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Lokales Erste Baumesse vor 100 Jahren in Leipzig
Leipzig Lokales Erste Baumesse vor 100 Jahren in Leipzig
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07:02 26.08.2018
Vor 100 Jahren, vom 25. bis 30. August 1918, fand in Leipzigs Barthels Hof die erste Baumesse statt. Quelle: Abbildungen: Ströher Verlag
Leipzig

Den Barthels Hof verbinden die Leipziger vor allem mit Gastronomie. Doch im August 1918 mietete Albert Müller, der 1877 in Lützen geboren wurde, auf eigenes Risiko Räume an, um dort vom 25. bis 30. August eine Baumesse zu veranstalten. Bis 1930 fanden an diesem Standort immerhin 25 Baumessen statt, bis diese ob des riesigen Andrangs aufs alte Messegelände am Fuße des Völkerschlachtdenkmals umziehen musste.

In seinem Buch „Geschichte der Baumesse in Leipzig“ widmet sich Arnd Müller ausführlich ihrer Erfolgsgeschichte und setzt damit gleichzeitig dem Lebenswerk seines Großvaters ein Denkmal. Der Enkel, ein in Celle lebender gebürtiger Leipziger, hat jahrelang recherchiert und zum Jubiläum der ersten Baumesse ein Buch veröffentlicht.

Messe fungiert als Magnet für Fachwelt

Wie entstand die Idee einer Baumesse? Albert Müller, der 1877 als 12. Kind eines Baumeisters in Lützen das Licht der Welt erblickte, leitete zunächst ein Dachziegel- und Schamottwerk in Bad Dürrenberg und Bad Lausick. 1906 trat er in den Verlag „Baumaterialienmarkt“ ein. 1908 gab es in Leipzig bereits eine Ausstellung für Baustoffe, die der Unternehmer Richard Möckel initiierte. Im Mai 1913 konnte schließlich die I. Internationale Baufachausstellung als Weltausstellung für das Bau- und Wohnungswesen öffnen. Sie sollte die technischen Möglichkeiten zeigen, wie der Städte- und Wohnungsbau im damals boomenden Leipzig, in dem sich immer mehr Fabriken ansiedelten, bewältigt werden kann.

Zur Ausstellung gehörten auch 48 Einfamilien- und 24 Mehrfamilienhäuser, die als Modell einer Gartenstadt errichtet worden waren – der Grundstock für die Gartenvorstadt Marienbrunn. Die Messe wurde zum Magneten für die interessierte Fachwelt. Müller berichtete darüber detailliert in der Fachzeitschrift „Baumaterialienmarkt“ und hatte die Idee, Leipzig zu einer Metropole des Austausches der Bauschaffenden und der Baumaterialien zu machen. Dazu gehörte Mut, Weitsicht, aber auch ein finanzielles Risiko.

Erster Weltkrieg verzögert Beginn

Nur der Erste Weltkrieg verzögerte den Beginn der Baumesse. 1918 mietete er im Barthels Hof etwa 3500 Quadrater an – für fünf Jahre, um dort die erste Baumesse zu veranstalten. Wichtige Bausteine waren bereits eine erstmalig organisierte Baubörse, die Architekturschau sowie spezifische Vorträge.

Der Erfolg gab ihm Recht. Die Leipziger Baumesse entwickelte sich im engen Zusammenwirken mit dem Messeamt, der sächsischen Landesregierung und der Stadt Leipzig stetig weiter. Die Baumesse platzte bis zum Jahre 1921 auf dem Gelände des Barthels Hof, auch mit Nutzung der Marktflächen, regelrecht aus allen Nähten. Folgerichtig ging Albert Müller mit der Übersiedlung in die Hallen eins bis drei des alten Messegeländes den nächsten Schritt. Die Ausstellungsfläche wuchs auf etwa 4000 Quadratmeter an. Dort entwickelte sie sich zum Wirtschaftsfaktor.

Große Hallen werden nötig

Nach mehr als 21 Baumessen im Jahr 1929 erwies sich eine neue Baumesse-Halle als notwendig, die der Leipziger Architekt Curt Schiemichen umsetzte. Nach der ersten folgte noch die zweite Halle für die Produkte der Baumesse (Halle 20). Damit ging auch ein Wunsch des Gründers in Erfüllung, die Bedingung zu schaffen, während des gesamten Jahres das wertvolle Ausstellungsmaterial zu besichtigen.

Eine weitere Idee konnte 1930 in die Tat umgesetzt werden – die Schaffung einer Baumesse-Wohnsiedlung. In Marienbrunn wurde diese Siedlung, in der Wohnblöcke in Stahlskelett-, Stahlbeton- und Holzskelettbauweise unter Verwendung der neuzeitlichen Baustoffe ausgeführt worden waren, eingeweiht.

Tagungen begleiten Messe

Durch die Verbindung der Messeschau mit entsprechenden Sonderausstellungen, Vorträgen und Besichtigungen wurde die Baumesse immer mehr zum technisch-wissenschaftlichen Zentrum. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges sind 500 Vorträge gehalten worden und wesentliche Tagungen der Beton-, der Ziegel- und Kalkindustrie wurden regelmäßig zur Messe abgehalten. 41 Baumessen von der Gründung im Jahre 1918 bis zur letzten Baumesse im Jahre 1939 führte Albert Müller zu einem bedeutenden Erfolg. Nach dem Krieg versuchte er, die Baumesse wieder anzukurbeln. Die detailreiche Publikation setzt Müller, der im Jahr 1966 mit 89 Jahren verstarb, nun ein Denkmal.

Das Buch kostet 23,50 Euro, kann über den Autor per E-Mail F.A. Mueller-1857@t-online.de bestellt werden. Ausgewählte Buchhandlungen wie Bachmann am Leipziger Markt oder Hugendubel haben es auch.

Von Mathias Orbeck

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