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Lokales Erstes Demokratie-Picknick im Leipziger Volkspark
Leipzig Lokales Erstes Demokratie-Picknick im Leipziger Volkspark
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17:31 27.05.2018
Barbara Röhner (l.) und Antje Lange werben für Demokratie. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Um die Demokratie in Leipzig zu stärken, hat die Stadt 2018 zum Jahr der Demokratie erklärt – und 500 000 Euro für Aktionen bereitgestellt, die das Thema vertiefen. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei Diskussionen in der Bürgerschaft über das Thema Demokratie. Gestern fand die erste davon im Volkspark von Kleinzschocher statt.

Auf der Wiese unweit der Taborkirche waren ab 10 Uhr Tische und Bänke aufgestellt, auf denen Brötchen und Kaffee bereitstanden. Wer wollte, konnte Platz nehmen und reden. „Wir haben uns überlegt, dass man am besten über Demokratie redet, wenn man etwas im Bauch hat“, erklärte Babara Röhner vom Bürgerverein Kleinzschocher, der hinter der Aktion stand. Auch die Musiker von Euskakore spielten auf und der Verein Zirkomania stellte Übungen für das körperliche Gleichgewicht vor. Um die Diskussion anzuregen, hielt am Nachmittag Reformpädagoge Florian Schartel und Politikwissenschaftler Thomas Land Vorträge über bürgerschaftliches Engagement. „Ganz alleine hätten wir dieses Angebot nicht auf die Beine stellen können“, räumte Kunsthistorikerin Röhner ein. Aber mit einer Finanzspritze des Rathauses über 4000 Euro sei das geglückt.

„Die da oben machen doch was sie wollen“

Der Bürgerverein registriert die Geschehnisse im Stadtteil seit Jahren aufmerksam. „In Kleinzschocher leben eigentlich alle ganz friedlich zusammen“, schildert Röhner die Situation. Einzelne rechtsextreme Plakate seien die Ausnahme gewesen. „Viele Leute fühlen sich aber nicht verstanden und nicht mitgenommen“, erzählte sie. „Sie meinen, ,die da oben machen doch was wie wollen’.“ Ihnen wolle der Verein mit Aktionen wie dem Picknick zeigen, wie sie demokratisch mitgestalten können. „Wir wollen politisches Bewusstsein schaffen und zum Mitmachen anregen“, erklärte auch Vereinsmitglied Antje Lange. „Wir wollen hören, welche Sorgen und Nöte die Leute umtreibt und darüber reden, wie diese Dinge verändert werden können.“

Vereinsmitglied Irene Finke, Betreiberin des Kräuterladens von Kleinzschocher, berichtete, es habe im Stadtteil auch schon Übergriffe auf Leute gegeben, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Die Kräuterfrau macht dafür die große Politik mitverantwortlich. „Wenn die Leute ganz unten beschäftigt sind, dann können die da oben machen, was sie wollen“, argwöhnt die 39-Jährige. „Deshalb braucht es Bürger, die Stopp sagen.“

„Schulen, Kindergärten und Wohnungen fehlen“

Bei den Besuchern kam dieser Ansatz unterschiedlich an. „Ich will mal schauen, was hier abläuft“, sagte Michael Seyferth aus Kleinzschocher. „Prinzipiell finde ich so etwas gut. Denn schließlich bestimmen wir Wähler, welche Regierung es gibt.“ Der Schleußiger Ralf Krüger sieht dies ähnlich. „Ohne Demokratie gibt es kein ordentliches Zusammenleben“, sagte er. Dass Parteien wie die AfD jetzt im Bundestag mitarbeiten, sei für ihn ein Zeichen, „dass die Demokratie in Deutschland funktioniert“. „Wir jammern auf hohem Niveau“, steht für den 59-jährigen Tischler fest. Natürlich gebe es auch noch genug zu tun. „Es fehlen Schulen, Kindergärten und Wohnungen“, sagte er.

Von Andreas Tappert

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