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„Es wurde schnell sehr persönlich“: Der Leipziger Amerikanist Crister Garrett über 9/11

„Es wurde schnell sehr persönlich“: Der Leipziger Amerikanist Crister Garrett über 9/11

Es versprach ein gewöhnlicher Tag zu werden in Wisconsin, USA. Ein Arbeitstag für Crister S. Garrett, der an der Universität Kurse gab zu Themen wir Globalisierung oder internationale Beziehungen.

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Die Expertenmeinung von Crister S. Garrett, Leipziger Professor für Amerikanische Kultur und Geschichte, ist gerade um den Jahrestag von 9/11 weltweit gefragt.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Garrett schrieb an einem Antrag um kurz vor neun. Nichts aufregendes. "Dann steckten einige Kollegen die Köpfe ins Zimmer, sagten: Das musst du dir ansehen", erinnert er sich. Und dann sah er: Die Türme, die Flugzeuge, das Feuer, den Tod - 9/11. Heute ist Crister Garrett Professor für Amerikanist in Leipzig. Mit LVZ-Online sprach er über die Erfahrung eines Tages, der auch sein Leben veränderte.

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Leipzig. Es versprach ein gewöhnlicher Tag zu werden in Wisconsin, USA. Ein Arbeitstag für Crister S. Garrett, der an der Universität Kurse gab. "Dann steckten einige Kollegen die Köpfe ins Zimmer, sagten: Das musst du dir ansehen". Und dann sah er: Die Türme, die Flugzeuge, das Feuer, den Tod - 9/11. Heute ist Crister Garrett Professor für Amerikanist in Leipzig.

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Wenn der Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center naht, häufen sich bei dem Experten für Amerikanische Geschichte und Kultur die Anfragen. Er steht im Austausch mit Kollegen in den USA, antwortet Studierenden und öffentliche Einrichtungen. Frankfurt, München, Berlin, hunderte Hörer wollen wissen, wie das Unfassbare in der Wissenschaft fassbar wird. Rund 300 Zuhörer allein kamen vor wenigen Tagen zu einer Gedenkveranstaltung in das Englische Theater Frankfurt, bei der das Verhältnis "Der Westen und die Islamische Welt" diskutiert wurde.

An jenem Tag vor zehn Jahren saß Garrett im mittleren Westen der USA "mit vielen Kollegen in einem großen Raum" und sah die gewaltigen New Yorker Türme einstürzen. Die persönliche Betroffenheit war unmittelbar. "Ich habe Kollegen verloren, die im World Trade Center gearbeitet haben, Freunde", sagt Garrett, und fasst das Ausmaß der Katastrophe sehr kurz zusammen: "Das ist dann sehr schnell sehr persönlich geworden."

Zwei Tage ohne Lebenszeichen

Der gebürtige New Yorker betrachtet zwar eher Kalifornien als seine Heimat, an der Universität in Los Angeles erwarb der Forscher seinen Uni-Abschluss. Aber 2001 hatte er auch Familie an der Ostküste. "Meine Cousine arbeitete für CNN in der Produktion, in der Nähe des World Trade Centers." Zwei Tage konnte er keinen Kontakt zu ihr herstellen. Dann kam das erlösende Lebenszeichen. "Sie war einfach zwei Tage lang nicht aus dem Viertel raus gekommen", sagt Garrett.

"Dieser Tag hat vieles geändert", sagt der Amerikanist, der seit 2003 fest an der Universität in Leipzig lehrt. Sein Forschungsgebiet, die tägliche Arbeit mit den Studenten, ist da direkt betroffen. Trotzdem glaubt Garrett nicht, dass unter den Trümmern des World Trade Centers auch die Idee von Toleranz begraben liegt. "Die Ängste sind gewachsen", sagt er, warnt aber vor den so einfachen Pauschalisierungen anderer Kulturen. So befasse man sicht seit 9/11 in den USA und auch in Deutschland viel stärker mit dem Thema "Islamische Welt" als zuvor. "Das Verständnis ist tiefer und nuancierter geworden. Das zeigen jedenfalls Umfragen in den USA", erklärt er.

Hat Garret also mit dem Verstand den Schrecken jener Tage gezähmt? "Natürlich spüre ich nicht mehr täglich das, was mich 2001 bewegt hat", sagt der 49-jährige Amerikanistik-Professor. Und macht eine kleine Pause. Aber das Geschehen sei doch immer noch präsent. "Die Bilder habe ich immer vor Augen."

Evelyn ter Vehn

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