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Lokales Erst Niere, dann Leber: Ministerin besucht Transplantationspatientin
Leipzig Lokales Erst Niere, dann Leber: Ministerin besucht Transplantationspatientin
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17:01 06.06.2018
Gruppenbild mit Leber: Transplantationszentrumsleiter Daniel Seehofer zeigt Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch ein Modell. Links Nephrologe Tom Lindner sowie das Spenderpaar Andreas und Simone Freude, rechts Hepatologe Thomas Berg. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Rätsel, das Tom Lindner der Ministerin aufgibt, ist schwierig zu lösen: „Wer hat hier wohl wem Niere und Leber gespendet?“, fragt der Chef-Nephrologe des Universitätsklinikums Leipzig (UKL). Barbara Klepsch, als sächsische Sozialministerin auch für die Gesundheit zuständig, blickt in die zwei kerngesunden Gesichter des Ehepaars Freude. „Sie haben den richtigen Nachnamen“, sagt die CDU-Politikerin zur Begrüßung, „um als Botschafter für Organspenden zu werben“.

Die 1000. Leberverpflanzung seit Eröffnung des Transplantationszentrums 1993 hat das Uni-Klinikum vor einer Woche verkündet, inzwischen sind es sogar 1002. Im gleichen Zeitraum wurden 975 Nieren transplantiert, Samstag war zudem Tag der Organspende – ausreichend Grund für Ministerin Klepsch, am Mittwoch die Spezialisten und einige ihrer Patienten zu besuchen. „Um Ihnen zu danken“, sagte sie und sprach von einer „gemeinsamen Anstrengung, das Vertrauen der Menschen in die Organspende zu fördern. An der Familie Freude sieht man, was eine Transplantation für ein Leben bedeutet.“

Im Oktober haben die Leipziger Ärzte der 51-jährigen Simone Freude in zwölfstündiger Operation einen Teil der Leber ihres zwei Jahre älteren Gatten eingepflanzt. „Zuvor hätten Sie sofort erkannt, wer von den beiden Empfänger ist“, sagt Lindner. Simone Freude leidet an einer angeborenen Zystenerkrankung, die vor fünf Jahren bereits die Nieren befiel. Auch da half Andreas Freude mit seinem Gewebe. Seinerzeit war die Transplantation in ihrer Heimatstadt Dresden erfolgt. Diesmal überwiesen die dortigen Mediziner sie nach Leipzig, weil man hier auf Leberverpflanzungen spezialisiert ist. „Jetzt habe ich drei Mal im Jahr Geburtstag“, sagt die Patientin. Ihr Mann ergänzt: „In guten wie in schlechten Zeiten, haben wir uns bei der Hochzeit versprochen. Das waren schlechte Zeiten.“

Spendebereitschaft nimmt seit Jahren ab

Jetzt sind gute Zeiten: Daniel Seehofer, seit zwei Jahren Leiter des Zentrums, spricht angesichts der Wirkung einer Organverpflanzung schlicht von „Wunderheilung“. Nur in wenigen Fachgebieten dürfe ein Arzt erleben, „wie sich ein schwerkranker Patient in nur drei, vier Monaten so sehr erholt“. Nach der Aufdeckung eines Organspendeskandals 2013 am Leipziger Transplantationszentrum seien große Anstrengungen unternommen worden, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Jedoch nimmt die Spendebereitschaft in Deutschland insgesamt seit Jahren ab.

Von den 27 Lebern, die die Leipziger Mediziner 2018 bislang transplantiert haben, stammten zehn aus Gewebe von lebenden Spendern. Bundesweit geht man von 30 Prozent Lebendspenden aus. „Ein Unding“, findet Wolfgang Fleig, medizinischer Vorstand des UKL. „Aus Mangel an Organspenden, setzen wir gesunde Menschen einem Risiko aus.“ Zwölf Prozent der Bundesbürger haben für den eigenen Todesfall einen Organspendeausweis.

24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ist das Büro des Transplantationszentrums besetzt – mit Standleitung zur Organvergabestelle Eurotransplant. Momentan warten in Leipzig 60 Patienten auf eine Leber, 175 auf eine Niere und sechs auf eine Bauchspeicheldrüse. Eine Dringlichkeitsliste gibt den Ausschlag. Im Fall eines Falles muss innerhalb einer Stunde klar sein, ob der Zustand des Patienten die Transplantation erlaubt. Andernfalls geht das Organ an den Nächsten auf der Liste.

Die 45-jährige Michaela Stein hat aktuell wenig Chancen, ganz nach oben zu rutschen. Ihre autoimmune Lebererkrankung, vor 15 Jahren diagnostiziert, hat mittlerweile zu einer Zirrhose geführt, Gelbsucht und Bauchwasser hervorgerufen. „Aber für eine Transplantation geht es ihr noch zu gut“, erklärt Chef-Hepatologe Thomas Berg. Eine makabre Rechnung: Bei elf Prozent liegt ihr kurzfristiges statistisches Sterberisiko zurzeit, in die Reichweite einer Transplantation gerät sie jedoch erst, wenn die akute Todeswahrscheinlichkeit ohne neue Leber etwa 50 Prozent erreicht.

Von Mathias Wöbking

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