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Lokales Exklusiver Einblick in S-Bahn-Vertrag stellt klar: S 3 muss tagsüber zweiteilig fahren
Leipzig Lokales Exklusiver Einblick in S-Bahn-Vertrag stellt klar: S 3 muss tagsüber zweiteilig fahren
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07:00 11.01.2018
Neben der Auslastung sorgen auch Schmierereien an den S-Bahnen für Kritik. Quelle: André Kempner
Leipzig

Übervolle und beschmierte Züge – die Kritik an der Deutschen Bahn als ausführendem Betreiber des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes hält unvermindert an. Besonders das Kapazitätsangebot zwischen Leipzig und Halle wird bemängelt. Der Fahrplanwechsel Anfang Dezember hat da offenbar nur wenig Besserung gebracht. Dabei gibt es hinsichtlich des Einsatzes von ein- oder zweiteiligen Zügen auf den jeweiligen Linien konkrete Vorgaben. Der LVZ gelang ein exklusiver Blick in Vertragsdetails zwischen dem Besteller, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), und der Deutschen Bahn.

„In den letzten Tagen brachte es die Bahn auf der S 3 vor allem zur Fahrt mitten in der Rush-Hour um 7.12 Uhr ab Schkeuditz fertig, nur einen Wagen zu schicken“, schrieb beispielsweise Tom Kinski der LVZ. Dies zu einer Zeit, in der Hunderte von Halle nach Leipzig wollen. „Dicht gedrängt und ohne Ausweichmöglichkeiten stehen die Menschen in der kompletten Bahn“, schilderte der Schkeuditzer. An den folgenden Halten habe es Lautsprecherdurchsagen an draußen Wartende gegeben, doch wegen Überfüllung bitte die nächste S-Bahn zu nehmen. Ein Toilettenbesuch sei praktisch aussichtslos gewesen – gar nicht auszudenken, was bei einer Notbremsung passieren könne. „So kann es mit dem Umstieg auf den Nahverkehr nichts werden. Da stehe ich mit dem Auto lieber im Stau“, so Kinski.

Ähnliches kann Lothar Werner aus Möckern berichten. „Zuletzt war die S 3 in den Morgenstunden regelmäßig überfüllt, weil nur ein Dreier-Zug ankam.“ Er frage sich, warum auf der Strecke im Berufsverkehr keine längeren Bahnen eingesetzt werden.

DB Regio sei bereits mehrfach angemahnt worden

Vom ZVNL, der den regionalen Schienenpersonennahverkehr in und um die Messestadt bestellt sowie organisiert, heißt es auf Nachfrage: Die DB Regio sei bereits mehrfach angemahnt worden, „dass auch bei Fahrzeugknappheit insbesondere die Züge in den Morgenstunden auf der S 3 nicht geschwächt – das heißt anstelle der vertraglich vorgesehenen Doppeltraktion nur in Einfachtraktion –  verkehren.“

Ein exklusiver Blick in Auszüge aus dem Verkehrsvertrag zwischen ZVNL und Bahn zeigt, dass die S 3 wochentags von Halle nach Leipzig ab 5.21 Uhr  bis 19.51 Uhr (Abfahrt jeweils hallescher Hauptbahnhof) und in der Gegenrichtung von 5.52 Uhr bis 21.52 Uhr (Abfahrt jeweils Connewitz) durchgehend eine Mindestkapazität von 300 Sitzplätzen anbieten muss. Da die eingesetzten drei- und vierteiligen Elektrotriebzüge vom Typ Talent 2 über 150 respektive 200 Sitzplätze verfügen, ergibt sich daraus eine sogenannte Doppeltraktion – also der vertraglich vorgeschriebene Einsatz zweier gekoppelter Triebwagen.

Fährt die Bahn einfach statt doppelt, muss sie Strafgebühren an den Besteller des S-Bahn-Netzes zahlen – ebenso für den Einsatz von mit Graffiti beschmierten Zügen. Nimmt man einmal an, dass jeden Tag mindestens eine S-Bahn mit Graffiti herumfährt und eine andere nur ein- statt zweiteilig am Start ist, dürfte bei einer geschätzten Strafe von wenigstens 100 Euro locker eine sechsstellige Summe für die Bahn zusammenkommen. Zu Details wollen sich weder das Eisenbahnunternehmen noch der ZVNL äußern. „Wir sind aber sicher, dass mit steigendem Vertragsstrafenvolumen die Deutsche Bahn wieder bessere Qualität liefern wird“, erklärte ZVNL-Vizechef Bernd Irrgang.

S 5-Verlängerung nur punktuell

Weiteres Ärgernis: Auch die von der Deutschen Bahn bejubelten „Verbesserungen für unsere Kunden“ für die S-Bahn-Strecke über den Flughafen Leipzig/Halle (S 5/S 5 x) stellen sich bei genauem Hinsehen nur als punktuelle Optimierung heraus. Rund zehnmal pro Tag wird die bislang am Airport endende S 5 aus Richtung Süden bis nach Halle verlängert. Ebenso oft gibt es die zusätzliche vierte Verbindung zwischen den beiden Großstädten in der Gegenrichtung. Problem: Die letzte S 5 Richtung Halle fährt wochentags um 16.53 Uhr vom Leipziger Hauptbahnhof (tief), montags bis donnerstags gibt es eine Stunde später noch eine weitere. Gleiches Bild retour: Aus der Saalestadt geht die letzte durchgehende S 5 um 17.40 Uhr, eine weitere montags bis donnerstags eine Stunde später. Dass mehr möglich ist, zeigen bereits eingetaktete Extra-Fahrten beispielsweise zur Leipziger Buchmesse – mindestens drei in jede Richtung.

„Umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass das nötige Fahrgastaufkommen nach 18 Uhr nicht vorhanden ist“, erläuterte Irrgang. Er hätte aber kein Problem damit, dass die S 5 abends länger über den Flughafen hinaus nach Halle und zurückfährt. „Die Züge stehen am Airport sowieso nur rum“, so Irrgang – was aus seiner Sicht einfach zu formulieren ist, da die Ausweitung der Betriebszeiten bis nach Halle auf dieser Linie weitestgehend vom  sachsen-anhaltischen ZVNL-Pendant Nasa (Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH) getragen werden müsste.

Hinter der Landesgrenze will man erst einmal nichts ändern. „Kurzfristig passiert da nichts“, erklärte Nasa-Sprecher Wolfgang Ball auf LVZ-Anfrage. Man werde zunächst beobachten, wie der aktuelle Fahrplan angenommen wird und was sich verbessern lässt. „Mit Blick auf die Bauarbeiten am halleschen Hauptbahnhof sehe ich vor Dezember 2019 eher keine Änderungen“, so Ball.

Martin Pelzl und Matthias Klöppel

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