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Lokales Ex-Baubürgermeister Niels Gormsen ist tot
Leipzig Lokales Ex-Baubürgermeister Niels Gormsen ist tot
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18:06 10.07.2018
Der frühere Leipziger Baubürgermeister Niels Gormsen, hier bei einer Gesprächsrunde am 22. März dieses Jahres, ist am Dienstag Morgen verstorben. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Der frühere Leipziger Baubürgermeister Niels Gormsen ist tot. Nach LVZ-Informationen verstarb er am Dienstag Morgen im Bornaer Krankenhaus. Gormsen wurde 90 Jahre alt. Als Dezernent für Stadtentwicklung leitete er das Baudezernat von 1990 bis 1995.

Von Mannheim nach Leipzig

Gormsen war 1990 aus Mannheim nach Leipzig gekommen – und ist hier geblieben. Leipzig bescherte ihm, wie er vergangenes Jahr im Gespräch mit der LVZ sagte, „den Höhepunkt des Berufslebens “. Die Stadt nannte er „eine späte Liebe“. Mit fast 90 Jahren hatte er im Schloss Machern seine Hella geheiratet. „Was für ein Lebensglück, dass ich diese Frau an meiner Seite habe“, sagte er.

Lehmann-Grube machte ihm die Stadt schmackhaft

Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube hatte ihm die Aufgabe im Osten schmackhaft gemacht. Er war „frei“, nachdem er 16 Jahre lang Baubürgermeister in Mannheim war und seinen Job 1988 aus Parteienproporz verloren hatte. Das Besondere an Leipzig lernte er im Zeitraffer kennen. Drei Vorteile nannte er gegenüber vergleichbaren Metropolen: „Erstens: Die Stadt mit ihrem konzentrierten Zentrum war stabil gebaut, nicht umsonst war ja Leipzig einst die reichste Stadt des Landes. Zweitens: Leipzig war im Krieg zwar bombardiert worden, wurde aber nicht so großflächig zerstört. Und drittens: Die DDR hatte kein Geld, Leipzig zu einer sozialistischen Metropole umzubauen.“

Zahlreiche Projekte schob er mit an

Gormsen konnte in den 1990er-Jahren den sich im atemberaubenden Tempo vollziehenden Wandel mitgestalten. Investoren gaben sich die Klinke in die Hand. Die nicht publizierte Order lautete: „Nichts ablehnen, denn das könnte den Aufbau Ost behindern.“ So lernte er auch einen Herrn Schneider kennen, ein Toupet tragend stand er ihm im damaligen Hotel International gegenüber. Dass Jürgen Schneider für Leipzig viel bewegt hat, stand für Gormsen außer Frage, mit den kriminellen Praktiken des sogenannten Baulöwen wurde der Baudezernent zu Dienstzeiten nicht konfrontiert. Gormsen war stolz auf Projekte, die mit seiner Hilfe angeschoben und realisiert werden konnten: die Neue Messe, den Umbau des Hauptbahnhofs, das Paunsdorf-Center, bei dem der Stadtplaner Wert auf die intakte Infrastruktur mit Anschluss von Straßen- und S-Bahn und Parkhäusern legte, und die Initiative „Pleiße ans Licht“ mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Neue-Ufer-Verein.

Verfechter eines Freiheits- und Einheitsdenkmals

Leipzig trieb ihn noch im hohen Alter um. Dass es bislang nicht gelang, in der Stadt der Friedlichen Revolution ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zu schaffen, regte ihn auf: „Es wird und es muss kommen, davon bin ich überzeugt, aber nicht auf dem Leuschnerplatz, auf dem die alte Stadtstruktur wiedererstehen sollte. Mein Vorschlag wäre, den Richard-Wager-Platz für ein Denkmal zu nutzen. Dort, wo einst das Blaue Wunder stand, schade, dass es abgerissen wurde, könnte das Freiheitsdenkmal seinen Platz finden. Ich stelle mir einen gläsernen Obelisk vor, der nachts leuchtet, so dass jeder zu jeder Zeit erkennen kann, welch weltpolitische Veränderung von dieser Stadt ausging.“

Südraumbeauftragter von 1996 bis 1999

Nach seiner Pensionierung war er von 1996 bis 1999 Südraumbeauftragter der Stadt Leipzig. Er gründete auch den Verein „Straße der Braunkohle“ mit. Ebenso hat er sich stark für den Erhalt der Zwenkauer Förderbrücke engagiert und wollte sich deshalb sogar anketten, allerdings ohne Erfolg. Als Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bemühte er sich mit der Stadt Borna, ein Dokumentationszentrum für die 60 Orte im Südraum Leipzig aufzubauen, die dem Braunkohleabbau zum Opfer gefallen sind.

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