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Lokales Feuchttücher verstopfen Pumpen im Leipziger Kanalnetz
Leipzig Lokales Feuchttücher verstopfen Pumpen im Leipziger Kanalnetz
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12:06 14.11.2017
Sven Lietzmann, Thomas Fieberg, Daniel Jentzsch und Heiko Schulze (von links) zeigen, welche Papiersorten sich gut in Wasser auflösen – und welche gar nicht. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Eine scheinbar kleine Nebensächlichkeit wird zum immer größeren Problem für die Leipziger Wasserwerke. Im vergangenen Jahr hat das kommunale Unternehmen nahezu 2000 Tonnen feste Bestandteile aus dem Abwasser in seinem Haupt-Klärwerk im Rosental gefischt. 2014 waren es erst 1600 Tonnen, im Jahr 2010 sogar nur 645 Tonnen, erklärte Firmensprecherin Katja Gläß gestern. „Das entspricht einer Verdreifachung in kurzer Zeit. Unser Hauptproblem sind dabei die Feuchttücher aller Art. Sie gehören eigentlich gar nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll.“

Anders als bei normalem Toilettenpapier aus Zellstoff seien die Feuchttücher besonders reiß-, wring- und wasserfest, erläuterte Gläß weiter. „Sie lösen sich im Wasser also nicht schnell auf, sondern werden nahezu unverändert durch das Kanalnetz gespült.“ Da Leipzig kaum Hügel habe, müsse das Abwasser im Stadtgebiet an vielen Stellen in die Höhe gepumpt werden, um dann mit dem Gefälle in Richtung Rosental fließen zu können, so Thomas Fieberg, der als Fachbereichsleiter für das 2900 Kilometer lange Kanalnetz verantwortlich ist. „2016 hatten wir durch Verstopfungen mehr als 300 Pumpenausfälle.“ Die schwere Technik müsse dann – oft per Kran – ausgebaut und mit riesigen Messern von den festgewirkten Zöpfen aus Feuchttüchern, Wattestäbchen und anderem Unrat befreit werden. „Eine Reparatur kostet im Schnitt 500 Euro, so dass sich das alles pro Jahr auf 150 000 Euro summiert“, sagte Fieberg. „Letztlich landen diese Kosten über die Abwasserpreise auch beim Kunden.“

Zwar gebe es inzwischen noch widerstandsfähigere Pumpen, doch die würden pro Stück mit 20 000 Euro zu Buche schlagen. Und sie hätten einen deutlich höheren Energieverbrauch. „Außerdem kommt alles, was es durch das Kanalnetz schafft, zum Schluss am Rechwerk im Klärwerk Rosental an“, ergänzte Klärwerkschef Daniel Jentzsch. Der Aufwand, um dort die nicht aufgelösten Hygieneartikel abzusammeln, steige immer mehr. Auch das verursache Extra-kosten. Durch die übermäßige Verzopfung des Rechenwerks gelange zu wenig aufgelöster Zellstoff von normalem Toilettenpapier in die Reinigungsbecken. Damit die eigentlich auf Zellstoff geeichten Mikroorganismen dort trotzdem richtig sauberes Nass herstellen können, müsse dem Abwasser in den Becken als Ersatz Essigsäure beigemischt werden.

Um zu verdeutlichen, wie hartnäckig manche Sorten von modernen Feuchttüchern dem normalen Reinigungsvorgang widerstehen, hatten die Wasserwerke gestern extra eine Pressekonferenz organisiert. „Meterlange Mullbinden, Wattestäbchen, Windeln, Damen-Binden und Kondome landen in vielen Haushalten in der Toilette. Sie werden so nicht nur zum Pumpenkiller im Kanalnetz, sondern können schon das Rohrnetz im Haus verstopfen“, warnte Sven Lietzmann vom Anlagen- und Kanalnetz-Management. „Bei jeder Toilettenspülung werden etwa fünf bis sechs Liter Wasser verbraucht. Auch das spricht klar für eine Entsorgung im Mülleimer.“

In einem Experiment führte Heiko Schulze, Leiter des Betriebslabors des Unternehmens vor, wie sich verschiedene Tücherarten bei Bewegungen im Wasser auflösen – oder auch nicht. Normales Toilettenpapier war binnen einer Minute komplett zerfallen. Bei feuchtem Toilettenpapier mit der Kennzeichnung „biologisch abbaubar“ dauerte es etwas länger.

„Hingegen verändern andere Feuchttücher ihre Struktur auch nach Stunden nicht – gleich ob Cockpitreiniger, Desinfiziertücher oder feuchte Waschlappen“, so Schulze. Auf manchen Verpackungen stehe auch, dass die Tücher dieser Marke „spülbar“ sind. Das bedeute nur, dass sie es durch den Abfluss schaffen. Nicht aber, dass sie sich zersetzen und pumpbar sind.

Von Jens Rometsch

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