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Lokales Erstaufnahme in Leipzig-Dölitz empfängt Flüchtlinge aus Dresdner Zeltstadt
Leipzig Lokales Erstaufnahme in Leipzig-Dölitz empfängt Flüchtlinge aus Dresdner Zeltstadt
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10:06 11.08.2015
Am Montagabend sind die ersten Flüchtlinge in der Leipziger Erstaufnahmestation angekommen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Hitze ist deutlich zu spüren, sie steht förmlich in der Leipziger Friederikenstraße. Vor dem Gebäude mit der Nummer 37 laufen Mitarbeiter von Maltester auf und ab, vereinzelt halten Lieferwagen vor den Toren. Auf der Straße steht ein Auto vom Ordnungsamt, ein Polizeiwagen hält daneben. Außer einem Dutzend Journalisten wartet auch Polizeipräsident Bernd Merbitz vor dem ehemaligen Lehrlingswohnheim im Stadtteil Dölitz – und ein paar Schaulustige drängen sich auf den raren Schattenplätzen vor dem Gebäude.

15 Uhr sollen die Busse in Dresden gestartet sein, besetzt mit rund 250 Flüchtlingen. Woher sie kommen oder wie lange sie schon in Deutschland sind, weiß niemand so genau. Vorher haben sie in der Dresdner Zeltstadt gelebt. Nun erwartet die Männer und Frauen die erste Leipziger Erstaufnahmerichtung. Insgesamt ist dort Platz für 350 Flüchtlinge. Es gibt unter anderem Gebetsräume, einen Mutter-Kind-Raum, eine Kinderstube samt Erziehern und ein Zimmer für Sprachunterricht. Später sollen noch Container hinzukommen, mit Kapazitäten für 80 weitere Geflüchtete.

Genug Kleiderspenden

Bereits am Freitag haben sich mehr als 1000 Leipziger die neue Unterkunft angesehen, auch Politiker begutachteten das Heim. Dabei wurden reichliche Sachspenden für die Asylbewerber mitgebracht. „Die Lagerkapazitäten für Kleidung sind deshalb derzeit bereits ausgelastet“, hieß es am Montag. Weitere Textilien für Kinder und Frauen können vorerst nicht angenommen werden. „Spielsachen und – nach Rücksprache mit den Maltesern – Möbel werden aber weiterhin gern entgegen genommen“, so die Landesdirektion Sachsen.

Diese Botschaft hat noch nicht alle Leipziger erreicht. Während die Betreiber auf die Flüchtlinge aus Dresden warten, kommen immer wieder Leute, um weitere Spenden vorbeizubringen. Ein Rentner steht schon seit über einer halben Stunde in der Friederikenstraße. Er habe sich am Freitag die Unterkunft angeguckt und überlegt, wo noch Bedarf bestehe. Dann ist er in den Baumarkt gefahren, um Vorhängeschlösser zu kaufen. „Ich habe erstmal eins besorgt, um zu sehen, ob die von der Größe her passen“, erzählt der Mann. „Dann kaufe ich noch mehr.“

Merbitz begrüßt Flüchtlinge

Schließlich teilt Merbitz mit, die Busse seien mit Verspätung gestartet. Etwa 16.45 Uhr ging es in Dresden los. Der Polizeipräsident sei gekommen, um die Flüchtlinge zu begrüßen – nicht etwa um einzugreifen, wie er betont. Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma haben mittlerweile Schichtwechsel.

Dann kurz nach sechs, kommt der erste Reisebus. Er ist voll besetzt mit etwa 70 Männern, Frauen und Kindern, eskortiert von einem Polizeiwagen. Etwa 20 Bürger sind vor dem Heim stehen geblieben, gucken teils skeptisch, teils neugierig. Auch aus den Gesichtern der Flüchtlinge sind gemischte Gefühle abzulesen. Einigen scheint die Aufmerksamkeit zu viel. Andere schauen gespannt auf das, was vor ihnen liegt. Als ihnen eine Passantin zuwinkt, winken die Männer und Frauen zurück – und lächeln.

Dann verschwinden sie schnell hinter dem Zaun. Währendessen kommen die anderen Busse, schon nicht mehr ganz so voll. Die ersten Bewohner steigen aus, tragen ihr weniges Hab und Gut in orangefarbenen Taschen ins Gebäude. Ein Junge, vielleicht vier Jahre alt, freut sich über einen Teddybären, dem ihm ein Mitarbeiter überreicht hat.

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