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Erster Streiktag: Kitapersonal fordert mehr Anerkennung und Lohn

Erster Streiktag: Kitapersonal fordert mehr Anerkennung und Lohn

Leipzig. Es ist der erste Tag, an dem die Erzieher ihre Arbeit in 70 städtischen Einrichtungen niedergelegt haben. Leipziger Eltern stehen vor verschlossenen Türen.

tehen vor verschlossenen Türen. Und die Gewerkschaften veranstalten die ersten Kundgebungen in der Stadt, wie zum Beispiel die GEW im Clara-Zetkin-Park. Von 8.30 bis 12.00 Uhr tragen sich dort über 500 Personen in die Streikliste ein.

„Wir streiken“, steht auf einem Plakat, das unweit vor der Zufahrt der Anton-Bruckner-Allee im Clara-Zetkin-Park an einem Baumstamm hängt. Auch wenn die Windverhältnisse dem Leipziger Betreuungspersonal einen Strich durch die Rechnung machen möchten, die Erzieher bleiben hartnäckig. Ihre Anliegen auf DIN-A4-Seiten haben sie mit Steinen auf dem Boden fixiert. Zusammen ergeben sie den Schriftzug der GEW und werden von vorbei spazierenden Passanten aufmerksam begutachtet. Die Forderungen reichen dort von „Mehr Wochenstunden (mehr als 30!)“, „Besserer Personalschlüssel“, bis hin zu „mehr Wertschätzung (Gesellschaft, Eltern, Arbeitgeber…)“ oder „Wir wollen einen neuen Tarifvertrag“ und „geringere Gruppenstärken“.

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Leipzig. Es ist der erste Tag, an dem die Erzieher ihre Arbeit in 70 städtischen Einrichtungen niedergelegt haben. Leipziger Eltern stehen vor verschlossenen Türen. Und die Gewerkschaften veranstalten die ersten Kundgebungen in der Stadt, wie zum Beispiel die GEW im Clara-Zetkin-Park. Von 8.30 bis 12.00 Uhr tragen sich dort über 500 Personen in die Streikliste ein.

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75 Prozent der bundesweit Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes sind in Teilzeit beschäftigt, erläutert GEW-Organisationssekretär Andreas Giersch. Ein frisch ausgebildeter Berufseinsteiger verdiene bei einer 30-Stunden-Woche ein Bruttogehalt bis zu 2300 Euro. „Wir liegen also mit 18 Jahren Teilzeit-Beschäftigung und einer tariflichen Endstufe bei 500 Euro unter dem deutschen, durchschnittlichen Nettogehalt“, erläutert Giersch. „Wir streiken für die Anerkennung und Würde der Erzieher. Und das Gehalt ist immer auch Ausdruck dieser Leistung“, fasst Uschi Krause, Vorsitzende der GEW Sachsen, zusammen.

Leipziger Politiker mischen sich ein

Unterstützung kommt auch aus der Politik. „Die Kollegen in den Krippen, Kitas und Horten leisten eine extrem wichtige und verantwortungsvolle Arbeit“, teilte Irena Rudolph-Kokot (SPD), Stellvertretende Vorsitzende der Leipziger Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen mit. Daher verdienten sie es auch, entsprechend entlohnt zu werden. Ruolph-Kokots Kollege, der Vorsitzende Guido Machowski (SPD) spitzt es sogar noch zu: „Je eher die kommunalen Arbeitgeber das einsehen, desto besser.“

Dem Leipziger Erziehungspersonal im Clara-Zetkin-Park scheint es an diesem Morgen nicht einmal so sehr um das Geld zu gehen, sondern um faire Arbeitsbedingungen und Anerkennung ihrer Arbeit in den Köpfen der Gesellschaft. Das allgemeine Vorurteil der „Basteltanten“ stimme schon lange nicht mehr. Erzieher fungierten als Psychologen, Elternberater, Organisator und vieles mehr, sagt Heilpädagogin Nicole Geyer (33).

„Unsere Arbeit hat etwas mit Entwicklungspsychologie zu tun“, erläutert Kitastreikende Annett Seeber, die schon seit 1983 in einer heilpädagogischen Kita mit Hort beschäftigt ist. Es sei doch bekannt dass in der sensiblen Phase der Kinder von Geburt bis sechs Jahren, die Weichen der Persönlichkeit gestellt würden. „Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung“, so die 51-Jährige.

Mehr Männer in Erziehungsberufe anlocken

Wenn Sophie Wandelt vom Verdienst eines Paketträgers bei der Post oder Porsche-Fließbandarbeiters redet, wird ihr Ton energisch. „In unserem Staat wird mehr für die Arbeit an der Maschine, als mit Menschen bezahlt“, kritisiert die 38-Jährige. Seit sieben Jahren arbeitet Wandelt schon als ausgebildete Erzieherin. Momentan ist sie in einer integrativen, städtischen Kita in Leipzig beschäftigt.

Der Beruf sollte finanziell aufgewertet werden und auch für Männer attraktiver werden, findet sie. „Gerade für Jungs ist es in diesem Alter wichtig, eine männliche Bezugsperson zu haben.“ Bei Abwesenheit des Vaters und einer alleinerziehenden Mutter sei es wichtig, auch männliche Erzieher im Betreuungsteam zu haben, mit denen sich die Dreijährigen identifizieren könnten. Auch wenn im Hort in der Eisenbahnstraße das Personal zur Hälfte aus Männern bestehe, sei dies in Leipzig eher die Ausnahme, als die Regel.

Streiks in ganz Sachsen beginnen

Von 110 kommunalen Krippen, Kitas und Horten streiken ab Freitag 70 Leipziger Einrichtungen. In Dresden seien es 120 von 140 städtischen Betreuungsstätten, deren Mitarbeiter sich zu tausend vor dem Gewerkschaftshaus versammelten, so GEW-Organisationssekrär Giersch. In Chemnitz trafen am Freitag 650 Erzieher auf einer Kundgebung zusammen.

Ab Montag möchten die sächsischen Gewerkschaften den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber noch erhöhen: Dann soll auch in Zwickau, Bautzen und Freiberg gestreikt werden. Auch die Kitaplatzberatung des Jugendamtes wird am Dienstag ihre Arbeit nieder legen. Daher, teilte die Stadt mit, bliebe die Beratungsstelle im Rathaus Wahren in der Georg-Schumann-Straße ganztägig geschlossen.

„Bis zum Sankt Nimmerleinstag“ wollten die Gewerkschaften aber auf keinen Fall streiken, so Verdi-Sprecher Jörg Förster. Sie würden auf ein verhandlungsfähiges Angebot warten, das der Forderung nach einer durchschnittlichen Einkommensverbesserung von zehn Prozent entgegen komme.

Melanie Steitz

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