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Lokales Europäischer Biber ist das Auwaldtier des Jahres 2018
Leipzig Lokales Europäischer Biber ist das Auwaldtier des Jahres 2018
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16:37 18.04.2018
Biber sind in Leipzig nun wieder in sieben Revieren heimisch. Vor drei Jahren wurden die ersten Exemplare gesichtet. Quelle: Knut Fischer
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Leipzig

 Obwohl er seit etwa zehn Millionen Jahren auf der Erde lebt, galt der Europäische Biber in Sachsen lange als nicht existent. 1846 erlegte ein Wilderer in der Nähe von Wurzen das letzte Exemplar. „Danach war Sachsen 100 Jahre lang praktisch biberfrei“, erzählte Ronny Wolf vom Biologie-Institut der Universität Leipzig gestern aus einem besonderen Anlass. Denn der zufällig ebenfalls aus Wurzen stammende Fachmann hielt die Laudatio auf das Auwaldtier des Jahres 2018 – eben den Biber, der mit wissenschaftlichem Namen Castor fiber heißt.

Größte Dämme im Colditzer Forst

Das größte Nagetier Europas lebt seit mindestens drei Jahren wieder in Leipzig, berichtete Wolf. „Es hat sich von der Elbe über die Saale, Luppe und Weiße Elster in unsere Breiten vorgearbeitet.“ Schon vor 50 Jahren hätten umfangreiche Schutzmaßnahmen erste Erfolge gezeigt und die Renaissance einer Tierart begonnen, die bis ins Mittelalter wegen ihres schmackhaften Fleisches und gut wärmenden Fells gejagt wurde. Mit der Verbesserung der Gewässerqualität nach der Wende setzte ein „äußerst positiver Trend“ ein, sodass Sachsen heute wieder 400 bis 500 Biber-Reviere zählt. Die größten Dämme von bis zu 70 Metern Länge seien im Colditzer Forst zu bewundern. Doch auch im Leipziger Auwald – zum Beispiel nahe der Hans-Driesch-Straße – habe das Säugetier schon Bäume mit 40 bis 50 Zentimetern Stammdurchmesser gefällt.

Bis zu 32 Kilo schwere Holzfäller

„Ich sage meinen Studenten manchmal: Nagetiere sind dumm, weil sie ein so kleines Gehirn haben“, erzählte der Referent lachend. „Der Biber verhält sich aber äußerst klug.“ So sei er als Vegetarier in der kalten Jahreszeit auf Baumrinden und Weichgehölze als Nahrung angewiesen. An der Mulde lege er deshalb öfter Obstbäume um. „Der Biber hat da seine ganz eigene Art entwickelt, um Äpfel zu ernten.“ Die Bäume würden zumeist so gefällt, dass sie ins Wasser stürzen. Oder der bis zu 32 Kilo schwere Holzfäller schleppt sie später dorthin ab. Ein Futterplatz auf dem Wasser biete ihm mehr Schutz vor Fressfeinden. Große Biberburgen, in denen bis zu vier Generationen gemeinsam leben können, seien im Auwald aber unwahrscheinlich. Hier würden hauptsächlich Gänge und Höhlen in die Uferbereiche gegraben – soweit diese natürlich beschaffen und dafür geeignet sind.

Soeben neue Beobachtung am Karl-Heine-Kanal

Sieben Biber-Reviere konnte Johannes Hansmann vom Verein Nukla in den letzen Monaten in Leipzig kartieren. Erst vergangene Woche wurde ein neuer Platz am Karl-Heine-Kanal entdeckt. Eine ganze Familie dürften die Messestädter dennoch – selbst bei dem bekannten Standort am Elsterbecken – so gut wie nie zu Gesicht bekommen. Da die Tiere in unseren Breiten nachtaktiv sind, lasse sich bei Tageslicht höchstens mal ein Exemplar auf Abwegen blicken, sagte Wolf weiter.

Hohe Bedeutung für Schutz der Auenlandschaft

Ihre Bedeutung für den Schutz der Auenlandschaft und anderer Tierarten sei nicht hoch genug zu bewerten. Ob Libelle, Eisvogel oder Schwarzstorch – viele Auenbewohner bräuchten langsam fließende Gewässer, welche durch die streng geschützten Biberbauten entstehen. „Um unserer Verantwortung für die in ganz Europa geschützten Tiere gerecht zu werden und Konflikte zwischen Mensch und Tier zu minimieren, ist auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit wichtig“, erklärte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). „Mit der Wahl zur Auwaldart 2018 wurde hier ein erster Schritt getan.“

Von Jens Rometsch

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