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Lokales Explosive Beutezüge: Immer mehr Zigarettenautomaten werden zerstört
Leipzig Lokales Explosive Beutezüge: Immer mehr Zigarettenautomaten werden zerstört
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19:18 02.03.2018
 Aufgesprengter Zigarettenautomat in Plagwitz: Die Täter können die Wucht der Explosion häufig nicht einschätzen, so dass nicht nur hoher Sachschaden die Folge ist, sondern die Gefahr schwerster Verletzungen besteht.   Quelle: Foto: privat
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Leipzig

 Morgens um 6 Uhr zerriss ein Knall die samstägliche Stille im Stadtteil Marienbrunn. Durch die Wucht der Explosion flogen Teile des Zigarettenautomaten gegen drei geparkte Autos, Fußgänger waren zum Glück nicht unterwegs. Sprengungen wie jene am 6. Januar im Triftweg sind fast schon Alltag in Leipzig. Allein in der Neujahrsnacht gab es derartige Explosionen in der Lortzingstraße und in der Mockauer Straße, in den Tagen danach folgten weitere, etwa in Engelsdorf. „Leipzig ist in dieser Hinsicht ein herausragendes Problem“, sagt Diana Langenhahn, Niederlassungsleiterin für Sachsen bei Wolf Tabakwaren. „Hier passiert so etwas deutlich häufiger als beispielsweise in Dresden oder Chemnitz.“

Die Polizei bestätigt das auf LVZ-Anfrage. So registrierte die Behörde im Jahr 2016 insgesamt 133 aufgesprengte Zigarettenautomaten mit einem Gesamtschaden von 186 000 Euro. Im Jahr darauf waren es „nur“ 47 Explosionen – Schaden: 80 000 Euro. Das neue Jahr steuert, zumindest gemessen an den enorm gestiegenen Fallzahlen in den ersten Wochen, auf einen neuen Rekordstand zu. Und das, obwohl die Automatenhersteller ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt haben.

Das Hauptproblem für Tabakgroßhändler wie den Familienbetrieb Wolf: Die Sachschäden übersteigen den Wert der von den Tätern erbeuteten Zigaretten und Geldbestände um ein Vielfaches. „In den meisten Fällen lässt sich das Gerät gar nicht mehr reparieren, sondern muss durch ein neues ersetzt werden“, berichtet Niederlassungschefin Langenhan. Wegen wiederholter hoher Schäden habe man in Leipzig schon Standorte aufgeben müssen.

Welche Ausmaße das annimmt, wurde beim Prozess gegen einen 34-jährigen Leipziger deutlich, der zwischen Januar und April 2016 mit selbstgebastelten Rohrbomben zehn Zigarettenautomaten im Stadtgebiet gesprengt haben soll. Er erbeutete Zigaretten und Bargeld im Gesamtwert von knapp 5000 Euro – und richtete einen Sachschaden an den Automaten in Höhe von rund 22 300 Euro an. Das Landgericht verurteilte ihn zu mehreren Jahren Haft.

Nach Ansicht der Polizei unterschätzen viele Täter die durchaus harten juristischen Folgen. „Wir reden hier von einem Verbrechenstatbestand, der mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft wird“, so ein Beamter. „Einige denken, das wäre ein Kavaliersdelikt.“ Gerade für Drogenabhängige gelte es als schnell verdientes Geld, wenn sie mit Böllern einen Automaten aufsprengen und ein paar hundert Euro einstecken können. Die Zigaretten werden entweder für den Eigenbedarf mitgenommen oder verkauft.

Dabei würden die enormen Unfallgefahren vernachlässigt. „Gerade die illegale Pyrotechnik ist in ihrer Wirkungsweise überhaupt nicht berechenbar“, so der Ermittler. „Wir hatten schon Fälle, da hat es Automaten so zerlegt, dass die Tür zehn Meter über die Straße geflogen ist. Wenn in dem Moment ein Radfahrer oder Fußgänger vorbeikommt, kann das schwerste Verletzungen zur Folge haben.“

Chinaböller wie etwa „Little Joe“ verfügen nicht selten über eine Nettoexplosivstoffmasse von mehr als 100 Gramm. Zum Vergleich: Handelsübliche legale Böller haben zwischen 2,5 und 5 Gramm. Schwerwiegende Unfälle sind nach Angaben der Polizei zumindest in Leipzig bislang nicht bekannt geworden. Anderswo schon: Im rheinland-pfälzischen Neuwied wurde ein 16-Jähriger bei der Sprengung eines Zigarettenautomaten durch herumfliegende Teile am Kopf getroffen und tödlich verletzt, ein Mittäter erlitt mehrere Knochenbrüche.

Von Frank Döring

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