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Lokales Fairbund wird 20 Jahre alt: Leipziger Verein wächst weiter
Leipzig Lokales Fairbund wird 20 Jahre alt: Leipziger Verein wächst weiter
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20:27 30.06.2013
Silke Hirschfeld vom Verein Fairbund. Quelle: Privat

Begonnen hat der Verein seine Arbeit unter dem Namen "Straffälligenhilfe" 1993 mit einem Projekt für straffällige Jugendliche. "Wir wollten damit vermeiden, dass diese Jugendlichen in Untersuchungshaft gehen müssen", beschreibt Silke Hirschfeld, Verantwortliche für die Pressearbeit des Vereins. Nach einem ersten Wohnprojekt konnte ein zweites 1995 auf den Weg gebracht werden.

Hinzu kam 1998 ein familienorientiertes Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren. "Acht Kinder können in der Wohngemeinschaft in der Erich-Zeigner-Allee aufgenommen werden. Sie kommen zum Großteil aus krisenhaften Familien, die ihrem Erziehungsauftrag vorübergehend nicht gerecht werden können", berichtet Hirschfeld. Die Dauer des Aufenthaltes wird individuell geregelt und richtet sich nach dem konkreten Hilfebedarf. 1998 erfolgte dann die Umbenennung des Vereins in "Fairbund für erzieherische Hilfen" und seit 2002 wird er nur noch als "Fairbund" geführt.

Neben dem Wohnprojekt hält der Verein ein familienunterstützendes Angebot bereit: die Tagesgruppe. In der Kohlgartenstraße werden derzeit neun Kinder zwischen 6 und 14 Jahren betreut. "Die Zeit nach der Schule bis zum späten Nachmittag verbringen sie in der Tagesgruppe. Gemeinsam mit ihren Betreuern kochen sie, erhalten Lernhilfe, nutzen die Spiel- und Kreativangebote, treffen sich zu Gesprächsrunden und übernehmen organisatorische Aufgaben", klärt Hirschfeld auf. Darüber hinaus werden die Familien durch regelmäßige Eltern-Kind-Angebote intensiv in die Arbeit einbezogen.

Des Weiteren können beim Verein "Ambulante Familienhilfen" in Anspruch genommen werden. "Dazu gehen geschulte Familienhelfer direkt in die Familien und schauen, wie sie die Betroffenen unterstützen, ihr Umfeld stärken und Krisen entgegenwirken können", so Hirschfeld. Seit 2003 übernimmt Fairbund auch die Führung von Vormundschaften für minderjährige Kinder, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde. "Dabei übernehmen Sozialpädagogen die gesetzliche Vertretung der Kinder oder Jugendlichen und sichern deren rechtliche Ansprüche." Derzeit ist der Verein gesetzlicher Vertreter von circa 270 Kindern. "Wir waren damals der erste freie Träger in Sachsen, der in diesem Bereich tätig wurde."

Zudem betrat der Verein 2003 weiteres Neuland und übernahm zwei Kitas von der Stadt Leipzig. "Für uns war das eine ganz neue, aber spannende Aufgabe", erinnert sich Hirschfeld. 2005 kamen zwei weitere dazu und im nächsten Jahr eröffnet der Verein eine weitere Kita in der Goyastraße. "In diesem Bereich haben wir uns einen guten Namen gemacht. Jede Kita hat ihr ganz eigenes Profil entwickelt. So können Eltern sich nun gezielter entscheiden." Die Kitas in der Erich-Zeigner-Allee haben sich außerdem zum Kinder- und Familienzentrum entwickelt, um auch Angebote für den Stadtteil zu schaffen.

Aus der langjährigen Arbeit auf dem Gebiet "Hilfen zur Erziehung" entstand 2005 die Familienbildung. "Wir wollen mit einfachen Mitteln sozialschwachen Eltern helfen, ihre Kinder gut und richtig zu behandeln. Dazu haben wir Elternbildungskurse ins Leben gerufen, die sich mit verschiedenen Themen beschäftigen." Der zwölfwöchige Kurs wird von der Stadt Leipzig gefördert und anerkannt. In diesem Bereich musste Fairbund einen langen Atem beweisen. "Es war ein schwieriger Anfang, da die Eltern schwer erreichbar sind. Aber nun haben sie das Angebot angenommen und sind dankbar zu wissen, dass sie sich immer an uns wenden können, egal mit welchem Problem", ist Hirschfeld stolz. Nun wird das Konzept des Kurses innerhalb von Sachsen angeboten und es werden überregional Elternkursleiter geschult.

Seit 2005 bietet der Fairbund europäische Austauschprojekte an. "Ziel ist es, jungen Menschen aus Europa über die Programme 'Europäischer Freiwilligendienst' und 'Leonardo da Vinci' einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen."

Seit vergangenem Jahr wird stark am Thema Schulsozialarbeit gearbeitet. "An drei Leipziger Grundschulen sind unsere Sozialarbeiter tätig und unterstützen Lehrer, Schüler und Eltern bei der Bewältigung individueller Probleme." Allerdings laufe dafür in diesem Jahr die Förderung aus. "Was sehr schade ist, da gerade Vertrauen aufgebaut wurde und erste Erfolge erzielt werden konnten. Wir hoffen auf eine weiterführende Finanzierung der Stadt", betont Hirschfeld.

Immer mehr Bereiche haben die Arbeit des Vereins bereichert. "Wir können einfach nicht aufhören zu wachsen", fügt Hirschfeld mit einem Lächeln an. Dazu zählt die Presseverantwortliche auch die Projekte in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. "Wir bieten Vorlesestunden in unseren Kitas an, schicken unsere 'Wellcome-Engel' in Familien mit Neugeborenen und haben den interkulturellen Kontaktkreis 'Inkonta' für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ins Leben gerufen." Was jetzt noch fehlt, sei eine Beratungsstelle als fester Anlaufpunkt. Und es gibt noch weitere Konzepte, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden.

Im Rahmen des 20-jährigen Bestehens wird es unter anderem am 20. September von 9 bis 16 Uhr einen Fachtag zum Thema "Lernen braucht Beziehung" geben. Vorträge und Workshops setzen sich mit Ansätzen und Konzepten für Familien auseinander. Die Spendenaktion "2013x20" soll eine finanzielle Rücklage für bestehende Projekte bilden. "Wir werden zum Beispiel einen Sozialfonds für Kinder und Jugendliche einrichten und verschiedene Projekte für Familien sowie Baumaßnahmen vorantreiben." Wer spenden möchte, kann dies tun unter dem Stichwort 2013x20 bei der Bank für Sozialwirtschaft, Kontonummer 3518001, Bankleitzahl 86020500. Internet: www.verein-fairbund.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.07.2013

Nannette Hoffmann

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