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Lokales Falschparker auf Radwegen und Hindernisse im Leipziger Zentrum - Radverkehrsbericht liegt vor
Leipzig Lokales Falschparker auf Radwegen und Hindernisse im Leipziger Zentrum - Radverkehrsbericht liegt vor
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21:14 10.01.2014
Radfahrerin auf der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Neben den neuesten, verfügbaren Zahlen zum Aufkommen und Investitionen zeigt das Papier auch Entwicklungspotenziale und zukünftige Maßnahmen auf.

Gut jeder dritte Leipziger nutzt sein Rad fast täglich. Auch die Zahl der zurückgelegten Wege auf dem Drahtesel stieg im Vergleich zu 2008 um 20 Prozent an. Bald jeder vierte Bürger fährt mit dem Rad zur Arbeit (23 Prozent). Auffällig dabei ist: Im Bereich der Leipziger Innenstadt sinkt diese Zahl auf nur noch 15 Prozent. Ein Problem, dass nicht nur die Stadt ausgemacht hat.

Vor allem fehlende Stellplätze und die Situation am Innenstadtring seien ein Ärgernis, erklärte Tino Supplies vom Verein Ökolöwen Leipzig. „Die Situation am Ring ist aus Radverkehrssicht untragbar.“ Radler seien gezwungen, permanent die Straßenseite zu wechseln, müssten dabei immer wieder an Ampeln warten. Ein zügiges Vorankommen ist dadurch für Radfahrer im Leipziger Zentrum kaum möglich, unterstützt Alexander John vom ADFC Leipzig.

Sowohl Ökolöwe als auch ADFC plädieren dafür, den Ring für Radler freizugeben. „Ab 2016 könnte es so weit sein“, zeigt sich John überzeugt. Die Ergebnisse des von der Stadt ausgerufenen Bürgerwettbewerbs und eine langjährige Diskussion würden nun in der Verwaltung ein Nachdenken bewirken. Für Radfahrer sollte eine separate Spur auf dem Promenadenring abgetrennt werden, wirbt Supplies.

Radstreifen auf Straßen statt separater Radwege als kostengünstige und sichere Lösung

Abgetrennte Radstreifen sind für Radler sicherer, da sie so von Autofahrern besser gesehen werden können. Quelle: Andreas Döring

Eine Maßnahme, die sich in Leipzig bewährt hat, wie auch die Stadt hervorhebt: „Durch Radfahrstreifen können preiswerte und vor allem sichere Radverkehrsanlagen eingerichtet werden.“ 2012 entstanden so 9,2 Kilometer zusätzlicher Radwege auf Leipzigs Straßen. „Das trägt nicht nur zur Sicherheit bei“, so John, „sondern auch zu einem besseren Verkehrsklima und einer generellen Entschleunigung, wie das Beispiel Georg-Schumann-Straße zeigt.“ Auch belasten die Markierungen den Haushalt Leipzigs weit weniger stark: Einen Radweg neu zu bauen kostet etwa das 6,5-fache einer Fahrbahnmarkierung. Ein Kilometer schlägt mit etwa 60.000 Euro zu Buche, ein separater Radweg hingegen mit etwa 390.000 Euro.

Insgesamt investierte die Stadt im Jahr 2012 etwa 3,47 Millionen Euro allein in den Ausbau der städtischen Fahrrad-Infrastruktur. Pro Kopf entspricht das einem Betrag von 6,65 Euro – weit über dem Ziel von 5 Euro, welches die Planung vorsieht. Diese Zahlen seien mit Vorsicht zu genießen, heißt es seitens des ADFC. So sei ein gut 570 Meter langer Weg an der Alten Tauchaer Straße zwar als Radweg abgerechnet worden, stehe aber bloß als Fußweg und damit nur Radfahrern bis 10 Jahren zur Verfügung.

Nur noch 800.000 Euro für die Fahrrad-Infrastruktur

In diesem Jahr stehen im Haushalt lediglich 800.000 Euro für den Radverkehr zur Verfügung. Das Geld soll insbesondere in Projekte entlang der Prof.-Andreas-Schubert-Straße zwischen Borsdorf und Sommerfeld fließen sowie in Radwege in der Grund-, Dieskau-, Muldental-Straße sowie der August-Knauer-Straße. Zum Vergleich: Für sämtliche Projekte der Verkehrsinfrastruktur sieht der städtische Haushalt 31 Millionen Euro vor.

„800.000 Euro sind bei weitem nicht ausreichend“, kritisiert Tino Supplies. Der Autoverkehr würde weit stärker gefördert. Nach seiner Ansicht seien Umschichtungen im Haushalt nötig. Profitieren sollten vor allem Fußgänger, Radfahrer und der Öffentliche Nahverkehr. Alexander John vom ADFC ergänzt: „Die Förderung des Radverkehrs muss nicht teuer sein. Wichtig ist, dass das Geld richtig eingesetzt wird.“

Dazu ist ein schlüssiges Gesamtkonzept von Nöten. Zwar existiert bereits ein Radverkehrsentwicklungsplan für den Zeitraum 2010 bis 2020, an einem Netzplan für Radwege wird aber noch gearbeitet. Bislang orientierte sich das Netz noch sehr kleinräumig im Rahmen der Stadtteilentwicklungspläne. Diese einzelnen Schwerpunkte sollen nun miteinander verbunden werden. „Wie bei Bussen und Straßenbahnen brauchen auch Radwege einen ordentlichen Netzplan“, fordert John. Er sei jedoch zuversichtlich: Die Stadt arbeite intensiv daran. Spätestens im Sommer sollten Ergebnisse vorliegen, um die bestehenden 407 Kilometer Radwege in der Stadt zu verbinden.

Ignorante Autofahrer gefährden Radler in Leipzig

Zugeparkte Bürgersteige und Radwege sind in Schleußig schon länger ein Problem. Bei den Autofahrern müsse vor allem ein Bewusstsein dafür entstehen, dass ihr Verhalten schwächere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Quelle: André Kempner

Auch an anderer Stelle sehen sowohl Stadtverwaltung als auch ADFC und Ökolöwe Nachbesserungsbedarf. Ein drängendes Problem sind Autofahrer, die Radwege rücksichtslos und ordnungswidrig zuparken. Im Radverkehrsbericht heißt es dazu: „Aufgrund der geringen Hemmschwelle zum Falschparken sind Radverkehrsanlagen häufig durch abgestellte Kraftfahrzeuge nicht nutzbar.“ Dies würde nicht nur die Qualität der Anlagen sondern auch die Gesundheit der Radfahrer gefährden.

„Hier muss die Kontrolldichte deutlich erhöht werden“, fordert der Ökolöwe. Der ADFC wirft der Stadt ein „sehr merkwürdiges, nicht nachvollziehbares Konzept“ bei der Ahndung von Parkverstößen vor. Wichtig sei es, bei den Autofahrern ein Bewusstsein zu schaffen, aber auch der Kontrolldruck durch das Ordnungsamt müsse erhöht werden. Im Haushalt 2014 sind 20 zusätzliche Stellen für Politessen geplant.

Auch wenn durch die Stadt 2012 insgesamt 287 Fahrradbügel aufgestellt wurden, und durch Dritte weitere 82, gebe es Nachholbedarf Stellplätzen. „Fehlende Möglichkeiten, sein Fahrrad sicher abzuschließen, tragen mit dazu bei, dass in Leipzig so viele Räder geklaut werden“, zeigt sich John vom ADFC überzeugt. Auch beim Winterdienst auf den Radwegen muss nachgebessert werden. Derzeit arbeite die Stadt an einem Konzept, dieses werde aber nicht vor November 2014 fertig werden, so John. Auch sei die Finanzierung etwaiger Maßnahmen ist noch nicht geklärt.

Johannes Angermann

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