Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Familienserie: Für den Vater Nico Geisler ist der Tag oft nicht lang genug
Leipzig Lokales Familienserie: Für den Vater Nico Geisler ist der Tag oft nicht lang genug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 20.09.2013
Sandra May, Nico Geisler und Sohn Ben. Quelle: André Kempner

Seit einem Dreivierteljahr wohnen der Sohnemann, seine Mutter (28 Jahre) und Vater Nico Geisler (29) in Zweenfurth. Der 1140-Seelen-Ort zählt zur Gemeinde Borsdorf vor den Toren von Leipzig. "Wir haben bestimmt ein Jahr gesucht, bis wir hier die passenden vier Zimmer gefunden haben", sagt Sandra May. Fast hätte die Familie die Suche aufgegeben. "In der Georg-Schumann-Straße in Leipzig gibt es zwar Wohnungen wie Sand am Meer -", schildert die Mutter. "- aber für uns ist Zweenfurth schon Stadt", vollendet Nico Geisler feixend.

In der Stadt selbst geht Bens Papa seiner Arbeit als Angestellter in der Automobilindustrie nach. Zuvor waren die drei im mittelsächsischen Mittweida zu Hause. 80 Kilometer fuhr Geisler jeden Tag zum Arbeitsplatz. Einfache Fahrt. "Ich hatte kaum etwas von Ben", so der Vater. Also entschied sich der Familienrat für einen Umzug. Zu dem Preis, dass auf die Nähe zum Netzwerk Verwandtschaft die meiste Zeit verzichtet werden muss.

Der Löwenanteil Betreuung wird Bens Eltern von der Borsdorfer Kindertagesstätte "Apfelkörbchen" abgenommen. Der Nachwuchs hat dort einen sicheren Platz, bis er eingeschult werden kann. "Ohne Kindergarten wüsste ich nicht, wie ich arbeiten sollte", sagt Sandra May, die beruflich auf zwei Beinen steht. Die ausgebildete, selbstständige Mediengestalterin bedient einerseits Kunden mit Logo- gestaltungen, Fahrzeugbeschriftungen und Textildruck. Andererseits baut Sandra May momentan einen eigenen Online-Shop namens "Print4kids" auf, über den sie selbstkreierte Mode für Mütter und ihre Kinder an die Zielgruppe bringt. "Nico hat seine festen Arbeitszeiten", schildert seine Partnerin, "ich muss mir die Zeit für meine Aufträge nehmen." Einen festen Tagesablauf gibt es nicht. "Es ist schon viel Disziplin gefragt", fasst Sandra May zusammen. Und Flexibilität.

Der Arbeitsrhythmus von Nico Geisler ist in einen Zwei-Schicht-Betrieb eingetaktet. Früh beginnt der Familienvater um 5.30 Uhr, arbeitet dann bis 15 Uhr. Die Spätschicht dauert von 14 Uhr bis Mitternacht. Zudem stehen alle zwei Wochen Samstagsschichten auf Geislers Dienstplan. An den Wochenenden können hin und wieder Bens Oma Maritta Geisler (50) und Opa Holger Geisler (54) einspringen. Regelmäßige Besuche gestalten sich allerdings eher schwierig. Oma Ute May (50) geht das nicht anders. "Die Entfernung", sagen Sohn und Tochter.

Bens Tag im Kindergarten beginnt morgens um halb neun. Hat der Papa Spätschicht, bringt er den Nachwuchs zur Betreuung, kann ihn auch bei Frühschichten wieder abholen. "Ich muss meinen Tagesablauf an meine beiden Männer anpassen", sagt Sandra May, "Nico ist dabei meine größte Stütze." So sitzt das Paar an manchen Abenden noch bis spät am Tisch, schneidet gemeinsam Textil-Folien in die Formen, die Sandra May für ihren Online-Shop benötigt. Dabei kommt auch sie nicht um Arbeit am Wochenende herum: "Meine Kunden rechnen sieben Tage in der Woche mit einer Antwort auf ihre Anfragen." Freizeit ist unter dem Strich ein rares Gut für alle drei. Genauso wie Zeit. "Der Tag hat 24 Stunden", bemerkt Nico Geisler, "aber irgendwie reicht das nicht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Felix Kretz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rund 3000 Polen leben laut aktueller Statistik in Leipzig. Mit seiner Veranstaltungsreihe "Polen von hier. Wir haben was zu bieten" präsentiert das hiesige Polnische Institut Landsleute, die in Deutschland arbeiten und eine zweite Heimat fanden.

20.09.2013

Hinter den Kulissen sind im Stadtgeschichtlichen Museum schon rund 300 000 der insgesamt etwa eine halbe Million Sammlungsobjekte digital erfasst worden. Nach dem Deutschen Historischen Museum in Berlin stehe die Einrichtung damit bundesweit auf Platz zwei bei der Online-Präsentation der Bestände, sagt Dokumentationschefin Karin Kühling.

20.09.2013

An den im Dezember vorigen Jahres verstorbenen Nasa-Manager Jesco von Puttkamer wird künftig in Leipzig eine Gedenktafel erinnern. Angebracht wird sie in der kommenden Woche am Geburtshaus des Ingenieurs in der Salomonstraße 26 b.

20.09.2013
Anzeige