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Facebook-Aktion bringt heimliche DDR-Geschäfte ans Licht

Leipzig-Album Facebook-Aktion bringt heimliche DDR-Geschäfte ans Licht

Um Devisen zu beschaffen, verkaufte Alexander Schalck-Golodkowski im Auftrag der DDR Kunst und Antiquitäten ins westliche Ausland. Darunter waren auch Gaslaternen aus Leipzig. Leser Bernd Heyne fotografierte Ende der 60er durch Zufall einen Stapel für den Abtransport bereitgelegter Lampen.

Zufällig entdeckte Bernd Heyne (r.) Ende der 1960er die zum Abstransport bereitgelegten alten Gaslaternen.

Quelle: Heyne / Haug

Leipzig. Bernd Heyne hatte nichts Böses im Sinn, als er eines Morgens den Hinterhof an der Großen Fleischergasse durch das offenstehende Tor betrat. Alte Straßenlaternen lagen dort übereinandergestapelt herum. Das geschulte Auge des Grafikers sah in den Reihen mit den Lampen ein hübsch anzusehendes Muster. Also drückte der damals noch junge Heyne auf den Auslöser seiner Kamera. Plötzlich trat ein Unbekannter an ihn heran und drohte: Wenn er nicht sofort verschwinde, werde er verprügelt. Heyne zog davon. Erst viel später wurde ihm klar: „Ich war den Geschäften von Alexander Schalck-Golodkowski zu nahe getreten.“

Es war die Arbeit der Kunst und Antiquitäten GmbH, die zum Reich Schalck-Golodkowskis gehörte, wie der Verein Pro-Gaslicht aus Berlin recherchierte. Der Staat versuchte, wertvolle Gegenstände aus Haushaltsauflösungen und Ähnlichem im Westen zu Geld zu machen, darunter auch historische Lampen. „Wir haben Dresdner und Leipziger getroffen, die uns von diesem Handel erzählten. Die Lampen tauchten in Holland wieder auf“, sagt Bettina Raetzer-Grimm vom Verein. Andere seien auch in Westberlin wieder zum Vorschein gekommen.

Bernd Heyne und die heimlichen Devisengeschäfte der DDR – das war eine zufällige Begegnung in der Leipziger Innenstadt der frühen 1970er-Jahre. Der heute 71-Jährige erinnerte sich an die Begebenheit, als die Leipziger Volkszeitung und der Hinstorff-Verlag vor zwei Wochen die Aktion „Leipzig-Album“ starteten. Für das Album werden alte Erinnerungsfotos an die Stadt gesammelt. Die schönsten, interessantesten oder spannendsten Schnappschüsse sollen in einem Buch gedruckt werden, das im Herbst erscheint. Als Bernd Heyne den Aufruf las, hat er das alte Foto aus seinem Archiv herausgesucht.

Nach seinem Studium an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin zog der 24-Jährige 1968 aus Berlin nach Leipzig. Er arbeitete freiberuflich als Gebrauchsgrafiker, gestaltete etwa Messestände oder große Plakate. Heute heißt der Beruf Kommunikationsdesigner. Zusammen mit seiner Frau bekam Heyne eine Wohnung in der Hainstraße 6 zugewiesen, im zweiten Stock. „Sie war in einem sehr schlechten Zustand“, erinnert er sich heute.

Die junge Familie, deren erste Tochter bald geboren wurde, teilte die Wohnung mit einem alten Herren und einem Junggesellen. Für alle drei Parteien gab es nur einen einzigen Wasserhahn auf der Etage, das Wasser selbst war kalt. Im Winter zog es, die Fenster wurden oft von Eisblumen überzogen. In einer Frostperiode schleppte Heyne bis zu 120 Kilo Kohlen aus dem Keller in die Wohnung. Zwei kleine Öfen mit Sichtfenster sorgten für ein bisschen Wärme.

Dafür hatte die Lage ihre Vorteile, erzählt der 71-Jährige. „Es gab alle Geschäfte in der Nähe, etwa das Konsument-Warenhaus am Brühl.“ Der Vitamin-Basar gegenüber der Wohnung bot manchmal, etwa zu den Herbstmessen, schwer zu bekommendes Obst wie Pfirsiche an. Die Bäckerei Goldschmidt im Nachbarhaus sei berühmt gewesen. „Es gab Bienenstich, Zuckerkuchen, Streuselkuchen. Da haben wir uns reichlich bedient“, erzählt er und lacht.

Die Bäckerei gibt es heute nicht mehr. Aber von den historischen Lampen blieben einige Exemplare erhalten. Sie zieren – inzwischen restauriert – wieder die Leipziger Innenstadt.

Clemens Haug

Mitmachen

Senden Sie uns gerne Ihre alten Fotoerinnerungen an Leipzig per E-Mail an lesermarkt@lvz.de (Betreff: „Leipzig Album “) oder per Post an die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG , Vertrieb & Marketing, „Leipzig Album“, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig.

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