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Lokales Erstes Leipziger Paar gibt sich nach "Ehe für alle"-Entscheidung das Ja-Wort
Leipzig Lokales Erstes Leipziger Paar gibt sich nach "Ehe für alle"-Entscheidung das Ja-Wort
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22:33 06.10.2017
Henrik und Patricia Osterland heirateten gestern auf dem Leipziger Standesamt – möglich machte es das neue Gesetz zur „Ehe für alle“.  Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

 Für viele Paare ist die Hochzeit einer der wichtigsten Meilensteine des gemeinsamen Zusammenlebens. Für sie ist es eine Geste ganz besonderer Verbundenheit und Liebe zueinander. So auch für Hendrik und Patricia Osterland. Die beiden haben am Freitag im Leipziger Standesamt geheiratet. Das Besondere: Patricia ist eine brasilianische Frau, die ursprünglich im Körper eines Mannes geboren wurde. Seit zwei Jahren sind die beiden Eheleute schon ein Paar. Im Dezember letzten Jahres begannen sie ihre Planungen für die gemeinsame Hochzeit. Nun sind sie das erste Paar in Leipzig, dessen standesamtliches Trauung das am 1. Oktober in Kraft getretene Gesetz zur „Ehe für alle“ ermöglicht hat.

Das Gesetz gibt gleichgeschlechtlichen Paaren dieselben Rechte bei der Eheschließung wie Heterosexuellen. Patricia und Henrik Osterland haben sich im Rahmen dieser Öffnung trauen lassen. Für den Bräutigam ist das nichts Besonderes. Von den Formalien über die Zeremonie sei alles ganz normal, wie sonstige Trauungen auch. „Die größte Hürde war tatsächlich die brasilianische Bürokratie“, so Henrik Osterland. Bevor sie alle Dokumente beisammen hatten und diese beglaubigt waren, verging viel Zeit. Streiks in Brasilien verlängerten die Wartezeit.

Seine Aufregung merkt man ihm trotzdem an: „Natürlich bin ich etwas aufgeregt, man heiratet ja schließlich nicht alle Tage“, sagt er mit zaghaftem Lächeln.

Bisher rechtliche Benachteiligungen

Rechtlich gesehen, war es allerdings ein langer Weg, bevor die beiden problemlos die Möglichkeit hatten den Bund der Ehe einzugehen. Seit 2001 konnten gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland ihre Beziehung zwar als eingetragene Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Viele von ihnen beklagten allerdings die rechtlichen Benachteiligungen dieser Verpartnerungen im Vergleich zur Ehe, beispielsweise im Familien- oder im Steuerrecht.

2015 wurden in Leipzig 65 dieser gleichgeschlechtlichen Verpartnerungen geschlossen. Letztes Jahr waren es schon 73 und in diesem Jahr 54. Mit dem neuen Gesetz können interessierte Paare ihre Lebenspartnerschaft in eine offizielle Ehe umwandeln. Für diesen formalen Akt ist am Leipziger Standesamt ein Tag pro Woche, jeweils Dienstag vorgesehen. Neue eingetragene Lebenspartnerschaften können künftig nicht mehr geschlossen werden Die Zahl der Anmeldungen für die gleichgeschlechtliche Ehe unterscheidet sich nach den Worten von Standesamtsleiter Uwe Bernhardt kaum von der für die klassische Ehe. Allerdings seien die Dienstagstermine für die Umwandlung der Lebenspartnerschaften im Oktober bereits restlos ausgebucht. Die Anmeldungen für November liefen schon. Aufgrund dieser Nachfrage könne man davon ausgehen, dass dieser Schritt für viele Paare noch einmal eine besondere Bedeutung hat, so Bernhardt. Einige Paare werden lange schon darauf gewartet haben.

Feierlicher Rahmen

Das Leipziger Standesamt würdigt diese Tatsache. Die Zeremonien zur Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe werden extra in einem etwas feierlicherem Rahmen abgehalten, als das normalerweise vorgesehen ist. Uwe Bernhardt sieht diese Entwicklung pragmatisch: „Die ,Ehe für alle’ ist ein weiterer Schritt dahin, dass das, was gesellschaftlich bereits gelebt wird, auch rechtlich gewürdigt wird.“

Von Edgar Lopez

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