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Lokales Experiment mit Schallplatten – Vinylbar in Plagwitz eröffnet
Leipzig Lokales Experiment mit Schallplatten – Vinylbar in Plagwitz eröffnet
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00:17 19.07.2017
An der „Vinylbar“: Kerstin Andruschow und Matthias Örtl mit Schallplatten, die auch digitalisiert werden können, in der Georg-Maurer-Bibliothek. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Getränke gibt es an der Vinylbar zwar nicht: Dafür Schallplatten, die die Besucher entleihen können. In der Georg-Maurer-Bibliothek in der Zschocherschen Straße, die vor gut zwei Monaten nach denkmalgerechter Sanierung wiederöffnete, erlebt gerade die gute alte Schallplatte – wie schon lange zuvor in den einschlägigen Fachgeschäften – ihr Comeback. Rund 200 Schallplatten, auf denen die unterschiedlichsten Musikgenres wie Pop, Jazz oder Elektro zu hören sind, wurden eigens angeschafft. „Es ist ein Experiment. Der Bestand soll künftig auch vergrößert werden. Die Bibliothek in Plagwitz ist die einzige, die wieder Schallplatten anbietet“, sagt Heike Scholl, die Sprecherin der Leipziger Städtischen Bibliotheken (LSB). „Die Ausleihe der Platten wird bereits gut genutzt“, sagt Bibliothekschef Matthias Örtl. Hinzu kommt: Wer Lust hat, kann an der Vinylbar – dahinter verbirgt sich ein Gerät namens Roadster im Retrolook – private Schallplatten und Tonkassetten digitalisieren. Klar ist, dass dabei Urheberrechte beachtet werden müssen. „Die Bibliothek ist ein Ort für Experimente. Wir stellen neue Technik vor, aber auch ältere, die wieder im Kommen ist.“ Die Georg-Maurer-Bibliothek will ihr neues Angebot auch popularisieren. So gibt es künftig eine Online-Sprechstunde. „Wir erklären, wie ein E-Book-Reader oder E-Learning funktioniert, wie Datenbanken genutzt werden und vieles mehr. Das hat sich bereits in der Stadtbibliothek bewährt“, so Scholl. Eigene Geräte können übrigens mitgebracht werden. „Einige Leser haben gesagt, die Auswahl an Schallplatten wäre hervorragend“, so Bibliothekarin Kerstin Andruschow.

Die Georg-Maurer-Bibliothek offeriert ihren Nutzern gut 36 000 Medien, davon 11 000 für Kinder. „In den ersten beiden Monaten mussten wir wieder ein Gefühl für das Haus bekommen und interne Abläufe neu regeln“, so Örtl. Der denkmalgeschützte Bau kann seit Mitte April wieder genutzt werden. Die Stadt hatte für rund 2,4 Millionen Euro Dach, Fassade, Fenster und Türen sowie die Elektro-, Heizungs- und Sanitäranlage erneuern lassen sowie Brandschutz- und Sicherheitstechnik modernisiert (die LVZ berichtete). Die Einrichtung wird seitdem bestens genutzt, kommt mühelos an ihre Besucherzahlen vor der Schließung wieder heran. Seit dem Neustart gibt es bereits 400 Neuanmeldungen. „Wir stellen auch fest, dass die Leute länger bleiben, unsere Computerarbeitsplätze nutzen und auch mal eine Zeitung lesen“, so Örtl. Diesen Trend gibt es in allen Bibliotheken, die auf familienfreundliche Angebote setzen. „Manchmal bleiben Familien Stunden, weil eben alle etwas finden“, ergänzt Scholl. Montags gibt es auch „betreutes Spielen“ an der Playstation. „Wer Lust hat, kommt. Das sind natürlich vor allem Kinder. Einmal im Monat erklären wir auch klassische Gesellschaftsspiele“, erzählt Örtl. Neben vielfältigen Veranstaltungen gibt es am 11. August sogar ein „Nachtcafé“. Gemeint ist ein Revuetheater mit Operettenhits, Schlagern und Chansons, die bei schönem Wetter sogar auf der Terrasse der Bibliothek dargeboten werden (Beginn: 20 Uhr, Eintritt frei).

Geöffnet ist die Stadtteilbibliothek „Georg Maurer“, Zschochersche Straße 14, mittwochs 15 bis 19 Uhr, ansonsten Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr. Wer es in den regulären Öffnungszeiten nicht schafft, kann die neue Rückgabe am Gebäude außen nutzen, die rund um die Uhr zugänglich ist.

Von Mathias Orbeck

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