im Stadtrat: "Die Umweltzone war nutzlos und bleibt nutzlos." Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Auch Sieber spricht sich für eine Stärkung des ÖPNV und eine bessere Verkehrslenkung aus.

Belastungen durch Feinstaub können verschiedenste Folgen für die Gesundheit haben. So sind Atemwegsbeschwerden, asthmatische Anfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein gesteigertes Risiko für Lungenkrebs als Folge dieser Umweltbelastung möglich. Zudem haben Forscher auch Mittelohrentzündungen bei Kindern schon auf zu hohe Feinstaubbelastung zurückgeführt.

Matthias Puppe/joka

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