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Fertigstellung der Leipziger Asylbewerber-Unterkunft Johannisgasse verzögert sich

Fertigstellung der Leipziger Asylbewerber-Unterkunft Johannisgasse verzögert sich

Die Asylbewerber-Unterkunft in der Johannisgasse 26 im Zentrum-Südost wird wohl nicht wie geplant bis Ende Dezember fertig. Das bestätigte die Stadt am Montag gegenüber der LVZ.

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In der Johannisgasse 26 in der Leipziger Innenstadt (links im Bild) soll ein neues Asylbewerberheim entstehen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Wie der Gebäude-Eigentümer Vicus AG auf Anfrage mitteilte, sind die Verträge auch noch nicht unterschrieben. In der Info-Vorlage für den Stadtrat heißt es aber, die 200 Plätze in der neuen Notunterkunft würden noch 2014 dringend gebraucht.

Am Donnerstag sollen die Stadträte die Entscheidung aus der Dienstberatung des Oberbürgermeisters für das Objekt umweit vom Johannisplatz samt jährlicher Mietkosten von rund 570.000 Euro zur Kenntnis nehmen. Die Stadt Leipzig will das Objekt nach bisheriger Planung für fünf Jahre anmieten. Für die Herrichtung war die Verwaltung von „geringem Arbeitsaufwand“ ausgegangen.

Stadt will im Notfall Hotels anmieten

Bis jetzt habe die Stadt sich aber noch nicht entschieden, ob zum Beispiel die notwendigen Einbauten von Gemeinschaftsduschen und Küchen durch die Kommune oder durch den Hauseigentümer vorgenommen werden soll, so Vicus-Geschäftsführer Andreas Kunz. Er hoffe, dass die rathausinterne Klärung der offenen Fragen in den nächsten Tagen abgeschlossen wird, um dann alsbald einen Mietvertrag abschließen zu können.

Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst spricht von einem „normalen Procedere“. Eine Begehung des Objekts habe stattgefunden, jetzt werde die Renovierung im Detail geplant. Für die Umnutzung vom Büro- zum Wohngebäude müsse außerdem ein Umnutzungsantrag gestellt und genehmigt werden. Bis zum Ende des Jahres ist das alles aus ihrer Sicht tatsächlich kaum zu schaffen. Auch die Anwohner-Infoversammlung ist verschoben: Sie findet statt Ende November nun am 1. Dezember um 19 Uhr im Evangelischen Schulzentrum statt.

Dass Leipzig am Ende seiner Verpflichtung zur Unterbringung der durch den Bund zugewiesenen Flüchtlinge nicht nachkommen könne, fürchtet sie nicht. „Im Notfall müssen Hotels angemietet werden“, sagt Kador-Probst.

"Fairness": Politiker loben Standort Mitte

Möglicherweise spielt auch eine neue Entwicklung der Stadt in die Hände. Die Landesdirektion teilte am Montag auf Anfrage mit, dass mit Stichtag 17. November 2014 bis Jahresende noch mindestens 450 Flüchtlinge in Leipzig erwartet werden. Insgesamt würde das Land also 2014 voraussichtlich 1245 Flüchtlinge der Messestadt zuweisen. Das sind 194 weniger als bisher prognostiziert. Die Stadt war noch nicht offiziell informiert. „Ich kenne diese Zahlen nicht“, sagte Kador-Probst.

„Selbst wenn es so ist, perspektivisch ist es richtig, mehr Plätze zur Verfügung zu haben“, sagte Grünen-Co-Fraktionschefin Katharina Krefft am Montag. Sie lobte den Standort Mitte für das neue Wohnheim: „Alle Stadtteile sollten an der Integration der Asylbewerber teilnehmen.“ Auch der neu gewählte CDU-Stadtrat Stefan Georgi hält „Fairness“ für wichtig bei der Verteilung der Standorte. Die Innenstadtnähe sei zudem ein Vorteil.

Georgi hat sich das Objekt angesehen, hat mit Anwohnern und der Stadt gesprochen. Einzelne Bedenken gebe es immer, die sollten respektiert werden. Auch müssten noch Details zum Brandschutz geprüft werden.Bevor die Stadt sich auf lange Zeit finanziell binde, müssten Probleme auf den Tisch. „Aber ich denke lösungsorientiert. Was jetzt noch zur Diskussion steht, kann sicher geklärt werden.“

Mieter kündigen Verträge nach Bekanntwerden der Asyl-Pläne

Nur das Bürohaus direkt an der Johannisgasse wird nach aktueller Planung von Flüchtlingen bezogen. Bei einem weiteren Gebäudeteil mit 25 Wohnungen – der Komplex ist H-förmig angelegt - solle sich hingegen nichts ändern. Allerdings hätten dort einige Mieter sofort nach Bekanntwerden der Pläne für eine Asylbewerber-Unterkunft ihren Mietvertrag gekündigt.

„Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, denn wir haben auch in München ein ähnliches Projekt, wo alles reibungslos funktioniert“, so Vicus-Chef Kunz. In Leipzig habe es noch nie ernsthafte Probleme mit Kriegsflüchtlingen gegeben. „In der Innenstadt fühlen sie sich sicherlich auch besser aufgehoben als irgendwo weit draußen am Rand eines Gewerbegebiets.“

Die Tiefgarage mit 140 Plätzen unter dem Bürohaus wolle die Vicus AG nun fremdvermieten. Ein möglicher Kandidat sind die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL), welche wiederholt über Parkplatzmangel an ihrem nahe gelegenen Firmensitz klagten.

Matthias Roth / Jens Rometsch / Evelyn ter Vehn

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