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Lokales Erste deutsche Bibliothekarschule vor 100 Jahren in Leipzig gegründet
Leipzig Lokales Erste deutsche Bibliothekarschule vor 100 Jahren in Leipzig gegründet
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10:09 18.10.2016
Eine zeitgenössische Postkarte zeigt Bibliothekarsschüler in den Anfängen der Fachschule. Quelle: HTWK
Am 12

Die Anfänge jener bibliothekarischen Ausbildung gehen auf eine Zeit zurück, in der Leipzig als die bedeutendste Buchstadt Deutschlands galt. Verlage hatten sich einen Namen gemacht mit Produkten wie "Reclam's Universalbibliothek", mit Lexika von F. A. Brockhaus oder der Edition Peters, deren Inhaber, Geheimrat Henri Hinrichsen, auch die im Wissenschaftsbereich bedeutende J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung betrieb. Das Bibliothekswesen hingegen schien noch stillzustehen. Leipzig habe keine einzige freie öffentliche Bibliothek modernen Stils, kritisierte etwa Ernst Kroker, Direktor der wissenschaftlichen Stadtbibliothek. Zum Reformer der Leipziger Bibliothekslandschaft wurde schließlich Walter Hofmann, der 1912 ein Gutachten zur Umgestaltung der hiesigen Volksbibliotheken vorlegte. 1913 stimmte die Stadt der von ihm vorgeschlagenen Errichtung von vier Städtischen Bücherhallen zu.

 Doch zum Personalbedarf an wissenschaftlichen Bibliotheken wie die der Universität trat nun der Bedarf an Volksbibliothekaren für die kommunalen Bücherhallen. Also gründete Walter Hofmann mit Ehefrau Elise Hofmann-Bosse am 12. Oktober 1914 die "Fachschule für Bibliothektechnik und -verwaltung". Es war die erste Schule dieser Art in Deutschland, die sich einzig der Ausbildung von Volksbibliothekaren widmete. Zuvor war die Ausbildung von wissenschaftlichen Bibliothekaren und Volksbibliothekaren nicht klar getrennt worden. Die Fachschule wurde der von Hofmann ins Leben gerufenen "Zentralstelle für Volkstümliches Büchereiwesen" angegliedert. Beistand zur Schulgründung gab es unter anderem von Henri Hinrichsen, der der Zentralstelle und ihrer Fachschule eine Etage in der früheren Hochschule für Frauen überließ. Und die Stadt spendete 5000 Mark.

 Um 1921 wurde die Fachschule in "Deutsche Volksbüchereischule" umbenannt. Sie entwickelte sich zum Exportschlager. So wurde etwa 1928 in Köln die "Westdeutsche Büchereischule" nach Leipziger Vorbild eröffnet. In Leipzig durfte die Volksbüchereischule dann mit der Eröffnung der III. Städtischen Bücherhalle 1925 eigene Räume - direkt über der Bücherhalle - in der Richterstraße 8 beziehen. 1952 beschlagnahmte die Roten Armee das Objekt. Die Bücherei kam in der Villa Rathenaustraße 40, dem heutigen Verwaltungsgericht, unter und wurde 1954 in "Fachschule für Bibliothekare - Erich Weinert" umbenannt. Ein weiterer Umzug erfolgte 1985 in einen Neubau in der Bertolt-Brecht-Straße 1 in Schönefeld. Gleichzeitig fusionierte die Schule mit der "Fachschule für Buchhändler."

 Die Ausbildung für Bibliothekare an wissenschaftlichen Bibliotheken verselbstständigte sich indes ebenfalls. 1915 gründete der Deutsche Buchgewerbeverein die "Deutsche Bibliothekar- und Museumsbeamtenschule" in Leipzig, welche an das Deutsche Buchgewerbe- und Schriftmuseum angegliedert war. Ab 1917 führte sie ihren Betrieb als "Deutsche Bibliothekarschule" fort, bis sie 1940 vom damaligen Staat liquidiert wurde. Erst 1954 setzte sich die Ausbildung wissenschaftlicher Bibliothekare in Leipzig fort. Raum dafür bot die Deutsche Bücherei. Bis schließlich beide Ausbildungsrichtungen 1991 in dem Neubau in Schönefeld zusammengeführt und mit der Gründung der Hochschule für Technik Wirtschaft und Kultur Leipzig 1992 endgültig auch in einem Studiengang vereint wurden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.10.2014
Anika Geyer und Kerstin Keller-

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