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13:52 19.05.2015

Zum 217. Mal hob sich am Sonnabend der Vorhang für noch immer dasselbe Bühnenbild. Knapp 100 000 Besucher ließen sich inzwischen gefangen nehmen von den Abenteuern der kleinen Dorothee, deren Leben ein Sturm gehörig durch- einanderwirbelt. Dabei gerät sie in die Welt der Schlaraffen mit all ihren Verlockungen. Doch das Heimweh wird immer stärker. Nur der große Zauberer von Oss kann ihr helfen. Auf der langen Reise zurück begegnet sie unter anderen der bösen Hexe Bunbonia und dem zotteligen Löwe. Sabine Töpfer und Karl Zugowski verkörpern von Anfang an und ununterbrochen deren Rollen - und das noch immer im selben Kostüm.

"Dies ist eines der ältesten Kinderstücke, die in der Dreilindenstraße aufgeführt wurden", sagt Sabine Töpfer. Die 49-jährige geborene Rudolstädterin liebt die Rolle der Hexe. "Es gab schon Kinder, die sich so fürchteten, dass sie den Saal verließen." Zum Fürchten ist der Part ihres Kollegen hingegen nicht. "Mich fragte mal einer: 'Warum bist du eigentlich so feige, Löwe?'", erinnert sich Karl Zugowski. Wer genau hinschaue, erkenne aber, dass das nicht stimmt, betont der in Altenburg Geborene. "Der Löwe hat zwar manchmal Angst und um das zu zeigen, kann ich meinen Schwanz bewegen, aber feige ist er nicht."

Genau diese Interaktion mit dem Publikum, das bereits wieder mit eigenen Kindern diese Vorstellung besucht, sei das Besondere am "Zauberer". Und: Das Publikum spielt mit. "Vor allem wenn Schulklassen kommen und die Lehrer nicht wie Eltern immer gleich zur Ruhe rufen, geht sie Post ab", freut sich der 75-Jährige. Er gehört zwar inzwischen nicht mehr zum festen Ensemble der Muko, lässt sich diese Gastrolle aber nicht nehmen. "Unser Stück ist in der Inszenierung des Australiers James Brooks einfach rührend", sagt er. "Ja, überhaupt nicht kitschig, sondern poetisch. So, dass älteren Zuschauern manchmal die Tränen kommen", ergänzt Töpfer, die sich seit Jahren auch über eine Kollektion Hexen-Bilder freuen kann. "Die werden immer an der Pforte für mich abgegeben."

Die ehrlich an der Geschichte Anteil nehmenden und mitfiebernden Zuschauer, die seien das Elixier, ausnahmslos jede der Aufführungen auf der Bühne gestanden zu haben. "Unser Beruf verlangt generell Nervenstärke und Belastbarkeit", sagt die Schauspielerin. "Krank war ich in all den Jahren nie. Aber einmal mit meinem Sohn Friedrich, der heute 19 ist, schwanger auf der Bühne. Rosalie, heute 27, meine Älteste, spielte in der Premiere die kleine Hexe." Später auch Luise, ihre Jüngste. "Und ich habe sie alle in den Kessel gehoben", frohlockt Löwe Zugowski. "Weißt du noch, dass einmal eine kleine Hexe nicht auf Kommando herauskrabbeln wollte?", fragt Töpfer. Am Sonnabend machte keine der kleinen Hexen Mätzchen. Alle, die dereinst aus dem Kessel stiegen, waren noch einmal auf die Bühne eingeladen und feierten mit Ensemble und Publikum 20 Jahre "Der Zauberer von Oss".

Das ist schon eine lange Zeit, räumen Sabine Töpfer und Karl Zugowski ein. "In den 43 Jahren meines Engagements hab ich vielleicht an zwei Tagen gefehlt, dabei ging es mir auch manchmal schlecht", sagt Zugowski. Aber das sei eine Frage der Einstellung.

"Man will doch das Ensemble nicht hängen lassen", ergänzt Töpfer. "Sobald die Lichter brennen und ich spiele, sind die Beschwerden weg", pflichtet ihr Kollege bei.

"Die Begeisterungsfähigkeiten zu erleben, macht große Freude. Die Kinder wollen das Unmittelbare erleben, schreien rein, ihre Zustimmung aber auch ihre Ablehnung, zum Beispiel wenn ich mich Frage: ,Bin ich nun eine Maus oder ein Löwe?'" Ja, ihre Botschaft werde verstanden, meint Töpfer. "Und das Schöne: Sie kommt nicht per Holzhammer." Der Regisseur vertraue dem Stück. Und der Zuschauer könne spüren: Jeder hat seine Stärken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.12.2014
Lachmann, Cornelia

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