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Lokales Fahrgastverband macht MDV Beine
Leipzig Lokales Fahrgastverband macht MDV Beine
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09:00 25.03.2017
Die Preisspirale des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes treibt Fahrgäste und Politiker auf die Barrikaden. Statt mehr Subventionen schlägt der Fahrgastverband „Pro Bahn“ jetzt Änderungen im Ticketsortiment vor, um mehr Fahrgäste anzulocken. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig,

Nur noch einen Euro soll das „neue Kurzstreckenticket“ kosten und 15 Minuten gelten – unabhängig von der Haltestellen-Anzahl, die bislang alleiniger Maßstab ist. Und ein völlig neues 30-Minuten-Ticket soll für zwei Euro ebenfalls ins Angebot kommen – als „Zwischenticket“ zum aktuellen Einzelfahrschein, mit dem Fahrgäste aktuell für 2,60 Euro eine Stunde lang im Leipziger Netz unterwegs sein dürfen. Mit diesen Forderungen ging gestern der Fahrgastverband „Pro Bahn“ an die Öffentlichkeit, weil er die zum 1. August geplante Preisanhebung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) abmildern will (die LVZ berichtete). Insbesondere Politiker aus der CDU und der Linkspartei hatten bemängelt, dass der Preis der Kurzstrecke erneut um zehn Cent auf 1,90 Euro angehoben werden soll, obwohl sie nur für vier Haltestellen gilt und die laufende Verkürzung der Haltestellenabstände den Fahrschein ohnehin ständig entwertet.

„Unsere vorgeschlagenen Änderungen an den Einzelfahrkarten würden für viele Fahrgäste die Einstiegshürden senken“, argumentiert Carsten Schulze-Griesbach, Vorstand des Landesverbandes von „Pro Bahn“. „Wir fordern alle Entscheidungs- und Genehmigungsbeteiligten ausdrücklich auf, der jahrelangen Preissteigerungsspirale kein Ende in ferner Zukunft zu versprechen, sondern die jetzige Preiserhöhung nochmals überarbeiten zu lassen.“ Die neuen Tickets würden „deutlich mehr Fahrgastwachstum“ erzeugen sowie den Nahverkehr attraktiver und gerechter machen.

„Pro Bahn“ will Nutzern der neuen Kurzstrecke künftig auch das Umsteigen erlauben, wenn die Gesamtfahrstrecke nicht länger als ein Kilometer ist. Das neue „Zwischenticket“ sollte zonenübergreifendes Fahren erlauben – wenn die maximale Fahrzeit von 30 Minuten nicht überschritten wird. „Der Wunsch nach einer solchen Zwischenstufe wächst, weil angesichts der stetig wachsenden Preise eine ordentliche Gegenleistung gewünscht wird – nämlich eine kleinere verfügbare Einheit, die bei freier Streckenwahl für das gesamte Stadtgebiet gilt“, argumentiert der Verbandsvorsitzende.

Das bisherige 2,60 Euro teure Einzelticket sollte verfügbar bleiben, aber zusätzlich ebenfalls ein zonenübergreifendes Fahren gestatten. Auch beim Angebot von Mehrfahrtenkarten fordert „Pro Bahn“ ein Umsteuern: Solche Käufer sollten wieder Preisvorteile erhalten, heißt es

Der MDV stellt beim Kurzstreckenticket ähnliche Überlegungen an. „Das schauen wir uns aber noch an“, so gestern MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann. Nicht bewerten will Lehmann das vorgeschlagene „Zwischenticket“. „Wir haben ja unser Abo-Flex-Angebot“, sagt er. „Für einen Sockelbetrag von 4,90 Euro im Monat können dort das Einzelticket für 1,80 statt für 2,60 Euro erworben werden und das Kurzstreckenticket für 1,40 statt 1,90 Euro.“

Die Stadtratsfraktion der SPD forderte gestern, im Zuge der Neuaufstellung des Leipziger Nahverkehrsplans Ende diesen Jahres über die mittelfristige Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs zu diskutieren, um die Fahrpreise zu stabilisieren. „Die jährlichen Fahrpreiserhöhungen, die immer deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate liegen, sind mittlerweile ein enormes Ärgernis und verringern zudem die Attraktivität des Nahverkehrs“, so Stadtrat Heiko Oßwald (SPD). SPD-Stadtvorsitzender Hassan Soilihi Mzé wirft der MDV-Spitze eine „Phantomdebatte“ vor. „Um es deutlich zu sagen: Ein sogenanntes Bürgerticket, das alle gleich belastet, unabhängig davon, ob sie den ÖPNV nutzen oder nicht, ist hochgradig ungerecht“, so Soilihi Mzé. Solche alternativen Finanzierungsformen seien rechtlich überhaupt nicht umsetzbar. „Diese Phantomdebatten helfen keinen Zentimeter.“

Von Andreas Tappert

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