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Lokales Fahrschein falsch gelesen - Grünauerin erlebt Odyssee
Leipzig Lokales Fahrschein falsch gelesen - Grünauerin erlebt Odyssee
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14:26 19.05.2015

"Den Fahrschein leiste ich mir, weil ich damit ab 17 Uhr meine Enkel mitnehmen kann", sagt die 63-jährige gelernte Finanzkauffrau. Außerdem kann sie diese Karte auch jemand anderem übertragen - meistens jedenfalls. Denn die Kontrolleure in der Leipziger S-Bahn haben das Ticket jüngst nicht akzeptiert - und seitdem hat die Grünauerin jede Menge Ärger.

Der fing an, kurz nachdem sie ihre Abo-Karte ihrer Tochter gegeben hatte, die am 7. Oktober mit der S-Bahn von Gohlis nach Grünau fahren wollte. Auf dieser Fahrt wurde die Tochter kontrolliert und der Abo-Fahrschein als ungültig zurückgewiesen. "Wir wissen bis heute nicht, warum der Fahrschein nicht gültig sein soll", erzählt sie. "Vielleicht war nur das Lesegerät des Kontrolleurs defekt." Ihre Tochter soll jetzt 40 Euro Strafe zahlen plus 2,40 Euro für einen Ersatzfahrschein. Seitdem hängt der familiäre Haussegen schief.

Dass ihr Ticket trotz der Strafe gültig ist, erfuhr die Grünauerin, als sie einen Tag später das LVB-Servicecenter an der Petersstraße aufsuchte. Doch der Strafzettel mit der 42,40-Euro-Forderung wurde dort nicht storniert. Denn ihre Tochter war von einem Kontrolleur der Deutschen Bahn überprüft worden und für den sind die LVB nicht zuständig. "Da müssen sie ins Reisecenter der Bahn im Hauptbahnhof gehen", wurde ihr beschieden. Die LVB-Mitarbeiter gaben ihr nur eine Bescheinigung mit, auf der steht, dass ihre Abo-Karte gültig ist.

Im Reisecenter der Bahn war der Andrang groß. "Ich musste eine Nummer ziehen und 20 Minuten warten, bis ich meine Abo-Karte vorzeigen konnte", berichtet Kießig. Dann akzeptierte ein Bahn-Computer zunächst wieder nicht die Abo-Karte der LVB; ein zweiter Versuch hatte Erfolg. Doch ihren Bußgeldzettel mit der 42,40-Euro-Forderung wurde die Grünauerin dort wieder nicht los. "Dafür sind wir nicht zu ständig", hieß es. Sie müsse den Strafzettel und die Bestätigung der Gültigkeit ihrer Fahrkarte nach Baden-Baden schicken und dort um eine Anerkennung bitten.

Die Grünauerin versteht seitdem die Welt nicht mehr. "Ich habe doch nichts mit Baden-Baden zu tun", sagt sie. "Ich habe mein Ticket bei den LVB in Leipzig gekauft - da muss ich doch auch in Leipzig meine Angelegenheit klären können." Sie sehe auch nicht ein, dass sie sich noch eine 60-Cent-Marke besorgt und ein Schreiben verfasst, obwohl sie ungerechtfertigt bestraft wurde. "Mich regt auf, dass sich niemand für diese Panne verantwortlich fühlt", sagt Kießig. "Ich soll die Bahn um etwas bitten, obwohl ihr Kontrolleur etwas falsch gemacht hat. Die Bahn sollte sich bei mir entschuldigen - für die vielen Rennereien, die ich hatte."

Beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) heißt es, dass die Deutsche Bahn ein bundesweit agierendes Unternehmen ist. "Es ist nachvollziehbar, dass die Bahn das anfallende erhöhte Beförderungsentgelt zentral bearbeitet und dafür nicht in jeder Stadt eine Stelle eröffnet", sagt MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann. Auf den Bescheiden seien auch E-Mail-Adresse und Telefonnummer der Zentralstelle in Baden-Baden angegeben, mit denen sich der Aufwand begrenzen lasse. "Wenn es dann immer noch Probleme gibt, nehmen sich bei Abo-Fahrscheinen die Aussteller dieser Tickets der Sache an", so der MDV-Chef. Dies sei intern so geregelt und auch praktikabel, weil es selten Probleme mit den Abo-Karten gebe. Wenn die Grünauerin Brigitte Kießig Probleme in Baden-Baden haben sollte, gelte dies natürlich auch für sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Andreas Tappert

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