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Lokales Fahrer-Notstand bei den LVB - immer mehr Straßenbahnen fallen aus
Leipzig Lokales Fahrer-Notstand bei den LVB - immer mehr Straßenbahnen fallen aus
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23:59 04.07.2014
Fahrlehrer wie Renate Backmann haben viel zu tun, denn bei den LVB werden neue Straßenbahnfahrer wie Mike Gelowik dringend benötigt. Quelle: André Kempner
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Allein am vergangenen Wochenende sind deshalb 29 Kurse ausgefallen - also 29 Fahrzeuge kamen ganztätig nicht zum Einsatz.

Bislang ist das Ausmaß der Probleme weitgehend unbemerkt geblieben. Nur ganz aufmerksame Fahrgäste wie Patrick Nowak aus Grünau haben die Engpässe bemerkt. "Ich saß in einer Straßenbahn, aus der plötzlich alle Fahrgäste aussteigen mussten, obwohl die Bahn gar nicht kaputt war", erzählt der 29-Jährige. "Der Grund war einfach nur, dass der Fahrer Feierabend hatte und es keine Ablösung gab." Die Straßenbahn sei deshalb einfach im nächsten Straßenbahnhof abgestellt worden.

Auch am Hauptbahnhof und am Leuschnerplatz hat Nowak zahlreiche Ausfälle registriert. Weil er ein Fan der Leipziger Straßenbahn ist, fotografiert er dort häufig verschiedene Bahntypen, Linien-Schilder oder andere Details - und vergleicht dabei auch, mit welchen Verspätungen und in welcher Reihenfolge die Fahrzeuge eintreffen. "Mehrere Bahnen der Linien 8, 15, 2, 11 und 1 kommen gar nicht oder sind durch Busse ersetzt", schildert er.

"Es stimmt, wir haben im Betrieb eine mehr als angespannte Situation", räumt LVB-Arbeitsdirektorin Sabine Groner-Weber ein. "Wir ziehen alle Register, um mehr Fahrer einsetzen zu können." Im Unternehmen würden inzwischen Busfahrer in Straßenbahnen eingesetzt; auch Verwaltungsmitarbeiter, die eine Personenbeförderungsberechtigung besitzen, säßen jetzt häufig in Fahrerkabinen. Verstärkt wurde auch die Fahrerausbildung. "Ich würde gerne 20 zusätzliche Fahrer einstellen", meint die Arbeitsdirektorin. Aber der Arbeitsmarkt gebe dies nicht her.

Schuld an der Misere ist aus Sicht der LVB neben der demografischen Entwicklung in der Belegschaft auch ein ungewöhnlich hoher Krankenstand. Verschärft werde die Situation durch zusätzlichen Fahrten, die bei großen Fußballspielen oder Events wie den Museumsnächten erbracht werden müssen.

Dass andere Firmen ebenfalls Fahrer suchen, erschwert die Rekrutierung neuer Mitarbeiter zusätzlich. "Das Geschäft der Speditionsunternehmen boomt", skizziert Groner-Weber die Lage. Spediteure würden deshalb höhere Löhne zahlen, was vor allem jüngere Fahrer anlockt. Auch die Fernbus-Branche werbe um Fahrpersonal.

Bei den Mitarbeitern der LVB sind noch andere Gründe zu hören. Die Löhne des stadteigenen Verkehrsunternehmens seien zu schlecht, hießt es hinter vorgehaltener Hand. Viele Fahrer seien nicht mehr bereit, noch Jahre auf das Erreichen des "Tarifvertrages Nahverkehr Sachsen" zu warten. "Den LVB würde es wesentlich leichter fallen, Fahrpersonal zu finden und zu halten, wenn die Fahrdiensttöchter nicht das Image von Billigfirmen hätten", sagt Ronald Petzold, Vorsitzender des Gemeinschaftsbetriebsrates. "Wenn es eine einheitliche Bezahlung gäbe, die wir seit Jahren fordern, wäre manches leichter."

Dass die Fahrer-Probleme der LVB hausgemacht sind, glaubt auch der Grünauer Straßenbahnfan Patrick Nowak. "Ich habe mich schon fünf Mal um eine Fahrerstelle bei den LVB beworben", berichtet er. "Ich habe immer Absagen bekommen, obwohl absehbar war, dass zahlreiche ältere Fahrer in den Ruhestand gehen."

Jetzt ist die Situation bei den LVB anders: Das Unternehmen fragt offiziell deutschlandweit bei anderen Verkehranbietern an, ob sie ihnen Fahrer leihen können. "Wir bemühen uns auch um Teilzeitkräfte", berichtet Marc Backhaus von der Presseabteilung. Vom Tisch sei aber der Plan, im großen Stil Leipziger Studenten anzuwerben. Aber niemand werde sie ablehnen, wenn sie sich melden würden. Die Personalabteilung hat die Rufnummer

0341 4921860.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.07.2014

Andreas Tappert

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