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Lokales FC International will dafür sorgen, dass Kinder nicht beschimpft werden
Leipzig Lokales FC International will dafür sorgen, dass Kinder nicht beschimpft werden
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00:18 27.03.2017
Die C-Jugend ist eine der zehn Mannschaften im FC International, der seinem Namen alle Ehre macht. Chefin Ulrike Schlupp (rechts) stammt selbst aus Schönefeld. Quelle: Foto: privat
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Leipzig

Für manche ist der FC International ein rotes Tuch. Doch für aktuell 230 Kinder und Jugendliche aus 40 Nationen ist der Schönefelder Verein ein wichtiger Anker in ihrem sonst nicht gerade einfachen Alltag, sagt Ulrike Schlupp. Die 28-Jährige ist in Schönefeld aufgewachsen und begeisterte Fußballerin, kickte lange selbst als Stürmerin beim SV Post Leipzig. Nach dem Sportstudium absolvierte sie noch ein einjähriges Führungskräfte-Programm beim Deutschen Fußballbund (DFB). Seit August 2016 leitet Schlupp als Geschäftsführerin den FC International.

„Schon zur Gründung vor drei Jahren war Inter zugleich ein soziales Projekt“, erzählt die junge Frau. Da der Einzugsbereich in Schönefeld und dem benachbarten Volkmarsdorf – vor allem rings um die Eisenbahnstraße – liegt, habe sich bald ein sehr großer Bedarf dafür gezeigt. Zum Verständnis: In keinem anderen Leipziger Stadtteil wuchs die Einwohnerzahl in den letzten fünf Jahren so schnell wie in Volkmarsdorf – nämlich um 49 Prozent.

Was mit 40 Kindern begann, sei heute zu zehn Punktspiel-Mannschaften aller Altersklassen angewachsen. „Unser Motto ist: Jeder kann mitmachen. Das gilt auch für einen Jungen mit Behinderungsgrad, der mit aufs Spielfeld geht.“ Allerdings gebe es auch einige besondere Probleme. „Zum Beispiel haben wir bei den Größeren kaum Eltern, die Kinder mit dem Auto zum Auswärtsspiel fahren können. Am wichtigsten ist aber, dass unsere Mannschaften auswärts nicht mehr beschimpft werden. Schon gar nicht die ganz Kleinen, die überhaupt nicht verstehen, weshalb Erwachsene so etwas tun.“ Mit viel Unterstützung – so durch Heike Säuberlich vom Leipziger Fußballverband oder Tom Prager vom Sächsischen Fußball-Verband – habe der Verein jetzt ein Konzept zur Deeskalation entwickelt. So fährt am ersten April-Wochenende eine Abordnung von Spielern und Trainern zum Workshop an die Sportschule Werdau. Dort werden Demokratietrainer vom Landessportbund mit ihnen einüben, wie ein wirksames Konfliktmanagement bei Streit auf oder neben dem Platz, auch bei ausländerfeindlichen Beschimpfungen aussehen kann. „Bei uns spielen viele Kinder, die zuvor in anderen Vereinen rausgeflogen sind. Das betrifft sowohl ausländische als auch deutsche Kinder.“

Um Sprachhürden abzubauen, erhalte der Verein schon Hilfe von Übersetzern, die Leipzigs Flüchtlingsrat vermittelt hat. Antragsformulare oder Rundbriefe an die Eltern können daher zum leichteren Verständnis mehrsprachig abgefasst werden.

Für die schwierige Platzsituation gebe es hoffentlich ebenfalls bald eine Lösung, so Schlupp. Inter stehe einer der vier Fußballplätze in der Sportanlage Mariannenpark zur Verfügung. „Da trainieren täglich drei Mannschaften. Man kann sich leicht vorstellen, wie der Platz nach einigen Regentagen aussieht.“ Für geplante Angebote wie eine Hausaufgaben-Hilfe werde ein dauerhaftes Gebäude in den nächsten Tagen offiziell beantragt. Im Juli nehme Inter erstmals am Gothia-Cup in Schweden teil. Mit 1600 Mannschaften aus 80 Nationen ist dies das größte Jugendfußballturnier der Welt. „Es ist sicher eine Riesenmotivation für unsere Kids, kostet aber 8500 Euro. Ohne unseren Hauptsponsor CG-Gruppe könnten wir an so etwas nicht mal denken.“

Von Jens Rometsch

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