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Fahrräder für die Mobilität von morgen - Leipziger bauen Räder für Lastentransport

Fahrräder für die Mobilität von morgen - Leipziger bauen Räder für Lastentransport

Leipzig ist die Stadt der Fahrräder. Es gibt alte, neue, bunte, verrostete - sowie selbstgemachte Lastenräder. Und die haben es Juliana Klengel angetan. Deshalb lud die 28-Jährige zusammen mit Organisator Christoph Janasik zum Lastenrad-Bauworkshop in die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt "Radhaus" nach Lindenau ein.

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Schrauben für die Mobilität: Lena Schmidt, Philip Müller, Arne Meyer, Paul Müller und Paul Wagner (von links) bauen an einem Lastenfahrrad.

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Wir bauen Fahrzeuge für die Mobilität von morgen", sagt Juliana Klengel, die beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) arbeitet. Auf dem abgenutzten Holzboden in der Mitte des Raumes liegt ein schwarzer Rahmen: das Projekt des Workshops. Dieses Gestell soll zum Lastendreirad "Siebfreak" werden. 1,30 Meter breit, soll das nach seiner Fertigstellung 200 Kilogramm transportieren können. Die offene Siebdruckwerkstatt Leipzig "Offensive" möchte das Lastenrad mit ausklappbaren Tischen dann zu einer mobilen Druckstation machen. "Man ist mit dem Rad viel flexibler", erklärt Klengel, "und kann auch dorthin, wo Autos nicht hin dürfen". Da es mit seiner Breite für die Fahrradwege von morgen konzipiert sei, müsse der Fahrer das Gefährt dieser Tage allerdings noch selbstbewusst durch den Straßenverkehr bringen. "Es ist schon ein bisschen anders, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran".

Ohne Auto größere Dinge durch die Stadt transportieren - das will auch Tino Leonhardt. "Es nervt mich, dass ich dafür immer ein Auto mieten muss." Das Lastenrad ist für den 30-Jährigen die perfekte Lösung: "Ich bin unabhängig, flexibel und es ist kostengünstig". Er ist extra aus Halle angereist, um beim kostenlosen Bastelworkshop vom "Kollektiv Lastenrad Leipzig" (Kolara) Tipps und Ideen zu sammeln. Er ist einer von zwei Neulingen, die an dem Workshop teilnehmen. Die anderen Personen, die fachsimpelnd um den Rahmen knien, sind schon länger in der Lastenrad-Szene Leipzigs und kennen sich aus.

Kolara bietet verschiedene Lastenräder zum Verleih an, etwa "Ben Hur", das 150 Kilogramm trägt oder das "Krokodil" mit etwa 80 Kilogramm. "Die Leute, die uns schon kennen, fragen ständig", erzählt Klengel, aber auch sonst spreche sich das vor einem Jahr gestartete Projekt mittlerweile herum.

Im September bietet Kolara wieder einen Workshop an - dann zum Schweißen. Das erklärte Ziel der Initiative ist es, Lastenräder im Alltag präsenter zu machen. Vorbilder des Kollektivs sind etwa Wien und Berlin mit sehr aktiven Lastenrad-Szenen. Aber auch in Leipzig fahren bereits viele Exemplare durch die Stadt, die wenigsten davon sind allerdings selbst gemacht. Zu den bekanntesten gehört das Kaffee-Fahrrad, das oft an der Sachsenbrücke im Clara-Zetkin-Park steht. "Leipzig ist geografisch die optimale Stadt für diesen neuen Trend: schön flach", sagt Klengel. Auch das Internetportal Google Trends, das die Häufigkeit der Suche nach einem bestimmten Begriff analysiert, bestätigt die Popularität des Lastenrads. Das höchste Suchinteresse wurde im April und Juli dieses Jahres gemessen.

Christoph Janasik kniet mit anderen um den schwarzen Rahmen, der ursprünglich zu einem Krankenhausbett gehörte. Etwa 35 Stunden kostet es, den Rahmen, und damit das Grundgerüst des Lastenrads, zusammenzubauen. "Geld dafür ausgeben, das kann jeder", sagt Janasik. "Es geht hier nicht um Tempo. Es geht darum, es selber zu machen und dabei auch zu verstehen."

So seien die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt und die Treffen des Kolara auch ein sozialer Raum, wo sich Leute träfen, um ihre Fertigkeiten und Erfahrungen auszutauschen. Die Kernidee ist dabei das Recycling. "Siebfreak" ist komplett selber zusammengeschweißt und fast alle Materialien sind recycelt. "Da findet sich immer genug, vor allem beim Schrotthandel und in Abbruchhäusern", sagt Klengel. "Die Leute, die hierher kommen, wollen kein teures Lastenrad für 2500 Euro kaufen."

Der "Siebfreak" wird bei seiner Fertigstellung etwa 400 Euro gekostet haben - im Vergleich zu einem Auto sehr wenig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.07.2013

Sofia Dreisbach

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