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Lokales Fans organisieren Abschiedscorso für den Trabant - Kultauto darf nicht in Umweltzone
Leipzig Lokales Fans organisieren Abschiedscorso für den Trabant - Kultauto darf nicht in Umweltzone
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13:27 27.02.2011
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Denn die Leipziger Umweltzone gibt ihnen nur in wenigen Ausnahmefällen eine Chance. Am Sonntagnachmittag hatten die Fans nun einen Abschiedscorso geplant.

Zwar produzierte der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau mehr als drei Millionen Fahrzeuge. Doch in Capri-Grün gab es sie nur ganz selten. Dies muss man wissen, um Werner Hollmann aus Eutritzsch zu verstehen. Er erhielt seinen grünen Kleinwagen im April 1986 - nach elf Jahren und elf Monaten Wartezeit zugeteilt. „Das war mein erstes neues KFZ, verfügte schon über Radialreifen, Sicherheitsgurte, elektrische Zündanlage. Und hat 12.000 Ostmark gekostet.“

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Am Dienstag könnte Hollmann den Trabi eigentlich einmotten. Denn er steht in einer Garage in Mockau, die noch zur Leipziger Umweltzone gehört. „Bis zur Grenze sind es 800 Meter“, hat der Senior ermittelt. Obwohl sich die Zweitakter nicht  für eine grüne Plakette nachrüsten lassen, will Hollmann weiter schöne Ausflüge mit dem P601 unternehmen. „Ich habe Anfang Februar eine Ausnahmegenehmigung beantragt - bis heute ohne Antwort. Wenn es eine Ablehnung gibt, gehe ich gerichtlich dagegen vor. Ich sehe nicht ein, dass der Oberbürgermeister einen dicken BMW fahren darf, aber ich als Rentner keinen Trabant.“

Zwar können Oldtimer, deren Erstzulassung mehr als 30 Jahre zurückliegt, ein H-Kennzeichen erhalten und damit durch die Umweltzone brausen. Doch für die meisten Trabant trifft das nicht zu - sie stammen aus den Achtzigern.

Im Internet rufen Trabi-Freunde zu einem Abschiedscorso am Sonntag durch Leipzig auf. „Treff ist 15 Uhr vor dem Neuen Rathaus. Wir wollen damit allen Ausgeschlossenen unsere Solidarität zeigen und friedlich protestieren“, heißt es. Jedoch weiß auch Grit Oppitz, dass wahrscheinlich nur wenige Halter mit ihrem Fahrzeug teilnehmen können.  Grund: Die große Mehrheit der Trabi-Besitzer nutzt ein Saison-Kennzeichen, dass nur von April/Mai bis Oktober/November gilt. Sie wollen damit den Salzlaugen im Winter und einer hohen Jahressteuer aus dem Weg gehen, erläutert sie. „Die meisten Trabi-Fans, die ich kenne, wollen nach dem 1. März weiter durch Leipzig fahren. Sie warten nur auf die Strafe von 40 Euro und einem Punkt in Flensburg, um gegen die unsinnige Verordnung vor Gericht ziehen zu können.“

Theoretisch wäre eine generelle Ausnahme für Trabis denkbar gewesen, so Helmut Loris, Chef im Leipziger Ordnungsamt. Doch in der Abwägung, wie die Ziele der Zone erreicht werden können, habe das Umweltamt eine Grenze ziehen müssen. Immerhin seien in Leipzig 504 Trabis registriert.

Jens Rometsch

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