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Lokales Fahrradstraßen in Leipzig: Wo sie sind und was sie bringen
Leipzig Lokales Fahrradstraßen in Leipzig: Wo sie sind und was sie bringen
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15:22 23.02.2018
Fahrradstraße vor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. LVZ.de zeigt auf einer intaraktiven Karte, wo sich alle Routen befinden. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

 Viele Leipziger wünschen sich zusätzliche Fahrradstraßen in der Stadt. In einer Online-Umfrage auf LVZ.de sprachen sich bis Freitag 46 Prozent der gut 2600 Teilnehmer für einen Ausbau des Netzes aus. Weitere 19 Prozent befürworten den aktuellen Vorschlag des Jugendparlaments, dass Radler auf vier Straßen im Musikviertel Vorrang haben sollten. Pedalritter genießen auf Fahrradstraßen Vorrang, Autofahrer dürfen diese aber meist mitnutzen, jedoch unter Einschränkungen. 32 Prozent der Teilnehmer des Votings sind der Meinung, dass der Autoverkehr in der Stadt bereits jetzt zu stark ausgebremst wird.

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Das Leipziger Jugendparlament schlägt vor, die Beethovenstraße, die Straße des 17. Juni, die Wächterstraße und die Wilhelm-Seyfferth-Straße in Fahrradstraßen umzuwandeln.

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Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber sie spiegelt ein klares Meinungsbild wider: Etwa zwei Drittel der Befragten wünschen sich mehr Freiheiten für den Radverkehr in Leipzig. In der Messestadt gibt es bislang vier solcher speziellen Radler-Routen. Der Obere Dittrichring in der City wurde 2011 als erste Fahrradstraße ausgewiesen. 2012 kam die Straße des 18. Oktober vor der Deutschen Nationalbibliothek hinzu. 2013 folgte ein weiterer Abschnitt auf der Alten Messe vor dem dort eröffneten Möbelhaus. Im selben Jahr wurde auch die Erich-Thiele-Straße in Lindenthal für Radler ausgewiesen.

Fahrradstraßen in Leipzig: Existierende (blau), geplante (orange) und ADFC-Vorschläge (grau)

Derzeit wird von der Stadtverwaltung eine Ausweitung des Netzes geprüft. Das Jugendparlament hatte Ende Januar im Stadtrat beantragt, dass vier weitere Fahrradstraßen im Musikviertel eingerichtet werden. In der Diskussion sind die Beethovenstraße, Wächterstraße, Wilhelm-Seyfferth-Straße und Straße des 17. Juni. Tausende Radfahrer täglich sind in dem Hochschulviertel vor allem während der Semesterzeit mit dem Rad unterwegs. Der Stadtrat werde voraussichtlich auf seiner April-Sitzung über das Thema abstimmen, teilte das Rathaus auf Anfrage von LVZ.de mit. Bis dahin soll es einen Verwaltungsstandpunkt geben, parallel beraten die zuständigen Ausschüsse.

Der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Leipzig unterstützt die Idee der Jugendpolitiker. „Zwischen Kreisverkehr, Beethovenstraße, Straße des 17. Juni und Härtelstraße würden wir gern das Premiumnetz für den touristischen Radverkehr entwickelt sehen, das sich auch positiv auf den Alltagsradverkehr auswirkt“, sagt Alexander John, der den ADFC in der AG Rad bei der Stadt vertritt. Die diskutierten Trassen seien als Verbindung zwischen dem Clara-Zetkin-Park und der Zentrum-Süd von Bedeutung. In der Wächterstraße und der Wilhelm-Seyfferth-Straße sieht der ADFC jedoch keinen zwingenden Handlungsbedarf, da diese keine „Netzwirkung“ hätten.

Für Autofahrer tabu: Die Fahrradstraße am Oberen Dittrichring darf teilweise nicht von Pkw befahren werden. Dies ist nur dann möglich, wenn es mit einem zusätzlichen Schild erlaubt wird.  Quelle: Andre Kempner

Viele Autofahrer ignorieren Fahrradstraßen

Die praktischen Erfahrungen der vergangenen Jahre seien gemischt, räumt John ein. „In der Innenstadt funktionieren die Fahrradstraßen relativ schlecht“, konstatiert der ADFC-Experte. Vielen Autofahrern sei das 1997 eingeführte Verkehrsschild gar nicht bekannt oder sie würden es schlicht ignorieren. Nur wenige Autofahrer wüssten, dass sie die Fahrradstraße mit dem Auto nur befahren dürfen, wenn ein Zusatzzeichen das ausdrücklich erlaubt. Geahndet werden Verstöße aber kaum – beispielweise auf dem Dittrichring an der Thomaskirche, wo das Autofahren in Richtung Norden tabu ist. „Die Polizei lehnt aus Mangel an Personal Verkehrskontrollen ab, wenn keine Unfallschwerpunkte vorliegen“, berichtet der ADFC.

Was ist eine Fahrradstraße?

In Deutschland wurden Fahrradstraßen 1997 mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) eingeführt, um die Attraktivität des Radverkehrs zu steigern. Seitdem haben viele deutsche Großstädte ihr Straßennetz angepasst. München wirbt damit, die meisten Fahrradstraßen in Deutschland zu haben – derzeit insgesamt 61 mit 27 Kilometern Länge. Die Fahrradstraße bezieht sich auf die gesamte Fahrbahn. Pedalritter bestimmen hier das Tempo, dürfen nebeneinander fahren und nur vorsichtig von Autos überholt werden – wenn Pkw die Straße überhaupt befahren dürfen. Dies muss stets per Zusatzschild signalisiert werden. Generell gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde.

Es gibt aber auch positive Seiten: „In den meisten Fällen führen Fahrradstraßen zu einer höheren Nutzung des Fahrrades, zudem erfolgt meist eine Bündelung des Radverkehrs auf den Fahrradstraßen“, erklärt John. Von den bisher eingerichteten Trassen sei allerdings nur die vor der Deutschen Nationalbibliothek von größerer Bedeutung. „Hier kann man erst seit der Beschilderung als Fahrradstraße legal von beiden Seiten zur Bibliothek fahren und muss nicht mehr eine Ehrenrunde um den Platz drehen, wenn man von Westen kommt.“ Auch dort, wo Poller dafür sorgen, dass Autos die Fahrradstraße nicht befahren dürfen, funktionieren die Fahrradstraßen „relativ gut“, bestätigt der ADFC-Fachmann. Dies ist beispielsweise auf der Alten Messe der Fall.

Hier könnten weitere Fahrradstraßen entstehen

Trotz der Probleme hat der ADFC bereits weitere Vorschläge für Fahrradstraßen erarbeitet. Als Beispiele nennt John die Nonnenstraße (Schleußig), die Liebigstraße (Zentrum-Südost), die Albrechtshainer Straße (Mölkau/Stötteritz), die Industriestraße westlich der Zschocherschen Straße (Plagwitz), den Kantatenweg (Kleinzschocher), die Rosenowstraße (Mockau) sowie den Straßenzug Kirschberg-, Möckernsche-, Berggartenstraße (Gohlis).

An anderer Stelle sind die Planungen im Rathaus schon fortgeschrittener. Die Stadt beteiligt sich in der Naunhofer Straße in Stötteritz am bundesweiten Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt). „In diesem Zusammenhang werden Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, darunter die Ausweisung der Naunhofer Straße als Fahrradstraße – gegebenenfalls in Teilabschnitten – geprüft“, teilt das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau auf Anfrage von LVZ.de mit. Wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, ist offen.

Stadt will vor allem Fahrradstreifen ausbauen

Den Schwerpunkt beim Ausbau des Radfahrnetzes sieht die Stadt derzeit allerdings weniger bei Fahrradstraßen. Die Verwaltung setzt eher darauf, zusätzliche Radfahr- und Schutzstreifen auf Hauptstraßen einzurichten. „Hier konnten allein im Jahr 2017 in weiteren 13 Straßenabschnitten die Bedingungen für den Radverkehr entscheidend verbessert werden, darunter in der Oststraße, Volksgartenstraße, Schönbachstraße, Holzhäuser Straße, Johannisallee, Arno-Nitzsche-Straße, Mölkauer Straße und Georg-Schuhmann-Straße“, heißt es aus dem Baudezernat. Für 2018 seien weitere Maßnahmen im Hauptstraßennetz geplant, um den Radverkehr attraktiver zu machen und sicherer durch die Stadt zu führen.

Von Robert Nößler

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