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Fairer Handel wird in Leipzig groß geschrieben – zum Sieg reicht’s nicht

Ökofete Fairer Handel wird in Leipzig groß geschrieben – zum Sieg reicht’s nicht

Riesenandrang bei der Ökofete am Sonntag im Clara-Zetkin-Park. Auf dem mittlerweile größten Umweltfest Mitteldeutschlands, das der Leipziger Umweltbund Ökolöwe organisiert, gab es etliche fair gehandelte Produkte zu kaufen. „Leipzig ist eine sehr bewusste und aufgeschlossene Stadt“, sagte Sven Lange vom Eine-Welt-Verein.

Die Ökofete im Clara-Zetkin-Park.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Jene Produkte, die in der eigenen Region angebaut werden, sind wohl am umweltverträglichsten. Da ist klar, wer sie hergestellt hat und unter welchen Bedingungen. Viele Leipziger kaufen bewusster ein. Bio- und Frische-Märkte boomen. Das war auch ein Thema auf der Ökofete, die gestern wieder tausende Besucher in den Clara-Zetkin-Park zog. Auf dem mittlerweile größten Umweltfest Mitteldeutschlands, das der Leipziger Umweltbund Ökolöwe organisiert, gab es etliche fair gehandelte Produkte zu kaufen. Leipzig wollte ja 2015 „Hauptstadt des fairen Handels“ werden. Daraus geworden ist allerdings nichts: Saarbrücken hat sich beim jüngsten Wettbewerb den Titel vor Bad Boll (Baden-Württemberg) und Neumarkt in der Oberpfalz geholt. Leipzig bekam, gemeinsam mit Dortmund, zumindest einen vierten Platz.

Seitdem ist es um den fairen Handel ein wenig stiller geworden. „Gescheitert sind wir dennoch nicht. Es ist die erste Bewerbung, die wir auf den Weg gebracht haben. Wir haben ein Preisgeld von 12.500 Euro bekommen, das wir einsetzen können, um das Thema zu forcieren“, sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Insofern sei Leipzig „gut gestartet“.

 Doch ist fairer Handel nicht eher ein Nischenthema? „Durch bewussten Einkauf können wir viel bewirken. Gerade Bauern müssen von ihren Produkten leben können. Das gilt für die deutschen Milchbauern ebenso wie für die Kaffeepflücker in Lateinamerika“, findet Studentin Grit Sommer, die sich beispielsweise gern den Leipziger Partnerschaftskaffee schmecken lässt. Der stammt aus dem Anbaugebiet Sidamo im Süden Äthiopiens. Wer gerecht bezahlt wird für seine Arbeit und Produkte, betont sie, sieht in seiner Heimat eine Perspektive und bleibt auch dort.

Swen Etz hat sich auf den Handel mit Kunsthandwerk aus Kolumbien unter dem Label „Barachalà“ spezialisiert. Er bezieht neben Molas, aufwendigen Applikationen, die die Kuna-Frauen fertigen und tragen, auch handgefertigten Schmuck. Der wird von Künstlern und kleinen Werkstätten, die Frauen ausbilden und langfristig beschäftigen, produziert. „Auf der Ökofete gibt es dafür ein sehr interessiertes Publikum, ebenso bei Musikfestivals. Da ist fairer Handel kein Nischenthema“, erklärt der 39-Jährige. Der Plagwitzer ist aber beispielsweise auch auf den Leipziger Markttagen zu finden. „Fairer Handel ist wichtig, das ist vielen Leuten bewusst, die auch das Gespräch mit mir darüber suchen.“ Diese Erfahrung hat Sven Lange vom Eine-Welt-Verein Connewitz ebenfalls gemacht. „Natürlich sind fair gehandelte Produkte ein Nischenprodukt. Geht ja gar nicht anders, weil sie nicht großindustriell vermarktet werden, wenn sie aus kleinen Betrieben stammen. Doch die Nische wird immer größer“, sagt Lange. „Leipzig ist eine sehr bewusste und aufgeschlossene Stadt.“ Das bestätigt Unternehmer Malte Reupert, der in Connewitz, der Südvorstadt sowie Plagwitz Biomare betreibt. „Die Glaubwürdigkeit der einzelnen Labels muss jeder Kunde freilich selbst hinterfragen, das nimmt ihm keiner ab.“

Geschäftsführer Nico Singer von den Ökolöwen: „Der Einstieg zum fairen Handel ist in Leipzig geschafft. Das ist ein Zeichen für den Markt, der sich darauf einstellt.“ So sei auf der Ökofete der Anteil von bio- und fair gehandelten Produkten Jahr für Jahr kontinuierlich gestiegen. Ein Einkaufsführer biete da Tipps. Die Stadt will die Entwicklung „Leipzig handelt fair“ befördern. „Die Kampagne geht weiter. 2017, spätestens 2019, wollen wir uns wieder als Hauptstadt des fairen Handels bewerben“, sagt Umweltbürgermeister Rosenthal. Dies könne aber nicht wie bisher nur auf ehrenamtlicher Basis erfolgen. Dazu seien Strukturen zu stärken, der Verein Eine Welt solle – gefördert durch das Preisgeld der letzten Bewerbung – personell verstärkt werden. Leipzig habe zudem ein Förderbudget von 10.000 Euro bereitgestellt. „Auch Handel und Discounter entdecken das Thema. Die Community, die fair gehandelte Produkte anbietet, wächst ständig.“

„Nachhaltig leben, fair einkaufen in Leipzig“ sind zwei Stadtrundgänge am Dienstag, 14. Juni, überschrieben. Treffpunkt ist um 12 und 17 Uhr auf dem Richard-Wagner-Platz am Pusteblumenspringbrunnen.

Von Mathias Orbeck

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