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Fast jede sechste Stelle fällt weg – Leipziger Stadtwerke bauen Unternehmen um

In vier Jahren Fast jede sechste Stelle fällt weg – Leipziger Stadtwerke bauen Unternehmen um

Die Leipziger Stadtwerke wollen ihr Unternehmen umkrempeln, um fit für das Zeitalter der erneuerbaren Energien und digitalen Vernetzung zu werden. Noch 2016 erhalten alle Wohnungsunternehmen in der Region Angebote für Komplettlösungen in ihren Häuserbeständen. Trotz komplizierterer Aufgaben soll das Personal bis 2020 um fast jede sechste Stelle verringert werden.

Auch mit Hilfe moderner Energiespeicher – wie sie an der Arno-Nitzsche-Straße errichtet wurden – möchten das kommunale Unternehmen seine führende Rolle im künftig dezentralen Netz von Tausenden kleinen Energieerzeugern in Leipzig behaupten.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Aufgabe klingt nach der Quadratur des Kreises: Mit weniger Mitarbeitern auf einem immer schwierigeren Markt konstant hohe Gewinne erzielen. Dennoch versprühten die Chefs der Leipziger Stadtwerke am Freitag viel Optimismus, dass ihnen genau das gelingen wird. „Strategisch, organisatorisch und kulturell“ solle sich im Unternehmen vieles ändern, kündigte Johannes Kleinsorg, Sprecher der Geschäftsleitung, an. Ziel sei eine „höhere Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit“ angesichts der Unwägbarkeiten bei der Energiewende oder den technischen Revolutionen in diesem Sektor.

Zwar stehe dar Leipziger Versorger im Vergleich zu anderen wirtschaftlich gut da, ergänzte sein Kollege Karsten Rogall. 2015 sei ein ähnlicher Gewinn wie 2014 (54 Millionen Euro) erzielt worden. Nach hohen Investitionen erwirtschafte das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk an der Eutritzscher Straße zurzeit einen „positiven Deckungsbeitrag“. Jedoch: Die verlässliche Lieferung von Strom, Gas und Wärme stehe künftig nicht mehr im Zentrum dessen, was zum Beispiel Firmen von ihrem Energiedienstleister erwarten.

Immer mehr setzten auf eigene, dezentrale Minikraftwerke, auf Erdwärme oder Sonnenkollektoren. „Wir wollen unseren Kunden als 360-Grad-Energiepartner zur Seite stehen, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“, erklärte Kleinsorg die neue Strategie. Mit der Baugenossenschaft Leipzig habe man vor vier Jahren ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Wohnanlagen auf eine möglichst kostengünstige und ökologische Versorgung umgestellt werden, zudem der Service komplett und rund um die Uhr aus einer Hand erfolgt. Noch 2016 würden der ganzen Wohnungswirtschaft ähnliche Contracting-Lösungen angeboten.

Auch bei Otto Normalverbraucher oder einem Eigenheimbauer müssten im Smartphone-Zeitalter die Erwartungen des Kunden ausschlaggebend dafür sein, wie sich die Stadtwerke intern organisieren. 13 Millionen Euro seien für IT-Systeme eingeplant, so Rogall. Alles das stehe im Mittelpunkt des Effizienzprogrammes Fit mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2020. Mit den Beschäftigten werde daran seit Monaten intensiv gearbeitet. „Die Entscheidung soll in diesem Sommer fallen.“

Vor einer Woche hatte die LVZ exklusiv berichtet, dass im gesamten Leipziger Stadtkonzern LVV längerfristig 200 bis 300 Stellen eingespart werden sollen. Kleinsorg ließ nun keinen Zweifel daran, dass die Stadtwerke dabei die Hauptlast tragen. „Wir gehen heute davon aus, dass wir 2020 unsere Leistungen mit rund 180 so genannten Vollzeitkapazitäten weniger realisieren können“, sagte er. Aktuell würden die Stadtwerke (ohne ihre polnischen Töchter, die nicht von Fit betroffen sind) 1200 Vollzeitkapazitäten zählen. „Wir sprechen da ganz bewusst weder von Stellen noch von Mitarbeitern. Denn in einigen Bereichen werden wir aufstocken, in anderen abbauen.“ Der Abbau beträgt trotzdem 15 Prozent – oder fast jede sechste Stelle. „Wir haben vier Jahre Zeit, auf Altersregelungen zu setzen und Fluktuation zu nutzen“, so Rogall dazu. An „tarifliche Optimierungen“ bei den Löhnen sei nicht gedacht, versicherte er.

Gleichwohl will das Unternehmen um etwa ein Drittel größere Strom- und Gasnetze bewirtschaften, nachdem es jüngst die Konzessionen für alle ab 1990 nach Leipzig eingemeindeten Ortsteile errungen hat. 45 Millionen Euro fließen in den nächsten Jahren in den Ausbau der Energieerzeugung, wobei es auch um weitere Windparks geht. Rogall: „Aus den Fehlern und Flops der Vergangenheit beim Thema Windkraft haben wir gelernt.“

Von Jens Rometsch

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