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14:56 19.05.2015
Jens Reutemann zeigt einen Sender, der verdeckt in Fahrzeugen eingebaut wird. Quelle: Winfried Mahr

Der 33-Jährige ist Fuhrparkleiter einer großen Leipziger Tiefbaufirma, deren 250 Mitarbeiter und Maschinen auf der ganzen Welt im Einsatz sind. "Wir haben da draußen Tausende Maschinen und Baustelleneinrichtungen im Einsatz - da verliert man schnell mal den Überblick." Seit drei Jahren bekommt er die aktuellen Standorte live auf seinen Computerbildschirm und erkennt sogar, wie die Maschinen laufen, welcher LKW gerade beladen wird oder welche Spezialmaschine mit der Wartung dran ist. Selbst Arbeitszeiten der Mitarbeiter werden via Satellit an die Zentrale übertragen und ausgewertet.

Auf Montage bedeutet das weniger Schreibkram und kaum noch nervige Nachfragen zum Baustellenablauf. Und Totalüberwachung? "Alle Kollegen wurden über das System informiert und haben schriftlich ihr Einverständnis erklärt", so Exner, dem angeblich noch keine Klagen von wegen "gläserne Mitarbeiter" zu Ohren kamen. "Der Chef will nicht rund um die Uhr wissen, was draußen passiert, sondern nur in bestimmten Verdachtsfällen."

Mobile Geräte und Inventar werden durch die Chips und Sender sicherer. Denn auf Baustellen kommt immer öfter was weg. "Da ist es gut zu wissen, wo die Rüttelplatte oder der Kipper abgeblieben sind", sagt der Leipziger Disponent.

"Diebstahlschutz steht für viele Kunden im Vordergrund", sagt Telematik-Experte Jens Reutemann aus Borsdorf (Kreis Leipzig), dessen gleichnamige Firma maßgeschneiderte Branchenprogramme anbietet. "Spätestens wenn der abgestellte Kettenbagger nachts mit 90 Sachen auf der Autobahn ostwärts unterwegs ist, löst der eingebaute Topopilot eine Alarmkette aus", erklärt der 50-Jährige. In den meisten Fällen passiere das viel eher, wenn die Tür oder der Tankverschluss geöffnet oder der Motor gestartet werde. Allein in diesem Jahr konnten Reutemann zufolge dank der versteckten Sender schon sechs geklaute Maschinen und Großgeräte zurückgeholt werden, darunter ein Bagger und ein Autodrehkran. Die Polizei bekommt im Alarmfall einen Link zur Echtzeitortung und kann die Ganoven entweder noch vor der Grenze aus dem Verkehr ziehen oder die Behörden der Nachbarländer mit Routendetails versorgen. "Solche Nachtschichten, wenn wir ahnungslose Diebe live verfolgen, sind natürlich besser als jeder Krimi", gesteht Reutemann.

Neben Autos, Maschinen oder Holzstapeln lassen sich längst auch Personen lokalisieren - und zwar nicht nur dazu Verknackte mit elektronischer Fußfessel. Ganz freiwillig senden Wanderer, Skifahrer oder Sportler, die auf einsamen Pfaden wandeln, regelmäßig oder bei Bedarf ihre Koordinaten an vorbestimmte Empfänger. Auch Haus- und Weidetiere werden mit GPS-Trackern ausgestattet. "Die Elektronik ist schon ziemlich weit", sagt Reutemann. Programme könnten auf beinah jeden Kundenwunsch zugeschnitten werden. So orientieren sich moderne Tracker nicht nur an Satellitenpositionen, sondern auch an Mobilfunkzellen oder Wlan-Netzen.

"Die Crux bleibt die Stromversorgung", sagt der gelernte Elektromaschinenbauer. Bei einem Gerät, das alle paar Sekunden seine Position durchgibt, halte der eingebaute Akku keinen Tag durch. Auch in sparsamen Intervallen oder auf Abruf stoße die Kapazität schnell an ihre Grenzen.

Neben den technischen Problemen ist ethisch noch umstritten, ob beispielsweise Kinder einen GPS-Tracker mit in die Schule oder in den Park bekommen sollten. Dieser würde Eltern Notsignale senden, sobald sich die Sprösslinge aus einem vorgegebenen Geo-Korridor entfernen oder gar entführt würden. Ortungsgeräte bieten in dieser Hinsicht nur eine trügerische Sicherheit, meint Ekkehard Mutschler vom Deutschen Kinderschutzbund. "Eltern können ihre Aufsichtspflicht nicht auf ein Gerät übertragen." Die meisten Übergriffe passierten im privaten Umfeld. "Und davor schützt auch die modernste Technik nicht", so der Jugendmedienschutz-Beauftragte.

Das müsse jeder für sich entscheiden, meint Reutemann. Doch eines steht für ihn fest: "Mobile Datenerfassung und Ortung wird in naher Zukunft im Privaten so selbstverständlich sein wie heute Mobiltelefon oder Online-Banking." Viele Firmen aus der Region machten es längst vor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.01.2014
Winfried Mahr

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