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Historische Bilder aus den Archiven der Leser – „Leipzig Album“ erschienen

70 Jahre Stadtgeschichte Historische Bilder aus den Archiven der Leser – „Leipzig Album“ erschienen

Die LVZ und der Hinstorff-Verlag präsentierten am Montagabend die Publikation „Leipzig Album“. Darin finden sich Fotos und Texte aus 70 Jahren Stadtgeschichte – aus ganz privater Sicht.

Jan Emendörfer, Armin Kühne, Clemens Haug und Henry Gidom (von links) bei der Präsentation des Leipzig-Albums in der LVZ-Kuppel.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Macher investierten in den zurückliegenden Monaten viel Schweiß und Liebe – seit Montag liegt das druckfrische Ergebnis vor: das „Leipzig-Album“.

„Vor anderthalb Jahren sprach mich auf der Leipziger Buchmesse die Geschäftsführerin des Rostocker Hinstorff Verlages an, erzählte über ein ,Rostock-Album’ und fragte, ob wir uns so etwas nicht auch für Leipzig vorstellen könnten. Tja – und nun ist es da! Schöne Fotos. Schöne Texte. Alles von Leipzigern, die ihrer Stadt emotional verbunden sind.“ LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer schien es spürbar feierlich zumute, als er die 144-seitige Publikation am Montagabend in der Kuppel des LVZ-Verlagsgebäudes am Peterssteinweg gemeinsam mit Autor Clemens Haug, mit Fotograf Armin Kühne als Mitherausgeber, mit Lektor Henry Gidom und im Beisein vieler der beteiligten Messestädter vorstellte. Siebzig Jahre Leipziger Stadtgeschichte einmal ganz aus privater Sicht widerzuspiegeln – das sei das Einzigartige an dieser Leipzig-Lektüre, so Haug. Und selbst der gestandene Fotoprofi Kühne lobte: „Es ist erstaunlich, was da alles so in den Schubladen unserer Leser schlummerte und vielleicht noch schlummert!“

„Im Januar 2016 hatten wir das Projekt gestartet und die Leser via Zeitung und Facebook gebeten, persönliche Erinnerungsfotos, Eintrittskarten, Plakate und dergleichen einzusenden“, reflektierte Haug die Entstehungsgeschichte. „Insgesamt hatten uns gut 150 Leser ihre Fotoschätze zukommen lassen. Manche stellten uns sogar ganze Sammlungen alter Fotos, Dias und Postkarten zur Verfügung. Am Ende konnten wir auf einen Fundus von rund 2300 Fotos zurückgreifen“, so Haug. „Auf unserer Facebook-Seite präsentierten wir dann rund 560 ausgewählte Aufnahmen und luden zum Austausch darüber ein.“ Eine große Leser-Gemeinde sei entstanden, die ihrerseits wiederum von Erlebnissen erzählte oder mit ihrem Wissen über Details der Leipziger Geschichte half, aufgetauchte Fragen zu klären. „Beispielsweise verwunderte uns eine sehr alte Ansichtskarte von der Goethestraße, worauf selbige aber als ,Göthestraße’ vermerkt war. Ältere Leipziger erhellten den ,Schreibfehler’: So etwas sei damals gar nicht so selten vorgekommen. Als die Karte gedruckt wurde, habe es noch keine verbindlichen Schreibweisen gegeben“, erzählte Haug am Rande. Eine Vielzahl solcher Anekdoten, Hinweise und Ratschläge flossen ins Buch ein. Über 5200 Nutzer hatten letztlich bei Facebook ihr ,Gefällt mir‘ dazu geklickt. „Vor allem jüngere Menschen. Insofern bekam das Album-Projekt auch etwas Generationsübergreifendes“, meinte Haug.

Durch die zahlreichen Beiträge sind vor allem Ereignisse und Begebenheiten in den Vordergrund gerückt, die sich in das Gedächtnis der Leipziger eingegraben haben. Dazu gehörten etwa Einkäufe im Konsument-Warenhaus am Brühl, in dem viele Leser zum ersten Mal in ihrem Leben Rolltreppe fuhren und das mit seiner, von Harry Müller gestalteten Aluminium-Fassade zur Ikone im Stadtbild wurde. Auch die Sportfeste im Jahr 1956 eingeweihten Zentralstadion hatten viele nicht vergessen – war so mancher doch selbst auf der Ost-Tribüne dabei, um bei den großen Choreografien mitzumachen.

„Alte Leipziger Hasen“ wie Gertraude Neubert (65) etwa freute es beim ersten neugierigen Durchblättern des Albums am Montag total, als sie von ihren 43 eingesandten, betagten Postkarten im Buch tatsächlich eine aus den 60er Jahren vom Sportforum abgedruckt fand. „Was war das dort für ein schönes Turn- und Sportfest. Sozialistisch geprägt, freilich, aber für uns damals ein wunderschönes Ereignis!“, schwärmte sie. Und bedauerte, dass es das frühere Schwimmbad dort nicht mehr gibt. Viele Leser hatten zudem Abrisse beziehungsweise Sprengungen per Foto festgehalten, so zum Beispiel den Verlust des alten Gewandhauses, des Johanniskirchturms und der Paulinerkirche. Für eine regelrechte Erinnerungswelle sorgten auch Fotos vom Oberleitungsbus und alten Straßenbahnlinien sowie Fahrzeugen, die es heute nicht mehr gibt. Kollektiv gestaunt wurde in der LVZ-Kuppel nicht zuletzt über so manche Veränderung im Stadtbild seit 1990. „Einige Straßen, etwa die Prager Straße, erkennt man heute nicht mehr wieder. Da haben wir Bildvergleiche gemacht. Armin Kühne ist beispielsweise nochmal aufs Dach der Oper gestiegen, so dass wir zeigen können, wie es dort 1960 aussah und wie es heute aussieht“, kommentierte es Haug.

„Leipzig-Album – Eine Stadt erinnert sich“, Clemens Haug/Armin Kühne, Hinstorff-Verlag, 29,99 Euro; ISBN 978-3-356-02046-5; ab sofort in den LVZ-Geschäftsstellen, unter www.lvz-shop.de.

Von Angelika Raulien und Anton Zirk

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