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Lokales Erstes Leipziger Friedhofscafé eröffnet: Ein besonderer Ort der Einkehr
Leipzig Lokales Erstes Leipziger Friedhofscafé eröffnet: Ein besonderer Ort der Einkehr
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23:59 11.01.2015
Willkommen bei Kaffee, Kuchen und Gesprächen: Initiatorin Ursula Weißig vor dem ersten Friedhofscafé der Stadt. Quelle: Filip Lachmann
Leipzig

dern im ehemaligen Pförtnerhäuschen am Westtor des Südfriedhofes. Hier eröffnete sie im November vergangenen Jahres das erste Friedhofscafé der Stadt. Allerdings steuern trotz der kalten Jahreszeit bisher nur wenige Besucher die Einrichtung an. "Viele Leute trauen sich nicht herein, da an der Tür in großen Lettern 'Trauercafé' steht. Sie glauben, dass das Café allein für Trauerfeiern sei", erzählt die Gründerin und Trauerbegleiterin. Doch die Tür steht jedem offen. Sei es, um nach dem Verlust eines lieben Menschen mit jemandem sprechen zu können oder um sich nach einem winterlichen Spaziergang über Sachsens größtes Flächendenkmal aufzuwärmen.

An drei Tischen finden in dem gemütlich eingerichteten Häuschen zwölf Gäste Platz. Die Preise sind moderat. Eine Tasse Kaffee gibt es für 70 Cent, einen Tee für 50 Cent und ein Stück Kuchen für 80 Cent. "Unser Café wird rein ehrenamtlich betrieben, die Einnahmen decken allein die laufenden Kosten", hebt die 69-jährige Rentnerin hervor. "So weit ich weiß, sind wir das einzige Friedhofscafé mit diesem Konzept in ganz Deutschland." Hinter der Einrichtung steht die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig, die sich der Pflege und Erhaltung der städtischen Friedhofsanlagen verschrieben hat. Mithilfe von Spendengeldern sowie jeder Menge handwerklicher Eigenleistung hat Vereinsmitglied Ursula Weißig mit ihrem Ehemann und Freunden das zuletzt ungenutzte Gebäude wieder auf Vordermann gebracht. Bei der Bewirtung der Gäste helfen ihr sechs Freundinnen. "Wir wechseln uns täglich ab. Ursprünglich sollte jeder einen festen Tag bekommen. Da sich der Zuspruch bisher jedoch in Grenzen hält, haben wir im Januar und Februar zunächst nur von Freitag bis Sonntag jeweils zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet."

Doch an diesem Sonntagnachmittag lässt der erste Gast nicht lange auf sich warten. Es ist Volker Meyer aus Stötteritz. "Ich gehe täglich auf dem Friedhof spazieren. Und auf dem Heimweg kehre ich gern für ein Stück selbst gebackenen Kuchen hier ein", erzählt der Rentner. In der Tat, die Damen um Ursula Weißig stellen die süße Kost eigenhändig her. Aus ihrem Backofen stammen an diesem Tag gleich zwei Leckereien - Mohn- und Quarkkuchen. Während die Wirtin noch mit ihrem Gast plaudert, öffnet sich erneut die Tür. Auch jetzt guckt kein unerwarteter Besuch vorbei, wie sich herausstellt. "Wir sind sozusagen die ersten Stammgäste", erzählt Ingeborg Imsieke, nachdem sie mit ihrem Ehemann Günter Platz genommen hat. "Unser Sohn ist Ende vorigen Jahres verstorben und wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt. Da wir nur eine kleine Trauergemeinschaft waren, haben wir uns nach der Beisetzung für eine Zusammenkunft vor Ort entschieden. Wir fanden die Atmosphäre hier wesentlich intimer als in einer normalen Gaststätte. Seitdem kommen wir regelmäßig hierher."

Mit kleinen Events will Ursula Weißig künftig ein breiteres Publikum anlocken. Den Anfang macht am 17. Januar ab 15 Uhr eine Bücherbörse. "Dort kann jeder die Lektüre mitbringen, die er über Weihnachten ausgelesen hat, und gegen eine andere eintauschen", erklärt die sympathische Gastgeberin und schenkt ihren Gästen noch eine Runde Kaffee ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.01.2015

Lachmann, Filip

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