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Lokales „Es war wie im Horrorfilm“: 37-jähriger Leipziger stoppte den Hammer-Angreifer im Jobcenter
Leipzig Lokales „Es war wie im Horrorfilm“: 37-jähriger Leipziger stoppte den Hammer-Angreifer im Jobcenter
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15:48 24.05.2013
Der Lebensretter aus dem Leipziger Jobcenter: Stefan Thümmler stoppte einen 34-Jährigen bei der Hammer-Attacke auf eine Mitarbeiterin. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Ohne zu zögern schritt der 37-Jährige ein, als der Hartz-IV-Empfänger Jan H. mit einem Hammer auf die Angestellte einschlug. Dafür wurde er am Donnerstag vom Jobcenter mit einem Blumenstrauß geehrt. Die Polizei tut sich wegen seiner Vorgeschichte indes schwer, sich bei dem Grünauer für die Heldentat zu bedanken.

„Es war wie im Horrorfilm“, erzählt Thümmler am Freitag im Gespräch mit LVZ-Online. Am Dienstag gegen 9.30 Uhr kommt der Belantis-Mitarbeiter zu einem Termin ins Jobcenter in der Georg-Schumann-Straße. Niemand bemerkt, dass sich mit ihm und dutzenden anderen Kunden ein Attentäter in die Behörde schleicht. Rund zwei Minuten sitzt Thümmler im Zimmer seiner Beraterin, als plötzlich Schreie aus dem Flur dringen. Die Arbeitsvermittlerin springt sofort auf und stürmt ins Nachbarzimmer, wo der 34-jährige Jan H. sein 52-jähriges Opfer bereits bewusstlos geschlagen hat. „Sie lag unter ihrem Schreibtisch. Überall war Blut“ berichtet Thümmler. „Aber er hat einfach nicht aufgehört, auf sie einzuschlagen.“

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„Viele schauten einfach nur zu“

Der kräftige 37-Jährige – in seiner Jugend war er Boxer – schiebt die geschockte Kollegin zur Seite und packt Jan H. von hinten. „Er hat noch drei, vier Mal auf sie eingeschlagen“, erinnert sich Thümmler. „Es war nicht leicht, ihn von der Frau loszubekommen. Er war wie im Wahn.“ Mit einem festen Griff fixiert der Grünauer dennoch die Arme des Angreifers, zieht ihn aus dem Zimmer und ruft nach Hilfe. Aber für ihn dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis jemand hinzu kommt. „Viele schauten einfach nur zu“, bemerkte er.

Ein weiterer Besucher unterstützt Thümmler schließlich, den Amokläufer im Zaum zu halten. Sofort kümmern sich Mitarbeiter um die am Boden liegende Mitarbeiterin und leisten erste Hilfe. Sie kommt mit schweren Verletzungen an Kopf und Oberkörper in eine Klinik.  Ohne Thümmlers mutiges Eingreifen hätte die 52-Jährige den Angriff wohl mit ihrem Leben bezahlt. Die Ermittler sind überzeugt, dass H. vor hatte, sie aus Wut umzubringen. Über einen Kürzungsbescheid des Jobcenters war er offenbar zutiefst verärgert, heißt es später von der Staatsanwaltschaft. In Handschellen wird H. schließlich vom Tatort abgeführt.

Die Bilder der brutalen Tat lassen Thümmler, der selbst unverletzt geblieben ist, nicht mehr los. Seit Tagen wird er von Albträumen aus dem Schlaf gerissen, verzichtet aber vorerst auf psychologische Hilfe. „Natürlich denkt man daran, was hätte passieren können“, sagt der Grünauer mit leiser Stimme. Er fühlt sich aber nicht als Held, für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, der wehrlosen Frau zu helfen. „Ich würde es immer wieder tun“, versichert er. „Und ich hoffe, ich kann es irgendwie verarbeiten.“

Polizei zögert mit öffentlicher Ehrung

Der 34-jährige Jan N. wird nach der Hammer-Attacke im Jobcenter Leipzig von Polizisten festgenommen. Quelle: TeleNewsNetwork

Das Jobcenter ehrte Thümmler am Donnerstag mit einem Blumenstrauß. „Wir sind ihm unendlich dankbar“, sagte Christine Westphal von der Jobcenter-Geschäftsleitung. „Dass jemand ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit anderen zur Seite springt, zeugt von außergewöhnlicher Zivilcourage“, so Westphal. Auch viele Kollegen der Mitarbeiterin haben sich bereits bei dem Lebensretter gemeldet und ihm für seinen Mut gedankt.

Die Leipziger Polizei zeigte sich überrascht von der Ehrung. Präsident Bernd Merbitz, der am Freitag beim Gedenkgottesdienst für die zu Himmelfahrt verunglückten Beamten in Dresden war, wollte eigentlich, dass sich die Polizei zusammen mit dem Jobcenter bei dem Lebensretter bedankt, sagte Sprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ-Online. Wegen Thümmlers Vorgeschichte –  dieser sei bei den Beamten kein unbeschriebenes Blatt – tat man sich allerdings zunächst schwer damit. „Wir werden uns nun etwas einfallen lassen“, sagte Voigt.

Robert Nößler

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