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Lokales Extrem-Unwetter über Leipzig räumt Dachziegel ab und verwüstet Sportplatz
Leipzig Lokales Extrem-Unwetter über Leipzig räumt Dachziegel ab und verwüstet Sportplatz
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07:54 29.07.2016
Da braute sich was zusammen über Leipzig.  Quelle: Kai Ropella
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Leipzig

 „Das war schon heftig, wie es Leipzig gestern getroffen hat“, bestätigt Meteorologe Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig gegenüber LVZ.de. Und ein wenig skurril war es auch: Denn im Norden zogen Gewitter über die Stadt, setzten mit Starkregen und örtlich auch Hagel Straßen und Keller unter Wasser, Böen knickten Bäume um. Im Westen wurde Markranstädt vom Unwetter noch gestreift, doch der Süden blieb weitgehend verschont.

Warum das so war, erklärt der Wetterexperte so: Ein in großer Höhe ausgeprägtes Tief zog gestern aus Westen heran. Danach griffen in der Wetterküche zahlreiche kleinräumige Prozesse ineinander. Die Zutaten: Schwüle Luft, also viel Wasser in der Atmosphäre, dazu geringe Höhenwinde, so dass das Gewitter kaum von der Stelle kam.

„Bei einer Gewitterlage wird die Luft gehoben, es gibt eine massive Wolkenbildung. Je stärker die Luftmassen gehoben werden, desto heftiger die Auswirkungen“, erklärt Engelmann. Und mit Regen und Hagel reißt das Wasser kalte Luft mit nach unten – Wind entsteht, der in einigen Straßen Bäume abknickte und Dächer abdeckte.

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Abgedeckte Dächer, zerstörte Gärten und von umgestürzten Bäumen blockierte Straßen: Die Nutzer von LVZ.de haben in und um Leipzig die Folgen des Extrem-Unwetters am Mittwoch dokumentiert.

Sportverein bittet um Hilfe

So wie an einem Haus in der Landsberger Straße in Leipzig, wo Dachziegel auf 50 Quadratmetern abgeräumt wurden. Rund 100 Meter Oberleitung der Straßenbahn wurden beschädigt, erklärte die Leipziger Feuerwehr am Donnerstag. Insgesamt haben die Kameraden 116 Einsätze in Leipzig gefahren. 98 Mal wurden sie wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Äste gerufen, in 18 Fällen waren Keller vollgelaufen und mussten leergepumpt werden. Die Georg-Schumann-Straße glicht eher einem Fluss. In der Nacht habe es zwar noch geregnet, aber die Feuerwehr musste kaum noch wegen des Wetters ausrücken, hieß es weiter. Eine Schadenssumme gab die Polizei bisher nicht bekannt. Die positive Nachricht aus der Feuerwehr-Rettungsleitstelle: Niemand wurde durch das heftige Unwetter am Mittwoch verletzt.

Auch die Teilnehmer eines Fußballcamps beim SG Rotation Leipzig 1950 flüchteten sich rechtzeitig in die Kabinen, teilte der Verein mit. Der Platz an der Delitzscher Straße wurde aber innerhalb Minuten verwüstet. „Der Schaden kann noch nicht beziffert werden, wird aber mit Sicherheit immens sein, da ca. 20 bis 30 Quadratmeter Kunstrasenplatz komplett erneuert werden müssen“, schildert der Verein im LVZ-Sportbuzzer. Da es noch weitere Schäden gebe, bittet der Verein und um Hilfe.

Warnstufe 4 kaum vorherzusagen

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Über dem Norden der Stadt hat sich am 27. Juli 2016 ein heftiges Unwetter entladen. Straßen wurden überspült, zum Teil knickten Äste ab und stürzten Baume um. Straßenbahnen konnten nicht mehr weiterfahren. Foto: Frank Eritt

Wie viel Niederschlag tatsächlich gefallen ist, kann auch der Deutsche Wetterdienst nicht mit Sicherheit sagen. „Unsere Messstationen in der Stadt wurden von dem Niederschlag kaum getroffen“, erklärt Engelmann. Die Meteorologen haben aber Vergleichswerte aus Eilenburg, wo innerhalb von zwei Stunden 55 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sind. „Das dürfte auch in Leipzig punktuell die Größenordnung gewesen sein“, so der Fachmann.

Für die Meteorologen war das lokal begrenzte Extrem-Unwetter der Warnstufe 4 kaum vorherzusehen. Objektiv müsse für diese Lage Niederschläge von mehr als 40 Litern pro Quadratmeter und Stunde gemessen werden oder Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde, so der DWD.

Zwar bekamen Nutzer über die App des DWD, über Katwarn und Nina kurzfristig die Extremwetterlage über Leipzig angezeigt. „Aber manchmal ist es eben so, dass sich die Lage erst über der Stadt entwickelt, dann kann man nur noch reagieren“, so Engelmann.

Von Evelyn ter Vehn

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